Der Quantencomputer in Garching, genannt Euro-Q-Exa, verspricht enorme Rechenleistung für komplexe Aufgaben. Er soll klassische Supercomputer ergänzen, indem er Teilaufgaben wie chemische Simulationen beschleunigt. Der Quantenrechner, der am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Betrieb genommen wurde, arbeitet mit supraleitenden Qubits, die auf extrem tiefe Temperaturen gekühlt werden müssen. Quantencomputer Garching steht dabei im Mittelpunkt.

Zusammenfassung
- Der Quantencomputer Euro-Q-Exa wird in Garching bei München betrieben.
- Er soll klassische Supercomputer bei komplexen Berechnungen unterstützen.
- Das System basiert auf supraleitenden Qubits und muss auf -273 Grad gekühlt werden.
- Der Quantencomputer stammt von der finnisch-deutschen Firma IQM.
| PRODUKT: | Euro-Q-Exa, IQM, Preis: N/A, Verfügbarkeit: Leibniz-Rechenzentrum Garching, Plattform: Supercomputer-Integration, Besonderheiten: Supraleitende Qubits, Tieftemperaturkühlung |
|---|---|
| SICHERHEIT: | N/A (keine direkten Sicherheitsrisiken für Endnutzer), Betroffene Systeme: Keine, Schweregrad: N/A, Patch verfügbar?: N/A, Handlungsempfehlung: N/A |
| APP: | N/A |
Ein Quantensprung für die Forschung: Der Quantencomputer in Garching nimmt Fahrt auf
Die offizielle Inbetriebnahme des Quantencomputers Euro-Q-Exa am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching markiert einen bedeutenden Fortschritt für die Quantencomputertechnologie in Deutschland und Europa. Wie Stern berichtet, soll der Rechner komplexe Aufgaben lösen, die selbst Supercomputer an ihre Grenzen bringen.
Anders als klassische Computer, die Informationen als Bits in Form von 0 oder 1 verarbeiten, nutzt ein Quantencomputer sogenannte Qubits. Diese Qubits können dank der Gesetze der Quantenmechanik mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen – ein Prinzip, das als Superposition bekannt ist. Dadurch können Quantencomputer potenziell eine Vielzahl von Berechnungen parallel durchführen und so komplexe Probleme deutlich schneller lösen als herkömmliche Rechner.
Der Euro-Q-Exa ist jedoch kein Ersatz für klassische Supercomputer, sondern vielmehr eine Ergänzung. Das LRZ verfolgt das Ziel, Quantencomputer als Beschleuniger für bestimmte Teilaufgaben einzusetzen. Der klassische Supercomputer SuperMUC-NG übernimmt weiterhin die Steuerung und die restliche Datenverarbeitung, während der Quantencomputer besonders rechenintensive Aufgaben übernimmt.
Superposition bedeutet, dass ein Qubit nicht nur entweder 0 oder 1 sein kann, sondern gleichzeitig eine Kombination aus beidem. Dies ermöglicht eine exponentiell größere Anzahl von möglichen Zuständen im Vergleich zu klassischen Bits.
Was ist das Besondere an der Integration des Quantencomputers in Garching?
Die Integration des Quantencomputers Euro-Q-Exa in den Supercomputer SuperMUC-NG am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) ist ein innovativer Ansatz. Anstatt den Quantencomputer isoliert zu betreiben, wird er als Co-Prozessor eingesetzt, der bestimmte rechenintensive Aufgaben übernimmt. Dies ermöglicht es, die Stärken beider Architekturen zu kombinieren und so die Gesamtleistung für komplexe wissenschaftliche Simulationen und Optimierungsprobleme zu steigern.
Ein konkretes Beispiel für eine solche Anwendung ist die Simulation von Molekülen in der Chemie. Die Berechnung der Eigenschaften von Molekülen ist extrem aufwendig und kann mit klassischen Computern oft nur für kleine Moleküle durchgeführt werden. Quantencomputer könnten hier einen Durchbruch ermöglichen, indem sie die quantenmechanischen Eigenschaften der Moleküle direkt simulieren und so genauere Ergebnisse in kürzerer Zeit liefern. Auch in der Materialforschung, der Entwicklung neuer Medikamente und der Optimierung von Logistikprozessen sind vielversprechende Anwendungsgebiete. (Lesen Sie auch: Apple Update iOS 26.3: Das müssen Nutzer…)
Die Kombination aus klassischer und Quantencomputerarchitektur erfordert jedoch auch eine ausgeklügelte Softwareinfrastruktur. Es müssen Algorithmen entwickelt werden, die die Aufgaben optimal auf die beiden Systeme verteilen und die Kommunikation zwischen ihnen effizient gestalten. Das LRZ arbeitet daher eng mit Forschern und Entwicklern zusammen, um diese Herausforderungen zu meistern und die Potenziale des Quantencomputers voll auszuschöpfen.
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Wie funktioniert der Quantencomputer in der Praxis?
In der Praxis sieht die Nutzung des Quantencomputers Euro-Q-Exa so aus, dass Forscher ihre rechenintensiven Probleme in spezielle Quantenalgorithmen umwandeln. Diese Algorithmen werden dann an den Quantencomputer übergeben, der die Berechnungen durchführt. Die Ergebnisse werden anschließend an den klassischen Supercomputer zurückgegeben, der sie weiterverarbeitet und visualisiert.
Ein Beispiel: Ein Forscher möchte die optimale Route für eine Flotte von Lieferwagen in einer Stadt berechnen, um die Transportkosten zu minimieren. Dieses Problem, bekannt als „Problem des Handlungsreisenden“, ist NP-schwer, was bedeutet, dass die Rechenzeit für klassische Computer mit der Anzahl der Lieferorte exponentiell ansteigt. Ein Quantencomputer könnte jedoch spezielle Algorithmen wie den „Quantum Approximate Optimization Algorithm“ (QAOA) verwenden, um in akzeptabler Zeit eine nahezu optimale Lösung zu finden.
Der Forscher würde zunächst die Geodaten der Lieferorte und die Kosten für die verschiedenen Routen in eine mathematische Formel umwandeln, die für den QAOA-Algorithmus geeignet ist. Diese Formel wird dann an den Quantencomputer übergeben, der die Berechnungen durchführt und eine Liste von Routen mit ihren jeweiligen Kosten zurückgibt. Der klassische Supercomputer analysiert diese Ergebnisse und wählt die Route mit den geringsten Kosten aus.
Es ist wichtig zu betonen, dass Quantencomputer noch in einem frühen Entwicklungsstadium sind und nicht alle Probleme effizient lösen können. Die Entwicklung geeigneter Quantenalgorithmen und die Optimierung der Hardware sind daher entscheidende Forschungsbereiche.
NP-schwere Probleme sind eine Klasse von Problemen, für die kein effizienter Algorithmus (d.h. ein Algorithmus mit polynomialer Laufzeit) bekannt ist. Viele Optimierungsprobleme, die in der Praxis relevant sind, gehören zu dieser Klasse. (Lesen Sie auch: Gabriella Papadakis: Vom Eis zum Buch –…)
Woher stammt der Quantencomputer und wer hat ihn finanziert?
Der Quantencomputer Euro-Q-Exa stammt von der finnisch-deutschen Firma IQM, einer Ausgründung der Aalto-Universität. IQM ist ein europäischer Pionier auf dem Gebiet der Quantencomputertechnologie und hat sich auf die Entwicklung von Quantencomputern auf Basis von supraleitenden Qubits spezialisiert. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Espoo, Finnland, und betreibt auch einen Standort in Deutschland.
Die Anschaffung des Quantencomputers am Leibniz-Rechenzentrum wurde durch das EuroHPC Joint Undertaking mitfinanziert. Das EuroHPC JU ist eine europäische Initiative, die darauf abzielt, die Entwicklung und den Einsatz von Hochleistungsrechnern in Europa zu fördern. Die Organisation wird von der Europäischen Union und einer Reihe von europäischen Mitgliedsstaaten finanziert.
Die Beteiligung des EuroHPC JU unterstreicht die strategische Bedeutung der Quantencomputertechnologie für Europa. Die Europäische Union hat erkannt, dass Quantencomputer ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit in Bereichen wie Wissenschaft, Industrie und Sicherheit sind und investiert daher massiv in die Forschung und Entwicklung dieser Technologie.
Ein weiterer wichtiger Förderer der Quantencomputerforschung in Deutschland ist die Bundesregierung. Im Rahmen des Programms „Quantencomputing made in Germany“ werden verschiedene Projekte gefördert, die darauf abzielen, die Entwicklung von Quantencomputern in Deutschland voranzutreiben und die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu stärken. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung ist das Ziel, Deutschland zu einem führenden Standort für Quantencomputertechnologie zu machen.
Vorteile und Nachteile
Der Einsatz von Quantencomputern bietet eine Reihe von potenziellen Vorteilen:

- Höhere Rechenleistung: Quantencomputer können bestimmte Probleme deutlich schneller lösen als klassische Computer.
- Neue Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung: Quantencomputer ermöglichen Simulationen und Berechnungen, die mit klassischen Computern nicht möglich sind.
- Wettbewerbsvorteile: Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die Quantencomputer einsetzen, können sich Wettbewerbsvorteile in Bereichen wie Wissenschaft, Industrie und Sicherheit sichern.
Allerdings gibt es auch einige Nachteile und Herausforderungen:
- Hohe Kosten: Die Entwicklung und der Betrieb von Quantencomputern sind sehr teuer.
- Technische Komplexität: Quantencomputer sind technisch sehr komplex und erfordern spezielle Expertise.
- Begrenzte Anwendungsbereiche: Quantencomputer sind nicht für alle Probleme geeignet.
- Frühes Entwicklungsstadium: Die Quantencomputertechnologie befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium und es gibt noch viele technische Herausforderungen zu meistern.
Insgesamt ist die Quantencomputertechnologie vielversprechend, aber es ist wichtig, die Erwartungen realistisch zu halten. Es wird noch einige Jahre dauern, bis Quantencomputer in der Praxis breit eingesetzt werden können. (Lesen Sie auch: Zimowe Igrzyska Olimpijskie 2026: Halfpipe Kobiet: Olympia)
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Vergleich mit Alternativen
Die direkteste Alternative zum Quantencomputer Euro-Q-Exa ist die Nutzung von klassischen Supercomputern. Diese sind zwar in vielen Fällen langsamer, aber dafür ausgereift und für eine breite Palette von Anwendungen geeignet. Eine weitere Alternative ist die Nutzung von Cloud-basierten Quantencomputing-Diensten, die von Unternehmen wie IBM, Google und Amazon angeboten werden. Diese Dienste ermöglichen es Forschern und Entwicklern, auf Quantencomputer zuzugreifen, ohne selbst in die Hardware investieren zu müssen.
Ein Beispiel für einen Cloud-basierten Quantencomputing-Dienst ist IBM Quantum Experience. Dieser Dienst bietet Zugriff auf eine Reihe von Quantenprozessoren mit unterschiedlicher Anzahl von Qubits und ermöglicht es Benutzern, Quantenalgorithmen zu entwickeln und auszuführen. Google bietet mit Google AI Quantum ebenfalls einen Cloud-basierten Quantencomputing-Dienst an, der auf dem eigenen Quantenprozessor Sycamore basiert.
Die Wahl zwischen einem lokalen Quantencomputer wie dem Euro-Q-Exa und einem Cloud-basierten Dienst hängt von den spezifischen Anforderungen ab. Ein lokaler Quantencomputer bietet mehr Kontrolle und Flexibilität, während ein Cloud-basierter Dienst einfacher zu nutzen ist und keine Investitionen in die Hardware erfordert.
Fazit
Der Quantencomputer in Garching ist ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Quantencomputertechnologie in Deutschland und Europa. Er bietet Forschern und Entwicklern die Möglichkeit, die Potenziale dieser Technologie zu erkunden und neue Anwendungen zu entwickeln. Obwohl es noch einige Herausforderungen zu meistern gilt, ist die Quantencomputertechnologie vielversprechend und könnte in Zukunft eine wichtige Rolle in Bereichen wie Wissenschaft, Industrie und Sicherheit spielen. Die Investitionen in diese Technologie sind ein wichtiger Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas in der Zukunft zu sichern. Die EuroHPC Joint Undertaking spielt dabei eine zentrale Rolle.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Quantencomputer und wie unterscheidet er sich von einem klassischen Computer?
Ein Quantencomputer nutzt Qubits, die mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen können, im Gegensatz zu klassischen Bits, die nur 0 oder 1 darstellen. Dies ermöglicht potenziell schnellere Berechnungen für bestimmte komplexe Probleme, indem viele Möglichkeiten parallel geprüft werden.
Welche konkreten Anwendungsbereiche gibt es für den Quantencomputer in Garching?
Der Quantencomputer soll vor allem in der chemischen Simulation, der Materialforschung, der Entwicklung neuer Medikamente und der Optimierung von Logistikprozessen eingesetzt werden. Er dient als Beschleuniger für klassische Supercomputer bei rechenintensiven Aufgaben.
Wie aufwendig ist der Betrieb des Quantencomputers Euro-Q-Exa in Bezug auf Kühlung und Energieverbrauch?
Der Quantencomputer muss auf minus 273 Grad Celsius gekühlt werden, um seine supraleitenden Qubits funktionsfähig zu halten. Trotz dieser extremen Kühlung ist der Strombedarf des Quantencomputers laut LRZ geringer als der des SuperMUC-NG.
Von welcher Firma stammt der Quantencomputer und wer hat die Entwicklung finanziert?
Der Quantencomputer Euro-Q-Exa wurde von der finnisch-deutschen Firma IQM gebaut, einer Ausgründung der Aalto-Universität. Die Anschaffung wurde durch das EuroHPC Joint Undertaking, eine europäische Initiative zur Förderung von Hochleistungsrechnern, mitfinanziert.
Welche Vorteile und Nachteile sind mit dem Einsatz von Quantencomputern verbunden?
Vorteile sind höhere Rechenleistung, neue Forschungsmöglichkeiten und Wettbewerbsvorteile. Nachteile sind hohe Kosten, technische Komplexität, begrenzte Anwendungsbereiche und das frühe Entwicklungsstadium der Technologie.
