📖 Lesezeit: 9 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 26. Dezember 2025
Die Jobchancen für Arbeitslose in Deutschland haben ein historisches Tief erreicht – das bestätigte BA-Chefin Andrea Nahles am 26. Dezember 2025. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent und knapp 2,9 Millionen Arbeitslosen ist der Arbeitsmarkt „wie ein Brett“, so Nahles. Doch es gibt Branchen, die trotz Konjunkturflaute dringend Fachkräfte suchen – und Förderprogramme, die den Wiedereinstieg erleichtern.
Jobchancen 2025: Das Wichtigste auf einen Blick
Der Indikator für die Wahrscheinlichkeit, als Arbeitsloser einen Job zu finden, liegt aktuell bei 5,7 – normalerweise liegt er bei 7. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Laut Andrea Nahles passen die Fähigkeiten der Arbeitslosen oft nicht zu den offenen Stellen. Beste Chancen haben gut Ausgebildete sowie Menschen, die sich in Mangelberufen (IT, Pflege, Handwerk) qualifizieren.
Arbeitsmarkt Deutschland 2025: Die aktuelle Lage
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeichnen ein nüchternes Bild: Im November 2025 waren 2,885 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – das sind 120.000 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,1 Prozent.
Besonders alarmierend: Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist eingebrochen. Im Juli 2025 waren nur noch 628.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet – 75.000 weniger als im Vorjahr. Der BA-Stellenindex sank auf 98 Punkte, zehn Punkte weniger als noch vor einem Jahr.
| Kennzahl | November 2025 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Arbeitslose | 2,885 Mio. | +120.000 |
| Arbeitslosenquote | 6,1% | +0,2 Prozentpunkte |
| Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte | 35,23 Mio. | +12.000 |
| Gemeldete Stellen | ~628.000 | -75.000 |
| Kurzarbeit | 209.000 Beschäftigte | -8.000 |
Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit:
„Der Arbeitsmarkt ist seit Monaten wie ein Brett, es kommt kein Schwung rein. Die Fähigkeiten der arbeitslosen Menschen passen oft nicht zu den freien Stellen.“
Jobchancen für Arbeitslose: Historisches Tief erreicht
Die Wahrscheinlichkeit, als arbeitsloser Mensch einen Job zu finden, ist so niedrig wie nie zuvor. Das erklärte BA-Chefin Andrea Nahles am 26. Dezember 2025. Der entsprechende Indikator liegt aktuell bei 5,7 – normalerweise pendelt er um den Wert 7.
⚠️ Keine Berufsgruppe mehr sicher
Laut Nahles gibt es aktuell keine Gruppe von Arbeitnehmern mehr, die vor Jobverlust gefeit ist. Allerdings haben gut Ausgebildete weiterhin die besten Chancen. Für Berufseinsteiger sieht es besonders düster aus: 2025 wurden so wenige junge Menschen in Ausbildung vermittelt wie seit 25 Jahren nicht.
Das Problem: Es fehlt an der Passgenauigkeit. Die Qualifikationen der Arbeitslosen stimmen häufig nicht mit den Anforderungen der offenen Stellen überein. Nahles warnt daher vor einem reinen „Vermittlungsvorrang“ ohne Qualifizierung: „Sonst stehen die Menschen nach drei Monaten wieder beim Jobcenter vor der Tür.“
Diese Branchen suchen trotzdem: Mangelberufe 2025
Trotz der schwachen Konjunktur gibt es Bereiche, in denen Unternehmen händeringend nach Personal suchen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zählt über 70 sogenannte Engpassberufe – also Berufe, in denen mehr Stellen offen sind als Bewerber vorhanden.
1. IT & Digitalisierung
Die Digitalisierung schreitet voran – und mit ihr der Bedarf an IT-Fachkräften. Laut Bitkom sind aktuell rund 149.000 IT-Stellen unbesetzt. Besonders gefragt sind:
- Software-Entwickler (Java, Python, C++, PHP)
- IT-Security-Spezialisten
- KI- und Machine-Learning-Experten
- Data Scientists
- Cloud-Architekten
Im Durchschnitt dauert es 7,7 Monate, bis eine IT-Stelle besetzt wird. Die Arbeitslosenquote bei IT-Fachkräften liegt bei nur etwa 3 Prozent – deutlich unter dem Durchschnitt.
2. Gesundheitswesen & Pflege
Der demografische Wandel trifft das Gesundheitswesen mit voller Wucht. Besonders in der Altenpflege fehlen zehntausende Fachkräfte. Gesucht werden:
- Altenpfleger/innen
- Krankenpfleger/innen
- Medizinische Fachangestellte
- Physiotherapeuten
- Erzieher/innen
Der Vorteil: Diese Berufe sind nicht automatisierbar – Empathie und menschliche Zuwendung lassen sich nicht durch KI ersetzen. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren weiter steigen.
3. Handwerk & Bau
Das Handwerk leidet seit Jahren unter Nachwuchsmangel. Der Trend zum Studium hat dazu geführt, dass viele Betriebe keine Auszubildenden mehr finden. Besonders gefragt:
- Elektriker/innen (auch für Energiewende)
- Anlagenmechaniker (Sanitär, Heizung, Klima)
- Bauingenieure
- Dachdecker
- Kfz-Mechatroniker
4. Ingenieurwesen & Technik
Im Durchschnitt kommen auf eine arbeitslose Ingenieurin oder einen arbeitslosen Ingenieur zwei offene Stellen. Die Arbeitslosenquote liegt bei nur 3 Prozent. Besonders gefragt sind Spezialisten in:
- Elektrotechnik
- Energietechnik (erneuerbare Energien)
- Bauingenieurwesen
- Maschinenbau
- Fahrzeugtechnik
| Branche | Arbeitslosenquote | Offene Stellen pro Bewerber |
|---|---|---|
| IT-Berufe | ~3% | Bis zu 6:1 |
| Ingenieurwesen | ~3% | 2:1 |
| Pflege & Gesundheit | ~2% | 3:1 |
| Handwerk (Elektro) | ~4% | 2:1 |
Förderungen für Arbeitslose: Bildungsgutschein & Co.
Die beste Nachricht: Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Arbeitslose bei der Qualifizierung finanziell. Seit dem 1. Januar 2025 erfolgt die Förderung auch für Bürgergeld-Empfänger direkt durch die Agentur für Arbeit.
Der Bildungsgutschein
Mit dem Bildungsgutschein übernimmt die Arbeitsagentur die Kosten für eine berufliche Weiterbildung oder Umschulung. Folgende Kosten werden übernommen:
- Lehrgangsgebühren inklusive Lernmittel
- Prüfungsgebühren
- Fahrtkosten zur Weiterbildungsstätte
- Kinderbetreuungskosten (unter bestimmten Voraussetzungen)
- Kosten für auswärtige Unterbringung (wenn Pendeln nicht zumutbar)
💡 Weiterbildungsgeld: 150 € extra pro Monat
Bei einer abschlussorientierten Weiterbildung (z.B. Umschulung zum anerkannten Berufsabschluss) erhalten Arbeitslose zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld in Höhe von 150 Euro. Voraussetzung: Die Weiterbildung führt zu einem anerkannten Berufsabschluss.
Welche Qualifizierungen werden gefördert?
- Anpassungsqualifizierung: Aktualisierung bestehender Kenntnisse, z.B. neue Software
- Umschulung: Neuer Berufsabschluss, verkürzte Ausbildungsdauer (um ein Drittel)
- Teilqualifikationen: Berufsabschluss in mehreren Schritten
- Betriebliche Umschulung: Umschulung direkt bei einem Arbeitgeber
- Grundkompetenzen: Lesen, Schreiben, Mathematik, IT-Kenntnisse
Wichtig: Für Menschen ohne Berufsabschluss besteht ein Rechtsanspruch auf die Förderung zum Nachholen eines anerkannten Berufsabschlusses!
7 Tipps: So verbessern Arbeitslose ihre Jobchancen
Auch wenn der Arbeitsmarkt schwierig ist – mit der richtigen Strategie lassen sich die Chancen deutlich verbessern:
1. Qualifizierung in Mangelberufen
Wer sich in IT, Pflege, Handwerk oder Ingenieurwesen weiterbildet, hat deutlich bessere Chancen. Die Arbeitsagentur finanziert entsprechende Umschulungen über den Bildungsgutschein.
2. Regionale Flexibilität zeigen
In manchen Regionen (z.B. Bayern, Baden-Württemberg) ist der Arbeitsmarkt besser als in anderen. Wer bereit ist umzuziehen, erweitert seine Optionen erheblich.
3. Digitale Kompetenzen aufbauen
Grundlegende IT-Kenntnisse werden in fast jedem Beruf wichtiger. Kurse zu Microsoft Office, Datenbanken oder Programmier-Grundlagen können gefördert werden.
4. Netzwerk nutzen
Viele Stellen werden nicht öffentlich ausgeschrieben. LinkedIn, Xing und persönliche Kontakte sind oft der schnellste Weg zu einem neuen Job.
5. Initiativbewerbungen versenden
Nicht jedes Unternehmen meldet offene Stellen. Eine gut formulierte Initiativbewerbung kann Türen öffnen – besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.
6. Beratung bei der Arbeitsagentur nutzen
Die Beratung zur beruflichen Weiterbildung ist kostenlos und steht jedem zu. Hier erfährst du, welche Qualifizierungen aktuell am Arbeitsmarkt gefragt sind.
7. Zeitarbeit als Sprungbrett
Zeitarbeit kann ein Weg zurück in den Arbeitsmarkt sein. Viele Unternehmen übernehmen gute Leiharbeiter dauerhaft – und du sammelst wertvolle Berufserfahrung.
Ausblick 2026: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt?
Die Experten sind sich einig: Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel mittelfristig verschärfen. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, während weniger junge Menschen nachrücken. Das bedeutet: Wer sich jetzt qualifiziert, profitiert langfristig.
Gleichzeitig bleibt die konjunkturelle Lage unsicher – nicht zuletzt wegen der angekündigten US-Zollpolitik und ihrer Auswirkungen auf die exportstarke deutsche Wirtschaft. Das Bundesarbeitsministerium betont jedoch, dass der Arbeitsmarkt trotz der Schwächephase „widerstandsfähig“ bleibt.
Für alle, die aktuell einen Job suchen, gilt: Qualifizierung ist der Schlüssel. Wie Andrea Nahles betont, haben gut Ausgebildete weiterhin die besten Chancen – auch in einem schwierigen Marktumfeld. Wer sich nach dem Serien-Marathon über die Feiertage wieder dem Berufsleben widmen möchte, sollte jetzt aktiv werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Qualifizierung ist der Schlüssel
Die Jobchancen für Arbeitslose sind aktuell auf einem historischen Tiefstand – das zeigen die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit deutlich. Doch wer sich gezielt in Mangelberufen qualifiziert, hat weiterhin gute Perspektiven. IT, Pflege, Handwerk und Ingenieurwesen suchen händeringend nach Fachkräften.
Der wichtigste Schritt: Ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur vereinbaren und die Möglichkeiten zur geförderten Weiterbildung prüfen. Bildungsgutschein und Weiterbildungsgeld machen eine Qualifizierung auch finanziell möglich. Denn eines ist klar: In einem schwierigen Arbeitsmarkt ist Bildung der beste Schutz vor dauerhafter Arbeitslosigkeit.
Über den Autor
Redaktion Mindelmedia News | Wirtschaft & Karriere
Die Redaktion berichtet über aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt, Karrieretipps und Fördermöglichkeiten. Bei Fragen zum Thema Arbeitslosigkeit und Weiterbildung empfehlen wir die kostenlose Beratung bei der Bundesagentur für Arbeit.













