Der Schulstreik Wehrpflicht erreicht am 5. Dezember 2025 seinen Höhepunkt. Während der Bundestag über das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz abstimmt, gehen tausende Jugendliche auf die Straße. In Berlin, Hamburg, München, Köln und dutzenden weiteren Städten rufen Bündnisse zum Protest auf.
Die Schüler kritisieren, dass über ihre Zukunft entschieden werde – ohne sie zu fragen. „Wir wollen sie zwingen, uns zuzuhören“, erklärt der 15-jährige Elias aus Hamburg, einer der Organisatoren. Die Debatte um die Wehrpflicht spaltet Deutschland.
Was passiert heute im Bundestag?
Der Bundestag stimmt am 5. Dezember 2025 in namentlicher Abstimmung über das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ab. Nach einstündiger Debatte entscheiden die Abgeordneten über die Pläne der schwarz-roten Koalition.
| Gesetzesdetail | Regelung |
|---|---|
| Inkrafttreten | 1. Januar 2026 |
| Fragebögen | Ab Mitte Januar 2026 für alle 18-jährigen Männer |
| Verpflichtende Musterung | Ab Sommer 2027 für alle jungen Männer (Jahrgang 2008+) |
| Antwortpflicht | Ja – Fragebogen muss ausgefüllt werden |
| Frauen | Freiwillige Teilnahme möglich |
| Bedarfswehrpflicht | Bei Mangel an Freiwilligen per Bundestagsgesetz |
Das Gesetz setzt zunächst auf Freiwilligkeit. Alle 18-jährigen Männer erhalten einen Fragebogen zur Motivation und Eignung. Die Beantwortung ist verpflichtend. Frauen können sich freiwillig beteiligen.
Warum protestieren Schüler gegen die Wehrpflicht?
Die Kritik der Jugendlichen richtet sich gegen mehrere Punkte. Das Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ fasst zusammen: „Über die Köpfe der jungen Menschen hinweg wird über deren Zukunft bestimmt.“
Schüler aus Potsdam rufen dazu auf, „nicht stumm zuzuschauen, wie wir und unsere Freunde per Los zum Töten und Sterben gezwungen werden“. Sie fordern, dass Bildungseinrichtungen Orte des Friedens bleiben und nicht zu Rekrutierungsfeldern werden.
Der Hamburger Schüler Elias erklärt gegenüber der taz: „Kriegstüchtigkeit ist ein riesiges Thema, aber die Perspektive von uns Jugendlichen, auf deren Schultern das ja letztlich aufgebaut werden soll, ist praktisch nicht vorhanden.“ Eine Mehrheit der betroffenen Jugendlichen sei gegen eine Wehrpflicht.
Wo finden heute Schulstreiks statt?
Das Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ hat über 90 Streikkomitees in ganz Deutschland gegründet. Die wichtigsten Protestorte im Überblick:
| Stadt | Uhrzeit | Ort |
|---|---|---|
| Berlin | 12:00 Uhr Streik / 16:00 Uhr Demo | Oranienplatz |
| Potsdam | 10:00 Uhr | Alter Markt |
| Cottbus | 13:30 Uhr | Stadthallenvorplatz |
| Hamburg | Nachmittags | Innenstadt |
| München | Nachmittags | Zentrum |
| Köln, Leipzig, Frankfurt | Verschiedene Zeiten | Innenstädte |
Weitere Aktionen sind unter anderem in Augsburg, Bielefeld, Düsseldorf, Dresden, Essen, Göttingen, Hannover, Kassel, Münster, Nürnberg, Rostock, Trier und Wiesbaden geplant.
Wer organisiert den Schulstreik Wehrpflicht?
Hinter den Protesten steht ein breites Bündnis aus Jugendorganisationen und Friedensgruppen. Zu den Organisatoren zählen das Schüler-Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht am 05.12.“, das Jugend-Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ und der Bundesausschuss Friedensratschlag.
Unterstützung kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft), den Falken und verschiedenen lokalen Schülerinitiativen. Auch die Landesschülervertretung NRW und der Berliner Landesschülerausschuss unterstützen die Proteste.
Die GEW Berlin fordert ihre Mitglieder auf, „die kritische Diskussion und Meinungsbildung sowie das Engagement der Schüler zu diesen Themen aktiv zu unterstützen“.
Was droht Schülern bei Teilnahme am Streik?
Die Teilnahme am Schulstreik ist rechtlich nicht unproblematisch. Ein Schulanwalt warnte im Tagesspiegel: „Die rechtliche Position der Schüler ist da nicht sehr günstig.“ Die Schulpflicht ist während des Streiks nicht ausgesetzt.
Wer an den Demos teilnimmt und dafür die Schule schwänzt, muss mit Konsequenzen rechnen. Die Fehlzeiten werden erfasst. Bei verpassten Tests droht eine 6. Die Berliner Schulverwaltung teilte mit, die Schulen könnten die laufende gesellschaftliche Debatte im Unterricht oder in anderen geeigneten Formaten aufgreifen.
Anders als bei den Fridays-for-Future-Demos zeigen sich Schulen diesmal weniger tolerant. Ein Artikel der Berliner Zeitung kommentiert: „Fürs Klima gerne, aber bitte nicht gegen den Wehrdienst.“ Der mediale Gegenwind zeige, dass die Wehrpflicht-Proteste weniger erwünscht seien als die Klimastreiks.
Warum will die Bundesregierung die Wehrpflicht?
Die Bundesregierung begründet das Gesetz mit der veränderten Sicherheitslage. In dem Entwurf heißt es: Russland werde auf absehbare Zeit die größte Gefahr für die Sicherheit in Europa bleiben. Russland schaffe die Voraussetzungen, um innerhalb weniger Jahre in der Lage zu sein, NATO-Territorium anzugreifen.
| Ziel | Details |
|---|---|
| Personalziel gesamt | 460.000 Soldaten (inkl. Reserve) |
| Zeit- und Berufssoldaten | 260.000 bis 2035 |
| Reservisten | 200.000 bis 2035 |
| Aktueller Stand | ca. 171.650 Zeit-/Berufssoldaten |
| Rüstungsetat bis 2029 | 190 Milliarden Euro geplant |
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bereits 2023 erklärt, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden. Bis 2029 solle die Bundeswehr dafür gerüstet sein. Das Problem: Es melden sich aktuell zu wenige Freiwillige.
Wie attraktiv ist der neue Wehrdienst?
Die Bundeswehr wirbt mit finanziellen Anreizen für den freiwilligen Wehrdienst:
| Leistung | Höhe/Details |
|---|---|
| Monatlicher Sold | ca. 2.600 Euro brutto |
| Mindestdienstzeit | 6 Monate |
| Führerschein-Zuschuss | bis 3.500 Euro (bei mind. 12 Monaten) |
| Weitere Anreize | Bei längerer Verpflichtung zusätzliche Boni |
Kritiker bemängeln jedoch: Das Gesetz enthalte bereits die Option zur Zwangsverpflichtung. Wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, kann der Bundestag per Gesetz eine „Bedarfswehrpflicht“ beschließen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge nannte das „ein mögliches Eingestehen eines eigenen Scheiterns schon im Gesetz“.
Wie reagiert die Politik auf die Proteste?
Die Reaktionen auf den Schulstreik Wehrpflicht sind gespalten. Teile der Linken unterstützen die Proteste. Die Partei hat einen Antrag zur „Streichung der Wehrpflicht aus dem Grundgesetz“ eingebracht, über den heute ebenfalls abgestimmt wird.
Die Landesschülervertretung NRW erklärt: „Jede Form staatlicher Zwangsdienste lehnen wir ab. Der Staat darf sich nicht über Körper, Lebenszeit und Zukunftspläne junger Menschen hinwegsetzen, um geopolitische Interessen durchzusetzen.“
Der Bundeswehrverband hingegen kritisiert das Gesetz als nicht weitreichend genug. Verbandschef André Wüstner sagte, der Entwurf greife „angesichts der Probleme bei der Personalgewinnung immer noch zu kurz“. Die stagnierende Personalentwicklung bei den Profis im Militär sei das eigentliche Problem.
Vergleich: Fridays for Future vs. Schulstreik Wehrpflicht
Die Berliner Zeitung zieht einen kritischen Vergleich zu den Klimaprotesten. Bei Fridays for Future wurden Eltern gebeten, Entschuldigungsschreiben zu verfassen. Lehrer trugen die Abwesenheiten teils gar nicht ein. Der soziale Druck mitzulaufen war enorm.
Beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht sieht das anders aus. Im Deutschlandfunk und anderen Medien werden Warnungen an die Schüler gesendet: Wer an solchen Demos teilnehme und dafür die Schule schwänze, müsse mit Konsequenzen rechnen.
Ein Kommentar fasst zusammen: „Das zeigt, was staatliche Agenda ist.“ Die Fridays-for-Future-Demos passten zur Agenda der Mächtigen – der Kampf gegen die Wehrpflicht hingegen sei unerwünscht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann findet der Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt?
Der bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht findet am 5. Dezember 2025 statt. In über 90 deutschen Städten sind Aktionen geplant. In Berlin beginnt der Schülerstreik um 12 Uhr, die große Demonstration am Oranienplatz startet um 16 Uhr.
Was steht im neuen Wehrdienstgesetz?
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz sieht verpflichtende Fragebögen für alle 18-jährigen Männer ab 2026 vor. Ab Sommer 2027 folgt die verpflichtende Musterung. Der Wehrdienst bleibt zunächst freiwillig. Bei Mangel an Freiwilligen kann der Bundestag jedoch eine „Bedarfswehrpflicht“ beschließen.
Drohen Konsequenzen bei Teilnahme am Schulstreik?
Ja, die Schulpflicht bleibt während des Streiks bestehen. Fehlzeiten werden erfasst, bei verpassten Tests droht eine schlechte Note. Anders als bei Fridays for Future zeigen sich Schulen diesmal weniger tolerant gegenüber den Protesten.
Wie viel verdient man beim freiwilligen Wehrdienst?
Wer freiwillig Wehrdienst leistet, erhält monatlich rund 2.600 Euro brutto. Die Mindestdienstzeit beträgt sechs Monate. Bei mindestens zwölf Monaten Dienst gibt es zusätzlich einen Führerschein-Zuschuss von bis zu 3.500 Euro.
Wer organisiert die Proteste gegen die Wehrpflicht?
Hinter den Protesten steht ein breites Bündnis. Dazu gehören das Schüler-Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“, das Jugend-Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“, der Bundesausschuss Friedensratschlag, die GEW, die DFG-VK und verschiedene Landesschülervertretungen.
Fazit: Schulstreik Wehrpflicht spaltet Deutschland
Der Schulstreik Wehrpflicht am 5. Dezember 2025 markiert einen Wendepunkt in der deutschen Debatte um Militär und Jugend. Während der Bundestag über das neue Wehrdienstgesetz abstimmt, gehen tausende Schüler auf die Straße. Sie fordern Mitsprache bei Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen. Die Bundesregierung argumentiert mit der Sicherheitslage – die Jugendlichen sehen sich als mögliches „Kanonenfutter“. Ob die Proteste politische Wirkung entfalten, wird sich zeigen. Die Abstimmung im Bundestag läuft.