Die Kosten der Krisen für Deutschland seit 2020 belaufen sich auf fast eine Billion Euro. Laut einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) summieren sich die Einbußen durch die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg und Handelskonflikte auf etwa 940 Milliarden Euro an verlorenem, preisbereinigtem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Kosten Krise Deutschland steht dabei im Mittelpunkt.

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- Wie hoch sind die Kosten der Krisen für Deutschland im Vergleich zu früheren Wirtschaftskrisen?
- Die Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)
- Die Auswirkungen der einzelnen Krisen auf die deutsche Wirtschaft
- Die Stagnation der deutschen Wirtschaft seit 2019
- Die Belastung der Erwerbstätigen durch die Krise
- Ausblick und mögliche Gegenmaßnahmen
- Fazit
Zahlen & Fakten
- Gesamtwirtschaftlicher Schaden: 940 Milliarden Euro
- Verlust pro Erwerbstätigem: Über 20.000 Euro
- Betrachtungszeitraum: 2020 bis 2025
- Anteil des Jahres 2024 (geprägt von Zollkonflikten): Ein Viertel der Gesamtsumme
Wie hoch sind die Kosten der Krisen für Deutschland im Vergleich zu früheren Wirtschaftskrisen?
Die aktuellen wirtschaftlichen Belastungen übersteigen das Niveau früherer Krisen deutlich. So beliefen sich die Kosten der Stagnationsperiode von 2001 bis 2004 auf rund 360 Milliarden Euro. Die Finanzmarktkrise 2008/2009 verursachte Wertschöpfungsausfälle von etwa 525 Milliarden Euro. Die aktuelle Summe von 940 Milliarden Euro übertrifft diese Werte erheblich.
Die Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)
Wie Stern berichtet, hat IW-Forscher Michael Grömling den tatsächlichen Konjunkturverlauf mit einem hypothetischen Szenario ohne die genannten Krisen verglichen. Dabei wurde angenommen, dass sich die Wirtschaft ohne diese Einflüsse mit dem Durchschnittstempo der letzten drei Jahrzehnte entwickelt hätte. Diese Analyse ergab „erhebliche und ansteigende Wirtschaftsausfälle“. Die IW Köln ist ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut. (Lesen Sie auch: Jahres-Statistik: Bierabsatz in Deutschland fällt auf Rekordtief)
Die Berechnung des IW basiert auf einem Vergleich des tatsächlichen BIP-Verlaufs mit einem hypothetischen Szenario ohne Krisen. Das zugrunde liegende Wachstumspotenzial wurde aus dem Durchschnitt der letzten drei Jahrzehnte abgeleitet.
Die Auswirkungen der einzelnen Krisen auf die deutsche Wirtschaft
Die Corona-Pandemie führte zu Produktionsausfällen, Lieferkettenproblemen und einem Einbruch der Nachfrage. Der russische Krieg gegen die Ukraine verschärfte die Energiekrise und trieb die Inflation in die Höhe. Die protektionistische Handelspolitik der USA, insbesondere unter Präsident Trump, führte zu Zollstreitigkeiten und beeinträchtigte den deutschen Export. Diese Faktoren haben sich kumulativ negativ auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt.
Welche Rolle spielt der Ukraine-Krieg bei den wirtschaftlichen Einbußen?
Der russische Krieg gegen die Ukraine hat massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, insbesondere durch die Energiekrise. Steigende Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Zudem führen die geopolitischen Unsicherheiten zu einer Zurückhaltung bei Investitionen und Konsum. Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas hat sich als Achillesferse erwiesen. (Lesen Sie auch: Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrates: Zahnarztkosten selbst tragen? Was…)
Die Stagnation der deutschen Wirtschaft seit 2019
„Nach der Erholung vom Pandemieschock kamen die wirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland nunmehr seit drei Jahren nicht mehr über das Niveau des Jahres 2019 hinaus“, schreibt Grömling. „Aufgrund dieser faktischen Stagnation und des schwachen Jahresausklangs 2024 dürfte auch 2025 kein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft werden.“ Amtlichen Zahlen zufolge schrammte die deutsche Wirtschaft 2024 knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbei, die Wirtschaftsleistung legte real um 0,2 Prozent zu. Eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bietet detaillierte Einblicke in die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts.
Die Belastung der Erwerbstätigen durch die Krise
Die Kosten der Krise für Deutschland sind nicht nur eine abstrakte Zahl. Pro Erwerbstätigem bedeutet dies einen Wertschöpfungsverlust von deutlich mehr als 20.000 Euro. Dieser Verlust spiegelt sich in geringeren Lohnsteigerungen, Jobunsicherheit und einer insgesamt schwierigeren wirtschaftlichen Situation wider. Die Kaufkraft der Bürger leidet unter der hohen Inflation, während Unternehmen mit steigenden Produktionskosten zu kämpfen haben. Die Bundesregierung versucht, mit Entlastungspaketen gegenzusteuern, aber die langfristigen Auswirkungen der Krise sind noch nicht absehbar.
Die hohe Inflation, die durch die Energiekrise und Lieferkettenprobleme ausgelöst wurde, schmälert die Kaufkraft der Bürger und belastet die Unternehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, mit Zinserhöhungen gegenzusteuern, was jedoch die Kreditkosten erhöht und Investitionen bremsen kann. (Lesen Sie auch: Deutsche Industrie Erholung: Was Bedeutet das Auftragsplus?)
Ausblick und mögliche Gegenmaßnahmen
Die deutsche Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Um die negativen Auswirkungen der Krisen zu minimieren, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören Investitionen in erneuerbare Energien, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, die Förderung von Innovationen und Digitalisierung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, und die Stärkung der sozialen Sicherheitssysteme, um die negativen Folgen für die Bürger abzufedern. Es ist auch wichtig, die internationalen Beziehungen zu verbessern und Handelskonflikte abzubauen, um den Export zu fördern und die globale Wirtschaft zu stabilisieren. Laut einem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind internationale Zusammenarbeit und koordinierte Maßnahmen entscheidend für die Bewältigung globaler Wirtschaftskrisen.

Fazit
Die Kosten der Krisen für Deutschland sind immens und stellen eine erhebliche Belastung für die Wirtschaft und die Bürger dar. Die genannten 940 Milliarden Euro sind ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit, die wirtschaftliche Resilienz zu stärken und die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung zu stellen. Nur so kann Deutschland die Herausforderungen der kommenden Jahre meistern und seine Position als eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt behaupten.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Wohnen: Wie der Bund die Förderung beim…)
