Der Rentenstreit in der Union eskaliert am 25. November 2025. Die Junge Gruppe der CDU/CSU-Fraktion stellt sich offen gegen Kanzler Friedrich Merz und Fraktionschef Jens Spahn. 18 junge Abgeordnete verweigern dem geplanten Rentenpaket die Zustimmung. Ohne ihre Stimmen hat die schwarz-rote Koalition keine sichere Mehrheit. Der Streit um 120 Milliarden Euro Folgekosten könnte die Regierung in eine ernste Krise stürzen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Rentenstreit in der CDU?
- Die 18 Rebellen: Wer steckt hinter dem Aufstand?
- Was Merz beim JU-Deutschlandtag passierte
- Die 120-Milliarden-Euro-Frage
- Spahns verzweifelter Appell
- SPD bleibt hart: Keine Änderungen am Gesetz
- 20 Ökonomen fordern Stopp des Rentenpakets
- Was steht eigentlich im Rentenpaket?
- Die demographische Herausforderung
- Fazit: Machtprobe für Merz und die Koalition
Was ist der Rentenstreit in der CDU?
Der Rentenstreit bezeichnet die interne Auseinandersetzung in der Union über das geplante Rentenpaket der schwarz-roten Bundesregierung. Im Kern geht es um die Frage, wie lange das Rentenniveau bei 48 Prozent gehalten werden soll. Die Junge Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehnt den aktuellen Gesetzentwurf ab, weil sie Folgekosten von 120 Milliarden Euro ab dem Jahr 2032 befürchtet.
Die sogenannte Haltelinie garantiert, dass die Rente mindestens 48 Prozent des Durchschnittslohns beträgt. Diese Regelung war bis 2031 im Koalitionsvertrag vereinbart. Der neue Gesetzentwurf sieht vor, dass das Rentenniveau auch nach 2031 um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht liegen soll.
Die 18 Rebellen: Wer steckt hinter dem Aufstand?
Angeführt wird die Junge Gruppe von Pascal Reddig, dem 32-jährigen CDU-Abgeordneten aus Hanau. Er ist Vorsitzender der Jungen Gruppe im Bundestag und gilt als Wortführer der Rebellen. Unterstützt wird er von Johannes Winkel, dem Vorsitzenden der Jungen Union auf Bundesebene.
Zur Jungen Gruppe gehören alle Bundestagsabgeordneten der Union unter 35 Jahren. Derzeit sind das 18 Parlamentarier. Sie haben angekündigt, dem Rentenpaket in der geplanten Form nicht zuzustimmen. Das ist für die Koalition ein massives Problem, denn ohne diese Stimmen fehlt die Mehrheit im Bundestag.
| Akteur | Position | Haltung zum Rentenpaket |
|---|---|---|
| Friedrich Merz (CDU) | Bundeskanzler | Zustimmung trotz Bedenken |
| Jens Spahn (CDU) | Unionsfraktionschef | Zustimmung, wirbt um Junge Gruppe |
| Pascal Reddig (CDU) | Vorsitzender Junge Gruppe | Ablehnung, fordert Nachbesserungen |
| Johannes Winkel (CDU) | JU-Bundesvorsitzender | Ablehnung |
| Lars Klingbeil (SPD) | Vizekanzler, Finanzminister | Zustimmung, keine Änderungen |
| Bärbel Bas (SPD) | Bundesarbeitsministerin | Zustimmung, kritisiert JU scharf |
Was Merz beim JU-Deutschlandtag passierte
Am 17. November 2025 trat Friedrich Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union im Europapark Rust auf. Die Erwartungen waren hoch: Der Kanzler sollte eine Brücke zur Jugendorganisation bauen. Doch stattdessen eskalierte der Konflikt.
Merz ließ sich fast eine halbe Stunde Zeit, bevor er auf das Rententhema einging. Dann bezeichnete er die Diskussion um die 120 Milliarden Euro Folgekosten als Phantomdiskussion. Diese Kosten würden nie entstehen, weil man mit der SPD vereinbart habe, das Rentensystem ab 2031 grundlegend umzubauen.
Die Reaktion aus dem Saal war verhalten. Kevin Gniosdorz, JU-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, erinnerte Merz daran, dass man in einem Team spiele. So wie die JU an der Seite von Merz gestanden habe, solle er jetzt an der Seite der Jungen Union stehen. Der Applaus beim Abgang des Kanzlers war mäßig.
Die 120-Milliarden-Euro-Frage
Der Kern des Streits sind die Folgekosten ab 2032. Die Junge Gruppe rechnet vor: Wenn das Rentenniveau dauerhaft bei 48 Prozent gehalten wird, entstehen bis 2040 Mehrkosten von etwa 120 Milliarden Euro. Diese Summe ist nicht im Koalitionsvertrag gedeckt.
Im ursprünglichen Koalitionsvertrag von April 2025 hatten Union und SPD vereinbart, ab 2031 das sogenannte Nachhaltigkeitsprinzip wieder einzuhalten. Dieses Prinzip bremst den Anstieg der Renten, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Im neuen Gesetzentwurf ist davon keine Rede mehr.
Friedrich Merz bestreitet, dass diese Kosten tatsächlich anfallen. Man habe mit der SPD vereinbart, das System ab 2031 so umzubauen, dass eine völlig neue Grundlage entstehe. Doch wie genau das aussehen soll, bleibt unklar. Die Junge Gruppe verlangt verbindliche Änderungen im Gesetzestext.
Spahns verzweifelter Appell
Unionsfraktionschef Jens Spahn steht im Rentenstreit zwischen allen Stühlen. Als Fraktionschef ist es seine Aufgabe, die Reihen zu schließen. Doch bislang ist ihm das nicht gelungen. Nach der gescheiterten Kanzlerwahl im ersten Anlauf und dem Desaster bei der Richterwahl ist der Rentenstreit die dritte schwere Krise.
In der ZDF-Sendung Berlin direkt appellierte Spahn an die Junge Gruppe: Für die Argumente gebe es viel Verständnis und Sympathie. Gleichzeitig müssten alle das große Ganze im Blick haben. Diese Koalition müsse regierungsfähig sein, wenn man etwas erreichen wolle für das Land.
Spahn versuchte es auch mit Lob. Die Junge Gruppe bringe sich sehr verantwortungsvoll ein. Er selbst sei ja früher auch Mitglied der Jungen Gruppe gewesen. Der Plan sei, zu reden und danach zu einer Entscheidung zu kommen. Wie und wann das gelingen könnte, blieb offen.
SPD bleibt hart: Keine Änderungen am Gesetz
Die SPD zeigt sich kompromisslos. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil betonte mehrfach: Am Rentenpaket ändere sich nichts. Anfang Dezember solle es im Bundestag verabschiedet werden. Das Rentenniveau sei für die SPD ein Hauptbestandteil der Koalition.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, in deren Ressort der Gesetzentwurf erarbeitet wurde, griff die Junge Gruppe scharf an. Sie baue einen Popanz auf, der echt überzogen sei. Aus diesem Streit dürfe keine Koalitionsfrage gemacht werden.
Auch Alexander Schweitzer, stellvertretender SPD-Vorsitzender und rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, erteilte Zugeständnissen eine klare Absage. Die Rente sei kein Charity-Projekt. Menschen hätten sich ihre Ansprüche erarbeitet.
20 Ökonomen fordern Stopp des Rentenpakets
Unterstützung bekommt die Junge Gruppe von unerwarteter Seite. Rund 20 renommierte Ökonomen und Forschende forderten den vollständigen Stopp des Rentenpakets. Unter den Unterzeichnern ist auch Jörg Rocholl, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums.
Der Plan für die Rentenpolitik verfehle das Ziel der Nachhaltigkeit, so die Experten in einem Appell an das Handelsblatt. Das Paket bestehe aus Rentenniveau-Haltelinie, Mütterrente, Aktivrente und Frühstartrente, sei aber langfristig nicht finanzierbar.
Die Kritik der Ökonomen wiegt schwer, weil sie aus der Wissenschaft kommt und nicht aus dem parteipolitischen Lager. Sie stützt die Argumentation der Jungen Gruppe erheblich.
Weitere Kritiker melden sich zu Wort
Der Aufstand beschränkt sich nicht mehr nur auf die unter 35-Jährigen. Die Bild-Zeitung meldete am 25. November 2025, dass sich nun auch CDU/CSU-Abgeordnete im Alter von über 35 Jahren gegen Merz wenden. Bis zu 30 weitere Parlamentarier könnten sich dem Protest anschließen.
Auch aus den Landesverbänden kommt Kritik. Manuel Hagel, Fraktionschef der CDU in Baden-Württemberg, sprach sich für Nachbesserungen aus. Kein Gesetz verlasse den Bundestag, wie es ins Parlament gehe. Selbst Wirtschaftsministerin Katherina Reiche aus dem Kabinett zeigte Sympathie für das Anliegen der Jungen.
In Hessen spielen junge CDUler eine führende Rolle beim Aufstand. Ministerpräsident Boris Rhein nahm an einer Sitzung teil, bei der Spahn die Kritik deutlich zu hören bekam.
Könnte die Linkspartei Merz retten?
Eine bizarre Wendung nimmt der Streit durch das Angebot der Linkspartei. Co-Fraktionschef Sören Pellmann kündigte an, dass seine Fraktion eine Zustimmung zum Rentenpaket erwäge. Für viele Unionsabgeordnete ist das ein zusätzlicher Trigger: Wenn selbst die Linke zustimmt, müsse das Paket wirklich schlecht sein.
Taktisch wäre eine Zustimmung der Linken für Merz eine Katastrophe. Er würde als Kanzler dastehen, der nur noch von Gnaden der Opposition regiert. Die SPD hat bereits klargemacht, dass die Koalition eine eigene Mehrheit brauche und nicht auf Stimmen anderer Fraktionen angewiesen sein dürfe.
Eine Verknüpfung des Gesetzentwurfs mit der Vertrauensfrage schloss Regierungssprecher Sebastian Hille aus. Merz komme das nicht in Betracht. Mit der Vertrauensfrage kann sich der Kanzler vergewissern, ob seine Politik im Bundestag eine Mehrheit hat.
Was steht eigentlich im Rentenpaket?
Das umstrittene Rentenpaket umfasst mehrere Maßnahmen:
Haltelinie beim Rentenniveau: Das Rentenniveau soll bis 2031 und darüber hinaus bei 48 Prozent gehalten werden. Das Rentenniveau gibt an, wie hoch die Rente eines Ruheständlers, der 45 Jahre lang zum Durchschnittslohn gearbeitet hat, im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn ausfällt.
Mütterrente: Die Ausweitung der Mütterrente auf alle Jahrgänge soll bereits zum 1. Januar 2026 in Kraft treten. Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bekommen mehr Rentenpunkte angerechnet.
Aktivrente: Nach einer CDU-Idee soll sie steuerfreien Verdienst bis 2.000 Euro nach Renteneintrittsalter ermöglichen. Die Maßnahme soll Anreize schaffen, auch nach dem Renteneintritt weiter zu arbeiten.
Frühstartrente: Details zu dieser Regelung sind noch in der Abstimmung. Sie soll Menschen zugutekommen, die besonders früh ins Berufsleben eingestiegen sind.
Die demographische Herausforderung
Hintergrund der Rentendebatte ist der demographische Wandel. Die Lebenserwartung ist gestiegen, die Boomer-Generation geht in Rente. Das setzt die Rentenkasse zunehmend unter Druck. Die Zahl der Beitragszahler sinkt, während die Zahl der Rentner steigt.
Ohne Reformen würde das Rentenniveau in den kommenden Jahren deutlich sinken. Die Junge Gruppe befürchtet jedoch, dass die jetzigen Pläne die Lasten einseitig auf die junge Generation verschieben. Die Beiträge zur Rentenversicherung müssten massiv steigen, um die Haltelinie zu finanzieren.
Die SPD argumentiert dagegen, dass ein sinkendes Rentenniveau zu massiver Altersarmut führen würde. Viele Rentner würden in die Grundsicherung rutschen, ohne dass der Staat dabei spare.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Machtprobe für Merz und die Koalition
Der Rentenstreit Junge CDU gegen Spahn und Merz ist mehr als eine fachliche Auseinandersetzung. Es ist eine Machtprobe, die die Führungsschwäche des Kanzlers und seines Fraktionschefs offenlegt. Nach der gescheiterten Kanzlerwahl und dem Richterwahl-Desaster ist dies die dritte schwere Krise der noch jungen Regierung.
Die 18 jungen Abgeordneten testen Merz, und viele Erfahrene zweifeln an seiner Kontrolle über die Fraktion. Die SPD bleibt unnachgiebig, die Junge Gruppe ebenso. Ein fauler Kompromiss in Form einer Absichtserklärung wird von beiden Seiten abgelehnt.
Die Zeit läuft ab. Anfang Dezember 2025 soll abgestimmt werden. Ob Merz seine Fraktion bis dahin auf Linie bringt oder ob die Koalition in eine ernste Krise schlittert, bleibt offen. Eines ist sicher: Der Rentenstreit wird zum Lackmustest für die Regierungsfähigkeit der schwarz-roten Koalition.










