Russische Öltanker der sogenannten Schattenflotte bedrohen die Ostsee und umgehen westliche Sanktionen. Am 7. Januar 2026 erklären wir, wie Russland mit veralteten Tankern Milliarden verdient, welche Gefahren für deutsche Küsten bestehen und wie die EU dagegen vorgeht. Von der Havarie der „Eventin“ vor Rügen bis zu den neuesten Sanktionspaketen – hier findest du alle wichtigen Informationen zur russischen Schattenflotte.
📖 Lesezeit: 10 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 7. Januar 2026
🚢 Russische Öltanker – Das Wichtigste auf einen Blick:
- Schattenflotte: Mehrere hundert bis 1.000 Tanker umgehen westliche Sanktionen
- EU-Sanktionen: 557 Schiffe auf der Sanktionsliste (Stand: Oktober 2025)
- Gefahren: Veraltete Tanker ohne ausreichende Versicherung bedrohen die Ostsee
- Havarie „Eventin“: Im Januar 2025 trieb ein Tanker mit 99.000 Tonnen Öl vor Rügen
- NATO-Reaktion: Initiative „Baltic Sentry“ verstärkt Überwachung der Ostsee
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die russische Schattenflotte?
- Warum bedrohen russische Öltanker die Ostsee?
- Havarie der "Eventin": Ölkatastrophe knapp verhindert
- EU-Sanktionen gegen die russische Schattenflotte
- Deutschland verstärkt Kontrollen in der Ostsee
- Estland stoppt Tanker der Schattenflotte
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Russische Öltanker bleiben eine Bedrohung für die Ostsee
Was ist die russische Schattenflotte?
Die russische Schattenflotte ist ein Netzwerk aus hunderten Öltankern, mit denen Russland westliche Sanktionen umgeht. Diese Schiffe transportieren russisches Rohöl und Ölprodukte unter Verschleierung ihrer Identität, Herkunft und Ladung. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs und dem EU-Ölembargo im Dezember 2022 hat Russland dieses System massiv ausgebaut.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Anzahl der Schiffe | Mehrere hundert bis 1.000 Tanker (je nach Zählweise) |
| Alter der Tanker | Oft 20 Jahre oder älter – nicht mehr für sicheren Transport geeignet |
| Flaggenstaaten | Panama, Cook Islands, Kamerun, Dschibuti u.a. |
| Versicherung | Unzureichend oder unbekannt – kein westlicher Versicherungsschutz |
| Wichtigste Routen | Von Primorsk/Ust-Luga durch die Ostsee Richtung Indien, Ägypten, China |
Die Tanker der Schattenflotte nutzen verschiedene Methoden zur Verschleierung: Sie schalten Ortungssysteme (AIS) ab, verwenden „falsche“ Flaggen und führen sogenannte Ship-to-Ship-Transfers durch, bei denen Öl auf offener See umgeladen wird. Dadurch wird die Herkunft der Ladung nahezu unmöglich nachzuverfolgen.
Warum bedrohen russische Öltanker die Ostsee?
Die wichtigste Handelsroute für russisches Öl führt durch die Ostsee. Von den Häfen Primorsk und Ust-Luga aus fahren täglich Tanker Richtung Südwesten – vorbei an deutschen, dänischen und schwedischen Küsten. Laut Greenpeace haben allein seit Mitte Juni 2025 insgesamt 188 solcher Tanker die deutsche Ostseeküste passiert.
⚠️ Gefahrenpotenzial: Bei einer Havarie droht eine ökologische Katastrophe. Die geringe Wassertiefe zwischen Bornholm und dem schwedischen Festland sowie in der Kadetrinne erhöht das Unfallrisiko. Viele Tanker verzichten auf ortskundige Lotsen. Bei einem Ölaustritt wären weitreichende Gebiete betroffen – darunter zahlreiche Natur- und Vogelschutzgebiete.
Die Gefahren im Überblick
- Veraltete Technik: 70 der Tanker sind 20 Jahre oder älter und für sicheren Öltransport nicht mehr geeignet
- Mangelhafte Wartung: Inspektionen werden jahrelang vernachlässigt, technische Mängel bleiben unbehoben
- Fehlende Versicherung: Bei einer Havarie ist unklar, wer für Schäden aufkommt
- Unklare Eigentumsverhältnisse: Die wahren Besitzer verschleiern ihre Identität
- „Geistertanker“: 27 Tanker führen laut Greenpeace falsche Flaggen und sind in keinem Register gelistet
![]()
Havarie der „Eventin“: Ölkatastrophe knapp verhindert
Am 10. Januar 2025 trieb der Öltanker „Eventin“ manövrierunfähig vor der Küste Rügens – beladen mit 99.000 Tonnen russischem Rohöl. Ein Totalausfall an Bord hatte das 274 Meter lange Schiff lahmgelegt. Das Havariekommando sicherte den Tanker und schleppte ihn nach Sassnitz.
| Details zur „Eventin“ | Information |
|---|---|
| Baujahr | 2003 (über 20 Jahre alt) |
| Flagge | Panama |
| Ladung | 99.000 Tonnen russisches Rohöl |
| Ziel | Ägypten |
| Vorgeschichte | Mängel am Feuerlöschsystem, schlechte Arbeitsbedingungen, Ship-to-Ship-Transfers |
Eine Ausbreitungsrechnung von Greenpeace zeigte später: Wäre es zu einem Leckschlagen gekommen, hätten die Küsten mehrerer Ostseeanrainerstaaten ökologisch schwer gelitten. Meeres- und Küstenschutzgebiete wären direkt betroffen gewesen.
EU-Sanktionen gegen die russische Schattenflotte
Die Europäische Union hat seit Juni 2024 systematisch Maßnahmen gegen die Schattenflotte ergriffen. Mit dem 19. Sanktionspaket vom Oktober 2025 stehen nun insgesamt 557 Schiffe auf der Sanktionsliste. Die EU plant, die Schattenflotte künftig monatlich ins Visier zu nehmen.
| Sanktionspaket | Datum | Maßnahmen gegen Schattenflotte |
|---|---|---|
| 14. Paket | Juni 2024 | Erste Sanktionen gegen einzelne Schiffe |
| 15. Paket | Dezember 2024 | 79 Schiffe gelistet |
| 16. Paket | Februar 2025 | 73 weitere Schiffe, Sanktionen gegen Eigentümer und Kapitäne möglich |
| 17. Paket | Mai 2025 | 189 Schiffe, Fokus auf Betreiber |
| 18. Paket | Juli 2025 | 105 weitere Schiffe |
| 19. Paket | Oktober 2025 | 117 Schiffe, insgesamt 557 gelistet, Rückversicherungsverbot |
Was bedeuten die Sanktionen konkret?
- Hafenzugangsverbot: Gelistete Schiffe dürfen keine EU-Häfen anlaufen
- Dienstleistungsverbot: Bunkerung, Schiffsversorgung, Schleppdienste und Finanzhilfen sind untersagt
- Versicherungsverbot: Westliche Versicherungen und Rückversicherungen sind verboten
- Listung von Personen: Eigentümer, Betreiber und Kapitäne können sanktioniert werden
Deutschland verstärkt Kontrollen in der Ostsee
Seit dem 1. Juli 2025 befragen deutsche Behörden passierende Tanker nach ihrem Versicherungsschutz gegen Ölverschmutzungsschäden. Betroffen sind ostgehende Schiffe auf der Höhe von Fehmarn. Die Maßnahme erfolgt parallel mit Schweden.
💬 Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul: „Wir müssen in puncto Schattenflotte unsere Wachsamkeit in der Ostsee erhöhen. Mit der Abfrage des Versicherungsstatus fügen wir unserem Lagebild ein weiteres Puzzlestück hinzu. Je vollständiger das Bild, desto eher können wir gemeinsam mit unseren Partnerländern Maßnahmen bis hin zur Sanktionslistung ergreifen.“
Im Juni 2025 beschlossen die Ostseeanrainer-Staaten sowie Belgien, die Niederlande und Großbritannien, konsequent gegen die Schattenflotte vorzugehen. Die NATO-Initiative „Baltic Sentry“ verstärkt zudem die Überwachung der Ostsee mit Drohnen und Patrouillen.
![]()
Estland stoppt Tanker der Schattenflotte
Im April 2025 setzte die estnische Marine den Tanker „Kiwala“ in der Ostsee fest. Das Schiff stand auf Sanktionslisten der EU, Schweiz, Großbritanniens und Kanadas und war auf dem Weg zum russischen Hafen Ust-Luga. An Bord wurden 40 Probleme festgestellt, davon 23 bei den Unterlagen und 17 bei der Seetüchtigkeit.
| Vorfall | Datum | Details |
|---|---|---|
| „Eventin“-Havarie | Januar 2025 | Trieb manövrierunfähig vor Rügen, 99.000 Tonnen Öl |
| „Kiwala“ festgesetzt | April 2025 | Estnische Marine, 40 Mängel, staatenlos eingestuft |
| „Eagle S“ verdächtigt | Dez. 2024 – März 2025 | Sabotage-Verdacht an Seekabeln, in Finnland festgehalten |
| „Jaguar“-Zwischenfall | Mai 2025 | Estland versuchte Stopp, Russland schickte Kampfjet zur Eskorte |
| „Green Admire“ beschlagnahmt | Mai 2025 | Russland beschlagnahmt griechischen Tanker in der Ostsee |
Besonders brisant: Als Estland im Mai 2025 versuchte, den Tanker „Jaguar“ zu stoppen, entsandte Russland einen Kampfjet in den estnischen Luftraum, um das Schiff zu eskortieren. Dies zeigt, dass Russland bereit ist, die Schattenflotte auch militärisch zu schützen.
Trotz Sanktionen verdient Russland weiterhin Milliarden mit Ölexporten. Allein im Dezember 2024 exportierte das Land laut Reuters rund 5,5 Millionen Tonnen Ölprodukte aus seinen Ostseehäfen – über 50 Prozent der gesamten russischen Ölproduktexporte.
🛢️ Umgehung des Preisdeckels: Die G7-Staaten und die EU haben einen Preisdeckel von 60 US-Dollar pro Barrel für russisches Öl eingeführt. Die Schattenflotte transportiert jedoch Öl zu deutlich höheren Preisen. Durch Ship-to-Ship-Transfers auf offener See wird die Herkunft verschleiert, sodass Käufer in Indien, China oder der Türkei das Öl legal erwerben können.
Die Schattenflotte nutzt dieselben Methoden wie Nordkorea, das seit Jahren UN-Sanktionen umgeht: unklare Eigentumsverhältnisse, Übergabe von Waren auf See und wechselnde Flaggenstaaten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Russische Öltanker bleiben eine Bedrohung für die Ostsee
Die russische Schattenflotte ist eines der größten Sicherheits- und Umweltrisiken in der Ostsee. Trotz 19 EU-Sanktionspaketen und 557 gelisteter Schiffe transportieren veraltete Tanker täglich russisches Öl vorbei an deutschen Küsten. Die Havarie der „Eventin“ vor Rügen im Januar 2025 zeigte, wie knapp eine Ölkatastrophe vermieden wurde. Die EU verschärft ihre Maßnahmen monatlich, doch Russland ist bereit, seine Schattenflotte sogar militärisch zu schützen. Die Sanktionen wurden bis Juli 2026 verlängert – ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.
Mehr zu aktuellen Entwicklungen und Rechtsthemen findest du in unserem Artikel zu den Wintereinbruch Rechten für Arbeitnehmer und Mieter.
Autor: MinDelMedia Redaktion | Politik & Wirtschaft
Unsere Redaktion berichtet über aktuelle Themen rund um internationale Politik, Sanktionen und Wirtschaft.
📧 redaktion@mindelmedia-news.de
Stand: 7. Januar 2026 | Quellen: Bundesregierung, Europäischer Rat, Greenpeace