Jahrzehntelange Überfischung und Umweltzerstörung haben die Fischbestände im Jangtse-Fluss dramatisch dezimiert. Doch nun gibt es Anzeichen der Hoffnung: Das seit 2021 geltende Jangtse Fischereiverbot scheint Wirkung zu zeigen. Wissenschaftliche Studien belegen eine deutliche Erholung der Fischbiomasse und Artenvielfalt in dem bedeutenden chinesischen Strom.

Die wichtigsten Fakten
- Das seit 2021 geltende Fischereiverbot im Jangtse-Fluss zeigt positive Auswirkungen.
- Die Fischbiomasse hat sich nach Inkrafttreten des Verbots verdoppelt.
- Bedrohte Arten und große, wirtschaftlich wertvolle Fische profitieren besonders.
- Neben dem Fischereiverbot tragen auch Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und Renaturierung der Uferbereiche zur Erholung bei.
Die lange Leidensgeschichte des Jangtse
Der Jangtse, auch bekannt als Chang Jiang („Langer Strom“), ist mit über 6.300 Kilometern Länge der längste Fluss Asiens und ein zentraler Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 erlebte der Fluss jedoch eine massive Ausbeutung. Der rasante wirtschaftliche Aufstieg des Landes forderte seinen Tribut: Umweltauflagen wurden vernachlässigt, die Wasserqualität sank, und die Fischbestände wurden durch intensive Fischerei stark dezimiert. Wie Stern berichtet, durchquert der Fluss Metropolen wie Chongqing, Wuhan und Nanjing, die zu Zentren der chinesischen Industrie wurden.
Die Folgen waren verheerend. Einige Tierarten verschwanden für immer, darunter der Chinesische Flussdelfin (Lipotes vexillifer), dessen Aussterben als ökologische Katastrophe gilt. Andere Arten kämpften ums Überleben, während die Fischbestände insgesamt dramatisch zurückgingen. Jahrzehntelang schien die Situation aussichtslos, und viele Experten befürchteten einen irreversiblen Schaden für das Ökosystem des Jangtse.
Der Jangtse-Fluss entwässert ein Fünftel der Landesfläche Chinas und ist die Heimat von über 400 Fischarten, von denen viele endemisch sind.
Ursachen des Fischsterbens: Mehr als nur Überfischung
Die Überfischung war zweifellos ein Hauptgrund für den Rückgang der Fischbestände. Doch auch andere Faktoren spielten eine entscheidende Rolle. Die Verschmutzung durch Industrieabwässer und landwirtschaftliche Abflüsse beeinträchtigte die Wasserqualität erheblich und schädigte die Lebensräume der Fische. Der Bau von Staudämmen, wie dem Drei-Schluchten-Damm, veränderte die Flussdynamik und blockierte die Wanderwege vieler Fischarten. Hinzu kam die Zerstörung von Uferzonen durch Bebauung und Landwirtschaft, was zu einem Verlust wichtiger Laichgebiete führte.
Ein weiterer Faktor war der zunehmende Schiffsverkehr auf dem Jangtse, der zu Lärmbelästigung und Wasserverschmutzung beitrug. Die Schiffe störten die Fische in ihrer natürlichen Umgebung und erhöhten das Risiko von Kollisionen. Insgesamt handelte es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die die Fischbestände im Jangtse an den Rand des Zusammenbruchs brachten. (Lesen Sie auch: Naturschutz: Studie: Fischbestände in Chinas Jangtse-Fluss erholen…)
Das Jangtse Fischereiverbot: Ein Wendepunkt?
Angesichts der dramatischen Situation reagierte die chinesische Regierung mit einem umfassenden Maßnahmenpaket zum Schutz des Jangtse. Ein zentraler Bestandteil war das im Jahr 2021 in Kraft getretene Fischereiverbot, das die kommerzielle Fischerei in weiten Teilen des Flusses und seiner wichtigsten Nebenflüsse untersagt. Das Verbot gilt zunächst für zehn Jahre und soll den Fischbeständen die Möglichkeit geben, sich zu erholen.
Doch das Fischereiverbot allein reicht nicht aus. Die Behörden haben auch Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität, zur Renaturierung der Uferbereiche und zur Reduzierung des Schiffsverkehrs ergriffen. Es wurden Kläranlagen gebaut, illegale Einleitungen von Abwässern unterbunden und Uferzonen wiederhergestellt. Zudem wurden Anreize für Fischer geschaffen, auf andere Erwerbszweige umzusteigen, um die wirtschaftlichen Folgen des Fischereiverbots abzumildern.
China Dialogue berichtet detailliert über die Herausforderungen bei der Umsetzung des Fischereiverbots und die Notwendigkeit, alternative Einkommensquellen für die betroffenen Fischer zu schaffen.
Wie funktioniert das Fischereiverbot im Jangtse und welche Auswirkungen hat es?
Das Fischereiverbot im Jangtse umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, die darauf abzielen, die Fischpopulationen zu schützen und ihre Regeneration zu fördern. Es erstreckt sich über verschiedene Abschnitte des Flusses und seiner Nebenflüsse und beinhaltet spezifische Regelungen, die auf die jeweiligen ökologischen Bedingungen und die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften zugeschnitten sind. Das Verbot untersagt grundsätzlich die kommerzielle Fischerei in den ausgewiesenen Gebieten, wobei Ausnahmen für wissenschaftliche Zwecke oder zur Bestandskontrolle möglich sind.
Die Auswirkungen des Fischereiverbots sind vielfältig und betreffen nicht nur die Fischpopulationen selbst, sondern auch die Ökosysteme des Flusses und die Lebensgrundlagen der Menschen, die von ihm abhängig sind. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Verbot zu einer deutlichen Erholung der Fischbiomasse geführt hat, insbesondere bei großen und wirtschaftlich wertvollen Arten. Gleichzeitig hat es jedoch auch soziale und wirtschaftliche Herausforderungen für die Fischergemeinden mit sich gebracht, die alternative Einkommensquellen finden müssen.
Erste Erfolge: Fischbiomasse und Artenvielfalt nehmen zu
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachblatt „Science“, kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Fischbestände und die Artenvielfalt im Jangtse spürbar erholt haben. Die Forscher um Chen Yushun von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften Wuhan verglichen Daten vor und nach dem Inkrafttreten des Fischereiverbots und stellten fest, dass sich die Fischbiomasse verdoppelt hat. Zudem profitierten vor allem große Fische, die weiter oben in der Nahrungskette stehen oder wirtschaftlich wertvoll sind, von dem Verbot, da ihre Überlebenschancen stiegen.
Die Studie zeigt auch, dass sich der körperliche Zustand der Fische verbessert hat und dass bedrohte Arten, wie der Chinesische Stör, eine erste Erholung erfahren. Diese positiven Entwicklungen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass das Fischereiverbot und die begleitenden Maßnahmen Wirkung zeigen und dass das Ökosystem des Jangtse sich langsam erholt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies erst der Anfang ist und dass weitere Anstrengungen erforderlich sind, um die langfristige Erholung des Flusses zu gewährleisten. (Lesen Sie auch: Geschichte Herzsymbol: Ursprung und Bedeutung des Zeichens)
Die Fischbiomasse ist ein wichtiger Indikator für die Gesundheit eines Gewässers. Sie gibt die Gesamtmasse an Fischen in einem Ökosystem an und spiegelt die Verfügbarkeit von Nahrung und die Qualität der Lebensräume wider.
Expertenmeinungen: Ein Silberstreif am Horizont
Die positiven Entwicklungen im Jangtse werden von Experten aus aller Welt begrüßt. „Das ist ein Silberstreif am Horizont“, sagt Professor Li Wei, ein Experte für Flussökologie an der Universität Peking. „Das Fischereiverbot ist ein wichtiger Schritt, aber es ist entscheidend, dass es langfristig durchgesetzt wird und dass die anderen Umweltprobleme des Jangtse angegangen werden.“
Auch internationale Naturschutzorganisationen loben die Bemühungen Chinas. „Der Jangtse ist einer der wichtigsten Flüsse der Welt, und seine Erholung ist von globaler Bedeutung“, sagt Dr. Maria Schmidt, die Leiterin des WWF-Programms für Süßwasserökosysteme. „Wir hoffen, dass andere Länder von Chinas Beispiel lernen und ähnliche Maßnahmen zum Schutz ihrer Flüsse ergreifen.“
Der WWF setzt sich seit Jahren für den Schutz des Jangtse ein und unterstützt die chinesische Regierung bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.
Herausforderungen und Ausblick: Was bringt die Zukunft?
Trotz der ersten Erfolge gibt es noch viele Herausforderungen zu bewältigen. Die Verschmutzung des Jangtse ist weiterhin ein großes Problem, und der Klimawandel könnte die Situation zusätzlich verschärfen. Zudem ist es wichtig, die wirtschaftlichen Interessen der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen und ihnen alternative Einkommensquellen zu bieten. Das Fischereiverbot darf nicht dazu führen, dass die Menschen in Armut abrutschen und gezwungen sind, illegal zu fischen oder andere schädliche Aktivitäten auszuüben.

Für die Zukunft ist es entscheidend, dass die chinesische Regierung ihre Anstrengungen zum Schutz des Jangtse fortsetzt und dass sie eng mit internationalen Experten und Naturschutzorganisationen zusammenarbeitet. Es ist auch wichtig, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Flusses zu sensibilisieren und sie in die Naturschutzbemühungen einzubeziehen. Nur so kann die langfristige Erholung des Jangtse gewährleistet werden und der Fluss seine wichtige Rolle als Lebensraum für unzählige Arten und als Lebensgrundlage für Millionen von Menschen wieder voll ausfüllen.
Nature beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe der Erholung des Jangtse und die Bedeutung langfristiger Überwachungsprogramme.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Valentinstag Kuss: Mehr als Romantik, eine Wissenschaft?)
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Jangtse Fischereiverbot?
Das Jangtse Fischereiverbot ist ein von der chinesischen Regierung verhängtes Verbot der kommerziellen Fischerei in weiten Teilen des Jangtse-Flusses und seiner Nebenflüsse. Es trat im Jahr 2021 in Kraft und ist zunächst auf zehn Jahre befristet, um die Fischbestände zu schützen und ihre Erholung zu fördern.
Warum wurde das Fischereiverbot im Jangtse erlassen?
Das Fischereiverbot wurde erlassen, um den dramatischen Rückgang der Fischbestände im Jangtse-Fluss zu stoppen. Jahrzehntelange Überfischung, Verschmutzung und der Bau von Staudämmen hatten die Fischpopulationen stark dezimiert und das Ökosystem des Flusses gefährdet.
Welche Auswirkungen hat das Fischereiverbot auf die Fischer?
Das Fischereiverbot hat erhebliche Auswirkungen auf die Fischer, die traditionell vom Fischfang im Jangtse-Fluss leben. Die chinesische Regierung bietet Anreize und Unterstützungsprogramme an, um den Fischern den Übergang zu alternativen Einkommensquellen zu erleichtern.
Wie wird die Einhaltung des Fischereiverbots kontrolliert?
Die Einhaltung des Fischereiverbots wird von den chinesischen Behörden durch verstärkte Kontrollen und Überwachung des Jangtse-Flusses und seiner Nebenflüsse sichergestellt. Illegale Fischerei wird streng geahndet, um die Wirksamkeit des Verbots zu gewährleisten. (Lesen Sie auch: Lawinentote Alpen: Fünf Skifahrer Sterben in Frankreich/Schweiz)
Welche anderen Maßnahmen werden zum Schutz des Jangtse ergriffen?
Neben dem Fischereiverbot werden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität, zur Renaturierung der Uferbereiche und zur Reduzierung des Schiffsverkehrs ergriffen, um das Ökosystem des Jangtse-Flusses umfassend zu schützen und seine langfristige Erholung zu gewährleisten.
Die Erholung der Fischbestände im Jangtse ist ein ermutigendes Zeichen und zeigt, dass konsequente Naturschutzmaßnahmen Wirkung zeigen können. Es ist jedoch wichtig, die langfristigen Auswirkungen des Fischereiverbots und der begleitenden Maßnahmen genau zu beobachten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Jangtse auch in Zukunft ein vitales Ökosystem bleibt und seine wichtige Rolle für die Menschen und die Natur erfüllen kann.
