Medizinisches Cannabis bei psychischen Erkrankungen: Nutzen oft fraglich
Der Einsatz von medizinischem Cannabis bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen ist umstritten. Eine aktuelle Überblicksstudie kommt zu dem Schluss, dass es kaum Belege für einen Nutzen gibt, während gleichzeitig Risiken bestehen. Die Anwendung von medizinischem Cannabis sollte daher gut überlegt sein. Medizinisches Cannabis Psychische Erkrankungen steht dabei im Mittelpunkt.

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⚠️ Wichtige Details aus der Originalmeldung:
- Aktenzeichen: azit
Kernpunkte
- Überblicksstudie zeigt wenig Nutzen von medizinischem Cannabis bei psychischen Erkrankungen.
- Mögliche leichte Effekte bei Autismus oder Tourette-Syndrom, aber Studienqualität gering.
- Risiko der Verzögerung wirksamerer Therapien und möglicher Nebenwirkungen.
- Nutzen von medizinischem Cannabis bei Schmerzen und Epilepsie besser belegt.
Studie analysiert Nutzen und Risiken
Wie Stern berichtet, hat ein Forschungsteam der Universität Sydney eine umfassende Meta-Analyse zum Thema medizinisches Cannabis und psychische Erkrankungen durchgeführt. Die Forschenden werteten systematisch Daten aus 54 internationalen klinischen Studien mit insgesamt 2477 Patienten aus dem Zeitraum von 1980 bis 2023 aus. Eigenen Angaben zufolge handelt es sich um die bisher größte Meta-Analyse dieser Art. (Lesen Sie auch: Psychische Krankheiten: Studie: Kaum Nutzen von Cannabis…)
Welche psychischen Erkrankungen wurden untersucht?
Die Studie konzentrierte sich auf die Auswirkungen von medizinischem Cannabis auf Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Die Ergebnisse zeigten keinen signifikanten Nutzen von medizinischem Cannabis bei der Behandlung dieser Erkrankungen. Auch bei Schlafstörungen konnte kein eindeutiger Vorteil festgestellt werden.
Die Meta-Analyse umfasste 54 Studien mit 2477 Patienten, die zwischen 1980 und 2023 durchgeführt wurden. Untersucht wurden vor allem die Auswirkungen auf Depressionen, Angststörungen und PTBS.
Ein leichter Nutzen wurde lediglich bei Autismus, Schlaflosigkeit oder dem Tourette-Syndrom festgestellt. Jedoch betont der Studienautor Jack Wilson, dass die Qualität der Befunde für diese Krankheiten gering sei. Ohne hochwertige medizinische Unterstützung oder begleitende Therapie sei der Einsatz von medizinischem Cannabis in diesen Fällen selten gerechtfertigt. (Lesen Sie auch: Erdrotation Klimawandel: Studie zeigt Verlangsamung der Erde)
Welche Risiken birgt der Einsatz von medizinischem Cannabis?
Ein wesentliches Risiko besteht darin, dass die Anwendung von Cannabinoiden wirksamere Therapien verzögern oder unerwünschte Nebenwirkungen auslösen kann. Wilson fasst zusammen, dass der routinemäßige Konsum von medizinischem Cannabis mehr schaden als nützen könnte. Es ist wichtig, dass Patienten und Ärzte die potenziellen Risiken und Vorteile sorgfältig abwägen.
Cannabis bei nicht-psychischen Leiden
Anders sieht es bei nicht-psychischen Leiden aus. Hier gibt es durchaus positive Effekte von medizinischem Cannabis. So kann es zur Linderung von Anfällen bei einigen Formen der Epilepsie, zur Verringerung von Spastiken bei Multipler Sklerose oder zur Behandlung einiger Arten von Schmerzen eingesetzt werden. Das Deutsche Ärzteblatt berichtet über den Einsatz von Cannabis in der Schmerztherapie und weist auf Nutzen und Risiken hin.
Kritik an der Studie
Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover, eine Expertin für Cannabis in der Medizin, sieht Schwächen in der Studie. Sie bemängelt, dass die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) teils „sehr unterschiedliche und zum Teil sogar gegensätzliche Wirkungen“ bei Psychosen oder Angststörungen hätten. Die Medizinische Hochschule Hannover forscht intensiv im Bereich Cannabis-Pharmakologie. (Lesen Sie auch: Us Wetterchaos: 200 Millionen unter Extrembedingungen)
THC und CBD sind die bekanntesten Cannabinoide. THC wirkt psychoaktiv und kann Rauschzustände verursachen, während CBD nicht psychoaktiv ist und entzündungshemmende sowie angstlösende Eigenschaften haben soll.

Wie geht es weiter mit medizinischem Cannabis und psychischen Erkrankungen?
Die Studienergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinischem Cannabis bei psychischen Erkrankungen besser zu verstehen. Es ist entscheidend, dass Ärzte und Patienten auf der Grundlage fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse entscheiden, ob eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in Frage kommt.
Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass medizinisches Cannabis bei psychischen Erkrankungen oft keinen ausreichenden Nutzen bringt und Risiken birgt. Bei anderen Erkrankungen, wie bestimmten Schmerzformen oder Epilepsie, kann es jedoch eine sinnvolle Therapieoption sein. Das Bundesgesundheitsministerium informiert über die medizinische Anwendung von Cannabis. (Lesen Sie auch: Mette Marit: -Marits Sohn vor Gericht: Anklage)
Ursprünglich berichtet von: Stern














