Leichenumbetter: Berufskrankheit nach Trauma – Gericht muss Fall neu prüfen
Kann eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Leichenumbettern als Berufskrankheit anerkannt werden? Das Bundessozialgericht (BSG) hat in einem aktuellen Fall entschieden, dass die Vorinstanz diese Frage erneut prüfen muss. Es geht um die psychische Belastung, der Leichenumbetter bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Leichenumbetter Berufskrankheit steht dabei im Mittelpunkt.

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Das ist passiert
- Bundessozialgericht verweist Fall eines Leichenumbetters mit PTBS zurück an Vorinstanz.
- Kläger exhumierte und identifizierte jahrelang Weltkriegstote.
- Vorinstanzen hatten die Klage abgewiesen, da gesicherte Erkenntnisse über PTBS-Risiko bei Leichenumbettern fehlten.
- BSG sieht Klärungsbedarf hinsichtlich der psychischen Belastung durch die Tätigkeit.
Was ist eine „Wie-Berufskrankheit“?
Eine „Wie-Berufskrankheit“ ist eine Erkrankung, die nicht in der offiziellen Liste der Berufskrankheiten aufgeführt ist, aber unter bestimmten Umständen dennoch als solche anerkannt werden kann. Dies ist möglich, wenn neue medizinische Erkenntnisse zeigen, dass die Voraussetzungen für eine Aufnahme der Krankheit in die Liste erfüllt sind.
Der Fall vor dem Bundessozialgericht
Der Kläger war jahrelang für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge tätig. Wie Stern berichtet, exhumierte und identifizierte er im In- und Ausland Weltkriegstote. Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg führte aus, dass er unter anderem in Mittel- und Osteuropa sowie auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien Tote geborgen hat. (Lesen Sie auch: Wöginger Prozess Aktuell: Kein Live-Ticker im Gericht…)
Der Mann klagte, um seine PTBS als Folge seiner Tätigkeit als Leichenumbetter anerkennen zu lassen. Die Berufsgenossenschaft lehnte dies ab. Sie argumentierte, der Umgang mit Leichenteilen sei nur dann traumatisierend, wenn es sich um nahestehende Personen handle oder die Konfrontation im Rahmen von Unfällen oder aktuellen Kriegsereignissen erfolge.
Wie hoch ist die psychische Belastung für Leichenumbetter?
Das Sozialgericht Potsdam und das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg wiesen die Klage ab. Die Richter argumentierten, es fehlten gesicherte medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Einwirkungen, denen Leichenumbetter regelmäßig ausgesetzt sind, generell geeignet wären, eine PTBS zu verursachen. Erkenntnisse zu Referenzberufen wie Pathologen, Polizisten und Feuerwehrleuten seien nicht übertragbar.
Das Bundessozialgericht ist das oberste Gericht der Sozialgerichtsbarkeit in Deutschland. Es überprüft Entscheidungen der Landessozialgerichte und sorgt für eine einheitliche Rechtsprechung. (Lesen Sie auch: Erdbeben Tonga: erschüttert: Was über die Lage…)
Bundessozialgericht verweist Fall zurück
Das BSG hob die Entscheidung der Vorinstanz auf und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung zurück. Damit muss nun geklärt werden, ob die Tätigkeit als Leichenumbetter tatsächlich eine außergewöhnlich hohe psychische Belastung darstellt, die eine PTBS verursachen kann.
Die Entscheidung des BSG könnteSignalwirkung für die Anerkennung von Berufskrankheiten in ähnlichen Fällen haben. Es bleibt abzuwarten, wie die Vorinstanz den Fall nun neu bewertet.
Informationen zu Berufskrankheiten bietet die Deutsche Rentenversicherung.
Stern berichtete über den Fall. Die Entscheidung des Bundessozialgerichts könnte Auswirkungen auf die Anerkennung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) als Berufskrankheit haben, insbesondere in Berufen, die mit dem Tod und seinen Folgen konfrontiert sind.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmert sich um die Gräber deutscher Kriegstoter im In- und Ausland.
Häufig gestellte Fragen
Was genau macht ein Leichenumbetter?
Ein Leichenumbetter exhumiert und identifiziert Tote, oft im Zusammenhang mit Kriegen oder Katastrophen. Die Arbeit kann die Bergung, Identifizierung und Umbettung von Leichen umfassen.
Welche psychischen Belastungen können bei der Tätigkeit als Leichenumbetter auftreten?
Leichenumbetter können mit dem Anblick von Leichenteilen, dem Leid der Angehörigen und der Konfrontation mit dem Tod konfrontiert sein. Dies kann zu psychischen Belastungen wie Angstzuständen, Depressionen und PTBS führen. (Lesen Sie auch: Buckelwal Ostsee: Dramatische Rettung vor Timmendorfer Strand)
Was bedeutet die Entscheidung des Bundessozialgerichts für Leichenumbetter mit PTBS?
Die Entscheidung des BSG bedeutet, dass die Vorinstanz erneut prüfen muss, ob die PTBS des Klägers als Berufskrankheit anerkannt werden kann. Dies könnteSignalwirkung für ähnliche Fälle haben.
Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine PTBS als Berufskrankheit anerkannt wird?
Es muss nachgewiesen werden, dass die PTBS durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurde und dass die Tätigkeit eine außergewöhnlich hohe psychische Belastung darstellt. Zudem müssen gesicherte medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen.















