Was bedeutet es, wenn ein Rüstungskonzern ins Schiffsgeschäft einsteigt? Rheinmetall übernimmt NVL, Naval Vessels Lürssen, und erweitert sein Portfolio von Land- und Luftsystemen auf maritime Technologien. Dieser Schritt signalisiert eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens und könnte die Wettbewerbslandschaft im Marinebereich verändern.

+
Kernpunkte
- Rheinmetall übernimmt NVL von der Lürssen-Gruppe.
- NVL hat 2100 Beschäftigte und strebte zuletzt 1,3 Milliarden Euro Umsatz an.
- Rheinmetall plant eine jährliche Umsatzsteigerung von 30 Prozent im Marinebereich.
- Der Konzern erwartet bis 2030 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro mit Marinesystemen.
| Unternehmen: | Details: |
|---|---|
| Umsatz NVL (2023, Ziel): | 1,3 Milliarden Euro |
| Beschäftigte NVL: | 2100 |
| Umsatzsteigerung Marinesparte (Ziel): | 30% pro Jahr |
| Umsatz Marinesparte (Ziel 2030): | 5 Milliarden Euro |
Welche Werften gehören jetzt zu Rheinmetall?
Durch die Übernahme von NVL gehen vier Werften an Rheinmetall über. Neben dem Verwaltungssitz in Bremen sind dies Standorte in Wilhelmshaven (Niedersachsen), zwei in Hamburg und eine Werft in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern). Diese Standorte sind spezialisiert auf den Bau verschiedener Schiffstypen, darunter Fregatten, Korvetten und Minenräumer.
Rheinmetall übernimmt NVL: Was steckt hinter dem Deal?
Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall expandiert in den Marinesektor. Laut einer Meldung von Stern hat das Unternehmen die Übernahme des Bremer Marineunternehmens NVL (Naval Vessels Lürssen) abgeschlossen, nachdem alle kartellrechtlichen Freigaben erteilt wurden. Verkäufer ist die Bremer Werftengruppe Lürssen, die sich künftig auf den Bau von Yachten konzentrieren will. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. (Lesen Sie auch: DAX Aktuell: Rekordhoch in Reichweite – eine…)
Die Akquisition wurde bereits im September des Vorjahres angekündigt, die Freigabeprozesse zogen sich jedoch hin. NVL, mit seinen 2100 Mitarbeitern, hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro angestrebt, wobei etwa zehn Prozent davon als Betriebsgewinn (Ebit) erwartet wurden.
Rheinmetall beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter und strebt für 2025 einen Umsatz von über 12 Milliarden Euro an. Die Jahreszahlen des Unternehmens werden Mitte des Jahres veröffentlicht.
Welche Schiffe baut NVL?
NVL ist spezialisiert auf den Bau von Marineschiffen. Das Produktportfolio umfasst Fregatten, Korvetten, Patrouillenboote, Versorgungsschiffe und Minenräumer. Zu den Kunden gehören die Deutsche Marine sowie Marinen und Behörden anderer Staaten. (Lesen Sie auch: Renk Aktie im Fokus: Bilanz-Showdown und Rüstungsboom)
Was bedeutet das für die Marine-Industrie?
Mit der Übernahme von NVL durch Rheinmetall entsteht ein neuer bedeutender Akteur im Bereich der Marine-Rüstung. Rheinmetall plant, das Geschäft mit Marinesystemen deutlich auszubauen und peilt eine jährliche Umsatzsteigerung von etwa 30 Prozent in diesem Bereich an. Bis 2030 soll der Umsatz auf rund fünf Milliarden Euro steigen, wobei drei Milliarden Euro aus Deutschland und zwei Milliarden Euro aus dem Ausland erwartet werden. Mögliche ausländische Märkte sind Italien, Griechenland und die Türkei.
Dieser Schritt könnte die Wettbewerbslandschaft im Marinebereich verändern. Laut Branchenexperten ist es ein Zeichen für die zunehmende Konsolidierung in der Rüstungsindustrie. „Die Übernahme ermöglicht es Rheinmetall, seine Position als umfassender Systemanbieter weiter auszubauen“, so Gustav Gressel, Sicherheitsexperte vom European Council on Foreign Relations.
Das Handelsblatt berichtet, dass der Schritt von Rheinmetall auch als Antwort auf die steigende Nachfrage nach maritimen Sicherheitstechnologien gesehen werden kann.
Was bedeutet das für Verbraucher/Arbeitnehmer/die Branche?
Für Arbeitnehmer bei NVL bedeutet die Übernahme zunächst, dass sie Teil eines größeren Konzerns werden. Dies kann sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Einerseits könnten sich neue Entwicklungsperspektiven ergeben, andererseits besteht möglicherweise die Sorge vor Stellenabbau. Für die deutsche Marine-Industrie insgesamt könnte die Übernahme positive Auswirkungen haben, da sie die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft stärken könnte. (Lesen Sie auch: Hensoldt Aktie: Rüstungsboom lässt Kurs deutlich steigen)
Häufig gestellte Fragen
Welche Auswirkungen hat die Übernahme von NVL auf die Lürssen-Gruppe?
Die Lürssen-Gruppe konzentriert sich nach dem Verkauf von NVL auf den Bau von Yachten. Das Unternehmen gibt damit sein Geschäftsfeld im Bereich Marineschiffe auf und fokussiert sich auf den zivilen Markt. (Lesen Sie auch: ölpreis Anstieg: Iran-Konflikt Treibt Ölpreise in die…)
Welche Rolle spielt die Bundeswehr bei der Übernahme?
Die Bundeswehr ist ein wichtiger Kunde von Rheinmetall und NVL. Die Übernahme könnte dazu führen, dass Rheinmetall der Bundeswehr künftig ein breiteres Spektrum an militärischen Gütern und Dienstleistungen anbieten kann.
Welche Wettbewerber hat Rheinmetall im Marinesektor?
Zu den wichtigsten Wettbewerbern von Rheinmetall im Marinesektor gehören Unternehmen wie ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), Naval Group (Frankreich) und Fincantieri (Italien). Diese Unternehmen sind ebenfalls auf den Bau von Marineschiffen und -systemen spezialisiert.














