Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test eines deutsch-britischen Start-ups hat die europäische Rüstungsindustrie aufgeschreckt. Das Unternehmen Hypersonica hat nach nur neun Monaten Entwicklungszeit einen Prototyp getestet, der eine Geschwindigkeit von rund 7400 km/h erreichte.

Die wichtigsten Fakten
- Hypersonica testete erfolgreich eine Hyperschallrakete in Norwegen.
- Die Entwicklungszeit betrug lediglich neun Monate.
- Das Unternehmen wurde von privaten Investoren und der SPRIND gefördert.
- Ziel ist die Entwicklung europäischer Hyperschall-Deep-Strike-Fähigkeiten.
Inhaltsverzeichnis
- Hyperschallrakete Test: Ein Durchbruch für Europa?
- Die Finanzierung und das Geschäftsmodell von Hypersonica
- Was bedeutet das für die europäische Verteidigungspolitik?
- Ein Blick in die Geschichte: Wettrüsten im Kalten Krieg
- Was bedeutet das für Verbraucher/Arbeitnehmer/die Branche?
- Häufig gestellte Fragen
Hyperschallrakete Test: Ein Durchbruch für Europa?
Die Nachricht vom erfolgreichen Test einer Hyperschallrakete durch das deutsch-britische Start-up Hypersonica schlug ein wie eine Bombe. Wie Stern berichtet, hob die Rakete vom norwegischen Startplatz Andøya ab und erreichte während ihres 300 Kilometer langen Testfluges eine Geschwindigkeit von rund 7400 km/h. Dies entspricht etwa der sechsfachen Schallgeschwindigkeit (Mach 6).
Die rasante Entwicklung des Prototyps in nur neun Monaten ist bemerkenswert. Das 2023 gegründete Unternehmen mit Sitz in München und London wurde von privaten Investoren der Plural-Gruppe sowie von der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) und General Catalyst finanziert. Die Gründer, Philipp Kerth und Marc Ewenz, haben in London Luft- und Raumfahrt studiert und zum Thema Hyperschall promoviert.
Hyperschallgeschwindigkeit beginnt ab Mach 5, was der fünffachen Schallgeschwindigkeit entspricht. Die Schallgeschwindigkeit beträgt in etwa 1235 km/h, je nach Temperatur und Höhe.
Wie funktioniert die Hyperschalltechnologie?
Hyperschallflugkörper bewegen sich mit extrem hohen Geschwindigkeiten durch die Atmosphäre. Um diese Geschwindigkeiten zu erreichen, nutzen sie in der Regel Staustrahltriebwerke (Scramjets), die die einströmende Luft komprimieren und mit Treibstoff vermischen, um eine kontinuierliche Verbrennung zu erzeugen. Die aerodynamische Gestaltung und die verwendeten Materialien müssen extremen Belastungen durch Hitze und Druck standhalten.
Die Entwicklung von Hyperschallwaffen stellt eine besondere Herausforderung dar, da die Flugkörper aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit schwer abzufangen sind. Dies macht sie zu einem strategischen Vorteil in militärischen Auseinandersetzungen. (Lesen Sie auch: „In Wahrheit Jette ist Tot“: Was steckt…)
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test von Hypersonica zeigt, dass Europa in der Lage ist, in diesem kritischen Technologiebereich mit den USA, Russland und China mitzuhalten. Die Entwicklung erfolgte nach dem Vorbild von Elon Musks SpaceX, wobei auf modulare Bauweise und Kosteneffizienz geachtet wurde.
Die Finanzierung und das Geschäftsmodell von Hypersonica
Die Finanzierung von Hypersonica erfolgte durch eine Mischung aus privaten Investoren und staatlichen Fördergeldern. Die Plural-Gruppe, eine Beteiligungsgesellschaft, investierte in das Start-up, während die SPRIND und General Catalyst ebenfalls finanzielle Unterstützung leisteten. Die genaue Höhe der Investitionen wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, dürfte aber im zweistelligen Millionenbereich liegen.
Das Geschäftsmodell von Hypersonica zielt darauf ab, Europa mit Hyperschall-Deep-Strike-Fähigkeiten auszustatten. Das bedeutet, dass das Unternehmen Raketen entwickeln will, die Ziele in großer Entfernung und mit hoher Geschwindigkeit angreifen können. Die Raketen sollen schwer abzufangen sein und somit einen strategischen Vorteil bieten. Die modulare Bauweise der Raketen soll es ermöglichen, sie an verschiedene Anforderungen anzupassen und die Kosten zu senken.
Die Entscheidung, die Hyperschallrakete vollständig mit europäischen Partnern zu bauen, unterstreicht das Ziel, die technologische Unabhängigkeit Europas zu stärken. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da die europäische Rüstungsindustrie in der Vergangenheit stark von den USA abhängig war.
Die SPRIND (Bundesagentur für Sprunginnovationen) wurde gegründet, um disruptive Innovationen in Deutschland zu fördern. Sie unterstützt Projekte mit hohem Risiko und großem Potenzial.
Laut Expertenmeinungen ist die Abhängigkeit Europas von den USA in sicherheitsrelevanten Bereichen ein wachsendes Problem. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat diese Problematik nochmals verdeutlicht. Die Entwicklung eigener Fähigkeiten im Bereich der Hyperschalltechnologie ist daher von großer strategischer Bedeutung. (Lesen Sie auch: Radomiak – Korona Kielce: gegen: Das erwartet…)
Was bedeutet das für die europäische Verteidigungspolitik?
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test von Hypersonica könnte einen Wendepunkt für die europäische Verteidigungspolitik darstellen. Europa befindet sich an einem Punkt, an dem schnelle Innovationen im Verteidigungsbereich unerlässlich sind. Die Fähigkeit, Hyperschallwaffen zu entwickeln und einzusetzen, könnte dazu beitragen, die Abschreckungswirkung Europas zu erhöhen und die Sicherheit des Kontinents zu gewährleisten.
Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich der potenziellen Auswirkungen von Hyperschallwaffen auf die globale Stabilität. Die Entwicklung und Verbreitung dieser Waffen könnte zu einem neuen Wettrüsten führen und die Gefahr eines Konflikts erhöhen. Es ist daher wichtig, dass die Entwicklung von Hyperschallwaffen mit einer verantwortungsvollen Rüstungskontrollpolitik einhergeht.
„Europa muss seine technologischen Fähigkeiten im Verteidigungsbereich ausbauen, um seine Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Gustav Gressel, Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations. „Der erfolgreiche Test von Hypersonica ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“
Welche ethischen Fragen wirft die Entwicklung von Hyperschallwaffen auf?
Die Entwicklung von Hyperschallwaffen wirft eine Reihe ethischer Fragen auf. Kritiker argumentieren, dass die hohe Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit dieser Waffen es schwierig machen, zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden. Dies könnte zu unbeabsichtigten zivilen Opfern führen. Darüber hinaus gibt es Bedenken hinsichtlich der potenziellen Eskalation von Konflikten, da Hyperschallwaffen die Reaktionszeit für Verteidigungsmaßnahmen verkürzen.
Befürworter argumentieren hingegen, dass Hyperschallwaffen eine präzisere Zielerfassung ermöglichen und somit das Risiko von Kollateralschäden verringern können. Sie betonen auch, dass die Entwicklung dieser Waffen notwendig ist, um mit den technologischen Fortschritten anderer Länder Schritt zu halten und die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Der European Council on Foreign Relations (ECFR) ist eine Denkfabrik, die sich mit europäischer Außenpolitik befasst. (Lesen Sie auch: Lisa Akkaya und Straube in Trauer: Influencerin…)
Ein Blick in die Geschichte: Wettrüsten im Kalten Krieg
Die aktuelle Entwicklung im Bereich der Hyperschalltechnologie erinnert an das Wettrüsten im Kalten Krieg. Damals konkurrierten die USA und die Sowjetunion um die Entwicklung immer neuer und leistungsfähigerer Waffen. Dieser Wettlauf führte zu enormen Investitionen in Forschung und Entwicklung und hatte erhebliche Auswirkungen auf die globale Politik. Die Entwicklung von Hyperschallwaffen könnte nun einen ähnlichen Wettlauf auslösen, wobei die USA, Russland, China und Europa um die Vorherrschaft in diesem Bereich konkurrieren.
Ein wesentlicher Unterschied zum Kalten Krieg besteht jedoch darin, dass heute auch private Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien spielen. Hypersonica ist ein Beispiel dafür, wie Start-ups mit innovativen Ideen und schnellen Entwicklungszyklen die Rüstungsindustrie verändern können.
Was bedeutet das für Verbraucher/Arbeitnehmer/die Branche?
Für Verbraucher hat die Entwicklung von Hyperschallwaffen zunächst keine direkten Auswirkungen. Allerdings könnten die hohen Investitionen in diesen Bereich langfristig zu höheren Steuern oder Einsparungen in anderen Bereichen führen. Für Arbeitnehmer könnten sich neue Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie und in verwandten Bereichen ergeben. Die Branche selbst steht vor großen Herausforderungen, da die Entwicklung von Hyperschallwaffen hohe Anforderungen an Technologie, Material und Know-how stellt.
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test von Hypersonica zeigt, dass Europa in der Lage ist, in diesem anspruchsvollen Technologiebereich mitzuspielen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklung von Hyperschallwaffen auf die globale Sicherheit und die europäische Verteidigungspolitik auswirken wird.
Häufig gestellte Fragen
Welche anderen Länder forschen an Hyperschalltechnologie?
Neben den USA und Russland forschen auch China, Indien und Australien intensiv an Hyperschalltechnologie. Diese Länder sehen in Hyperschallwaffen einen strategischen Vorteil und investieren erhebliche Summen in deren Entwicklung.
Wie gefährlich sind Hyperschallwaffen im Vergleich zu anderen Waffen?
Hyperschallwaffen gelten aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit als besonders gefährlich. Sie sind schwer abzufangen und können Ziele in kurzer Zeit erreichen. Dies verkürzt die Reaktionszeit für Verteidigungsmaßnahmen und erhöht das Risiko einer Eskalation.
Welche Rolle spielt die SPRIND bei der Förderung von Innovationen?
Die SPRIND (Bundesagentur für Sprunginnovationen) hat das Ziel, disruptive Innovationen in Deutschland zu fördern. Sie unterstützt Projekte mit hohem Risiko und großem Potenzial, die das Potenzial haben, bestehende Technologien und Geschäftsmodelle zu verändern.
Der erfolgreiche Hyperschallrakete Test durch Hypersonica ist ein bedeutender Erfolg für die europäische Rüstungsindustrie und könnte langfristig die europäische Verteidigungspolitik beeinflussen. Die technologische Unabhängigkeit Europas in sicherheitsrelevanten Bereichen wird immer wichtiger, und Hypersonica leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Entwicklung von Hyperschallwaffen auf die globale Stabilität auswirken wird.
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