Die Europäische Kommission plant, bei öffentlichen Aufträgen verstärkt auf Produkte zu setzen, die Made In Europe sind. Dies soll die europäische Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig Umweltstandards fördern. Konkret sollen EU-Staaten öffentliche Gelder für Stahl, Zement, Aluminium, saubere Technologien, E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride nur dann investieren, wenn diese Produkte aus europäischer Produktion stammen.

+
Zusammenfassung
- EU-Kommission plant „Made in Europe“-Vorgaben für öffentliche Aufträge.
- Förderung von Stahl, Zement, Aluminium, Clean Tech, E-Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden aus europäischer Produktion.
- Kritik kommt aus Deutschland wegen möglicher Bürokratisierung und Handelshemmnisse.
- Ziel ist die Ankurbelung der Nachfrage nach umweltfreundlicheren, europäischen Produkten.
Was bedeutet das für Bürger?
Die „Made in Europe“-Initiative könnte sich auf verschiedene Weise im Alltag der Bürger bemerkbar machen. Zum einen könnten europäische Produkte stärker in den Fokus rücken, was möglicherweise zu einer größeren Auswahl an lokal produzierten Waren führt. Zum anderen könnten sich durch die Förderung umweltfreundlicher Technologien langfristig positive Auswirkungen auf die Umwelt ergeben. Allerdings könnten auch höhere Preise die Folge sein, sollten europäische Produkte teurer als Importware sein.
Wie will die EU-Kommission die „Made in Europe“-Vorgabe umsetzen?
EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné hat einen Gesetzesvorschlag zur Unterstützung der Industrie vorgelegt. Dieser sieht vor, dass EU-Staaten bei öffentlichen Aufträgen verstärkt europäische Produkte berücksichtigen sollen. Laut Stern, sollen auch Handelspartner außerhalb der EU unter bestimmten Bedingungen einbezogen werden können. Dies betrifft Länder, mit denen entsprechende Abkommen bestehen, beispielsweise über Freihandel oder öffentliche Beschaffung. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Länder ihre Verpflichtungen erfüllen und Gegenseitigkeit gewährleisten. (Lesen Sie auch: Industrie: EU-Kommissar will „Made in Europe“ etablieren)
Die Europäische Union steht vor der Herausforderung, ihre CO2-Emissionen zu senken und gleichzeitig ihre Industrie wettbewerbsfähig zu halten. Die „Made in Europe“-Strategie ist ein Versuch, beide Ziele zu vereinen.
Welche Kritik gibt es an den Plänen?
Aus Deutschland kommt Kritik an den Plänen der EU-Kommission. Befürchtet wird eine Zunahme der Bürokratie und mögliche Handelshemmnisse. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bemängelte in Brüssel, dass es bereits zahlreiche Vorschläge zur europäischen Beschaffung gebe und ein weiterer Vorschlag die Situation unübersichtlich mache. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) äußerte Bedenken.
Werden durch „Made in Europe“-Vorgaben deutsche Unternehmen benachteiligt?
Es besteht die Sorge, dass deutsche Unternehmen, die stark in globale Lieferketten integriert sind, durch die „Made in Europe“-Vorgaben benachteiligt werden könnten. Wenn öffentliche Aufträge bevorzugt an Unternehmen vergeben werden, die ihre Produkte vollständig in Europa herstellen, könnten deutsche Firmen, die auf Zulieferungen aus anderen Regionen angewiesen sind, ins Hintertreffen geraten. (Lesen Sie auch: Autoindustrie: VW und Stellantis: „Made in Europe“…)
Wie geht es weiter?
Der Vorschlag der EU-Kommission muss noch von den europäischen Mitgliedstaaten und dem Parlament gebilligt werden. Insbesondere die Frage, welche Kriterien für die europäische Herkunft gelten sollen, ist umstritten. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sich für Quoten für Produkte „Made in Europe“ ausspricht, mahnte Bundeskanzler Friedrich Merz zu einem zurückhaltenderen Ansatz. Europäische Präferenzregeln sollten nur für kritische Sektoren und als letztes Mittel eingesetzt werden, so Merz.
Handelsblatt berichtet, dass die Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürften.
Was bedeutet das für die Handelspartner der EU?
Die „Made in Europe“-Initiative könnte Auswirkungen auf die Handelspartner der EU haben. Zwar sollen Länder mit entsprechenden Abkommen unter bestimmten Bedingungen einbezogen werden, jedoch könnte die Bevorzugung europäischer Produkte generell zu Handelskonflikten führen. Es ist daher wichtig, dass die EU bei der Umsetzung der Strategie auf eine ausgewogene Lösung achtet, die sowohl die Interessen der europäischen Wirtschaft als auch die Beziehungen zu ihren Handelspartnern berücksichtigt.
Unternehmen, die von der „Made in Europe“-Strategie profitieren möchten, sollten ihre Produktionsprozesse überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um die Kriterien für die europäische Herkunft zu erfüllen. Eine transparente Kommunikation über die Herkunft der Produkte kann ebenfalls von Vorteil sein. (Lesen Sie auch: VW Betriebsversammlung: Cavallo will AUDI & Porsche…)

Die „Made in Europe“-Initiative der EU-Kommission ist ein vielschichtiges Vorhaben, das sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Ob die Strategie erfolgreich sein wird, hängt maßgeblich von der Zustimmung der Mitgliedstaaten und des Parlaments sowie von einer ausgewogenen Umsetzung ab, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt. Die Europäische Kommission muss einen Weg finden, die europäische Wirtschaft zu stärken, ohne neue Handelsbarrieren zu errichten. Die Deutsche Außenhandelskammer (DIHK) wird die Entwicklungen genau beobachten.
















