đ Lesezeit: 9 Minuten | Aktualisiert: 25. Januar 2026
Individualbesteuerung kurz erklÀrt:
Bei der Individualbesteuerung fĂŒllt jeder Ehepartner eine eigene SteuererklĂ€rung aus â das gemeinsame Einkommen wird nicht mehr addiert. In der Schweiz entscheidet das Volk am 8. MĂ€rz 2026 ĂŒber diesen Systemwechsel. In Deutschland sollen die Steuerklassen III und V ab 2030 abgeschafft werden. Doppelverdiener-Paare wĂŒrden profitieren, Alleinverdiener-Familien mĂŒssten mehr zahlen.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in KĂŒrze
- Was ist Individualbesteuerung?
- Schweiz: Volksabstimmung am 8. MĂ€rz 2026
- Deutschland: Steuerklassen III und V vor dem Aus
- Folgen fĂŒr Ehepaare: Wer gewinnt, wer verliert?
- Folgen fĂŒr Familien mit Kindern
- Folgen fĂŒr Rentner: Die groĂen Gewinner?
- Folgen fĂŒr Alleinstehende
- Pro und Contra: Die Argumente im Ăberblick
- HĂ€ufige Fragen zur Individualbesteuerung
- Fazit: Individualbesteuerung bringt Gewinner und Verlierer
Das Wichtigste in KĂŒrze
- Definition: Jede Person wird separat besteuert, unabhÀngig vom Zivilstand
- Schweiz: Volksabstimmung am 8. MĂ€rz 2026 â 64% Zustimmung laut Umfragen
- Deutschland: Steuerklassen III/V werden erst ab 2030 abgeschafft
- Gewinner: Doppelverdiener-Ehepaare, Rentner mit Àhnlichen Einkommen
- Verlierer: Alleinverdiener-Familien, kinderlose Alleinstehende
- Ziel: Beseitigung der „Heiratsstrafe“, bessere Erwerbsanreize fĂŒr Frauen
- Steuerausfall Schweiz: ca. 630 Mio. Franken jÀhrlich
Individualbesteuerung â dieses Wort elektrisiert am 25. Januar 2026 Millionen Steuerzahler in der Schweiz und Deutschland. WĂ€hrend die Eidgenossen am 8. MĂ€rz ĂŒber den gröĂten Systemwechsel seit Jahrzehnten abstimmen, diskutiert auch der Bundestag ĂŒber das Ende des Ehegattensplittings.
Doch was bedeutet die getrennte Veranlagung konkret? Wer profitiert, wer zahlt drauf? Und welche Folgen hat das fĂŒr Familien, Rentner und Alleinstehende? Hier erfĂ€hrst du alles zu den Auswirkungen der Steuerreform.
Was ist Individualbesteuerung?
Bei der Individualbesteuerung wird jede Person separat veranlagt â unabhĂ€ngig davon, ob sie verheiratet ist oder nicht. Ehepaare mĂŒssten kĂŒnftig zwei getrennte SteuererklĂ€rungen ausfĂŒllen, statt wie bisher eine gemeinsame.
Das aktuelle System in Deutschland und der Schweiz funktioniert anders: Bei der gemeinsamen Veranlagung (Zusammenveranlagung) werden die Einkommen beider Ehepartner addiert. In Deutschland kommt dann das sogenannte Ehegattensplitting zur Anwendung.
| Merkmal | Gemeinsame Veranlagung | Individualbesteuerung |
|---|---|---|
| SteuererklÀrung | 1 gemeinsame | 2 getrennte |
| Einkommen | Wird addiert | Separat versteuert |
| Progression | Auf Gesamteinkommen | Auf Einzeleinkommen |
| Vorteil bei | Ungleichen Einkommen | Ăhnlichen Einkommen |
| Zivilstand | Relevant | Irrelevant |
Schweiz: Volksabstimmung am 8. MĂ€rz 2026
In der Schweiz kommt die Individualbesteuerung am 8. MĂ€rz 2026 zur Volksabstimmung. Das Parlament hat das Bundesgesetz im Juni 2025 angenommen, gegen das Gesetz wurde jedoch das Referendum ergriffen.
Laut aktuellen Umfragen befĂŒrworten 64 Prozent der Stimmberechtigten die Reform. Die wichtigsten Eckpunkte laut Eidgenössischer Steuerverwaltung:
- Jeder Ehepartner fĂŒllt eine eigene SteuererklĂ€rung aus
- Der Kinderabzug steigt von 6.700 auf 12.000 Franken pro Kind
- SteuersĂ€tze fĂŒr tiefe/mittlere Einkommen sinken, fĂŒr hohe steigen leicht
- Mindereinnahmen: ca. 630 Mio. Franken jÀhrlich (Bund)
- Gilt fĂŒr Bund, Kantone und Gemeinden
đĄ Online-Rechner:
Ein ĂŒberparteiliches Komitee hat einen Online-Rechner zur Individualbesteuerung lanciert. Damit können Schweizer Steuerzahler ihre persönliche Steuerbelastung vor und nach der Reform vergleichen.
Deutschland: Steuerklassen III und V vor dem Aus
In Deutschland ist die Individualbesteuerung noch nicht beschlossen. Das Ehegattensplitting bleibt vorerst bestehen. Allerdings hat die Bundesregierung angekĂŒndigt, die Steuerklassen III und V ab 2030 abzuschaffen.
Das bedeutet: Ehepaare werden dann automatisch in Steuerklasse IV mit Faktor eingestuft. Das Ehegattensplitting selbst bleibt aber erhalten â es Ă€ndert sich nur der monatliche Lohnsteuerabzug, nicht die Jahressteuerlast.
Die SPD fordert weiterhin eine komplette Abschaffung des Ehegattensplittings. Laut stellvertretender Fraktionsvorsitzender Wiebke Esdar fördere es ein „völlig ĂŒberholtes Rollenbild“.

Folgen fĂŒr Ehepaare: Wer gewinnt, wer verliert?
Die Auswirkungen der Individualbesteuerung hÀngen stark von der Einkommensverteilung zwischen den Ehepartnern ab:
Gewinner: Doppelverdiener mit Àhnlichem Einkommen
Verdienen beide Partner Àhnlich viel, profitieren sie stark. Ein Beispiel aus der Schweiz:
| Einkommensverteilung | Steuer heute | Steuer neu | Differenz |
|---|---|---|---|
| 50:50 (je 100.000 CHF) | 6.733 CHF | 2.696 CHF | -4.037 CHF |
| 70:30 | 6.733 CHF | 4.100 CHF | -2.633 CHF |
| 90:10 | 6.733 CHF | 7.800 CHF | +1.067 CHF |
| 100:0 (Alleinverdiener) | 6.733 CHF | 9.200 CHF | +2.467 CHF |
Beispiel: Ehepaar mit 200.000 CHF Gesamteinkommen, direkte Bundessteuer Schweiz
Verlierer: Alleinverdiener-Familien
Bei Paaren, wo nur ein Partner arbeitet, steigt die Steuerlast deutlich. Das Problem: Der nicht-erwerbstÀtige Partner kann den Kinderabzug oft nicht nutzen, weil er keine oder nur geringe Steuern zahlt.
â ïž Kritik an der Reform:
Vierköpfige Familien mit 120.000 CHF Einkommen zahlen heute 2.700â3.100 CHF Bundessteuern â unabhĂ€ngig von der Aufteilung. Mit Individualbesteuerung: Doppelverdiener nur noch 1.000 CHF, Alleinverdiener jedoch 5.000 CHF.
Folgen fĂŒr Familien mit Kindern
Die Auswirkungen auf Familien sind komplex und hÀngen von mehreren Faktoren ab:
- Höherer Kinderabzug: In der Schweiz steigt er von 6.700 auf 12.000 CHF
- Problem: Bei Alleinverdienern „verpufft“ der halbe Abzug, wenn der nicht-arbeitende Partner keine Steuern zahlt
- Kinderbetreuungskosten: Können weiterhin abgezogen werden
- Erwerbsanreiz: FĂŒr den Zweitverdiener (meist Frauen) lohnt sich Mehrarbeit mehr
Die BefĂŒrworter argumentieren, dass die Reform langfristig Familien entlaste â weil sich fĂŒr MĂŒtter die RĂŒckkehr in den Beruf stĂ€rker lohne. Kritiker warnen vor einer Benachteiligung traditioneller Familienmodelle.
Folgen fĂŒr Rentner: Die groĂen Gewinner?
Ăberraschend: Pensionierte Ehepaare profitieren am stĂ€rksten von der Individualbesteuerung. Obwohl sie nur 14â15 Prozent aller Steuerpflichtigen ausmachen, entfallen laut Schweizer Zahlen 35â36 Prozent der gesamten Entlastung auf sie.
Der Grund: Nach der Pensionierung gleichen sich die Einkommen vieler Ehepaare an, weil beide AHV-Rente (in der Schweiz) bzw. gesetzliche Rente (in Deutschland) und oft auch Pensionskassenrente beziehen.

Wann Rentner profitieren
- Beide Partner haben Àhnliche Renten: Starke Entlastung
- Traditionelle Rollenverteilung: Auch hier oft Einsparungen möglich, da geringe Einkommen weniger besteuert werden
- KapitalbezĂŒge: Werden nicht mehr zusammengerechnet â beide können im gleichen Jahr auszahlen lassen
Wann Rentner verlieren
- Alleinstehende Pensionierte: MĂŒssen mit höherer Belastung rechnen
- Nur ein Partner mit hoher Rente: Splitting-Vorteil entfÀllt
Folgen fĂŒr Alleinstehende
FĂŒr Singles Ă€ndert sich auf den ersten Blick wenig â sie werden ja bereits individuell besteuert. Allerdings sieht die Schweizer Reform auch Tarifanpassungen vor, die Alleinstehende treffen:
- Der bisherige Steuervorteil gegenĂŒber verheirateten Doppelverdienern entfĂ€llt
- FĂŒr höhere Einkommen steigen die SteuersĂ€tze leicht
- Kinderlose Alleinstehende zÀhlen laut Berechnungen zu den Verlierern
Der Schweizer Verband der Singles kritisiert, dass die Interessen Alleinstehender in der Politik zu kurz kÀmen.
Pro und Contra: Die Argumente im Ăberblick
| Pro Individualbesteuerung | Contra Individualbesteuerung |
|---|---|
| Beseitigung der „Heiratsstrafe“ | Benachteiligung traditioneller Familien |
| Zivilstandsneutrale Besteuerung | 1,7 Mio. zusÀtzliche SteuererklÀrungen |
| Bessere Erwerbsanreize fĂŒr Frauen | Höhere BĂŒrokratie fĂŒr Behörden |
| Mehr Gleichstellung der Geschlechter | Neue Ungerechtigkeiten entstehen |
| Entlastung fĂŒr 50% der Steuerpflichtigen | Mehrbelastung fĂŒr Alleinverdiener |
HĂ€ufige Fragen zur Individualbesteuerung
Fazit: Individualbesteuerung bringt Gewinner und Verlierer
Die Individualbesteuerung ist keine Reform, die alle gleichmĂ€Ăig entlastet. Sie verschiebt Steuerlasten â weg von Doppelverdiener-Paaren und Rentnern, hin zu Alleinverdiener-Familien und teilweise Alleinstehenden.
In der Schweiz entscheidet das Volk am 8. MĂ€rz 2026. In Deutschland bleibt das Ehegattensplitting vorerst erhalten, doch die Debatte wird anhalten. Klar ist: Wer von der Reform betroffen wĂ€re, sollte seine individuelle Situation genau durchrechnen â mit einem Steuerberater oder Online-Rechnern.
âïž Ăber den Autor
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von mindelmedia-news.de auf Basis von Quellen wie der Eidgenössischen Steuerverwaltung, dem Bundesfinanzministerium und Fachmedien erstellt. Stand: Januar 2026.













