Social Media Sucht: Eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit zeigt, dass mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland soziale Medien in einem riskanten oder bereits krankhaften Ausmaß nutzen. Rund 6,6 Prozent, was etwa 350.000 Betroffenen entspricht, weisen sogar ein pathologisches, also suchtkrankes Nutzungsverhalten auf.

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- Social Media Sucht: Ein wachsendes Problem unter Jugendlichen
- Was sind die konkreten Zahlen?
- Was bedeutet riskante und pathologische Nutzung?
- Wie viel Zeit verbringen Jugendliche in sozialen Medien?
- Welche Ursachen hat die Zunahme von Social Media Sucht?
- Wie kann man Social Media Sucht vorbeugen und behandeln?
- Welche Rolle spielen Jugendschutz und Medienkompetenz?
- Fazit
Kernpunkte
- Mehr als ein Viertel der Jugendlichen zeigt riskantes Social-Media-Verhalten.
- Rund 350.000 Kinder und Jugendliche sind von pathologischer Social-Media-Nutzung betroffen.
- Die DAK-Gesundheit fordert schärfere Jugendschutzregeln und mehr Medienkompetenz.
- Experten sehen neben individuellen Faktoren auch gesellschaftliche Ursachen für die Zunahme.
Social Media Sucht: Ein wachsendes Problem unter Jugendlichen
Die Nutzung sozialer Medien ist für viele Kinder und Jugendliche ein fester Bestandteil ihres Alltags. Doch die Grenzen zwischen normalem Gebrauch und Suchtverhalten verschwimmen zunehmend. Eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, dass ein besorgniserregend hoher Anteil junger Menschen ein problematisches Nutzungsverhalten aufweist. Die Studie, die seit 2019 läuft, analysiert die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und identifiziert klare Trends.
Die Studie der DAK-Gesundheit und des UKE untersucht seit 2019 die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Im Fokus stehen dabei die Häufigkeit, Dauer und die Auswirkungen der Nutzung verschiedener Medien, insbesondere sozialer Medien und Online-Videos.
Was sind die konkreten Zahlen?
Laut der Studie zeigten im vergangenen Herbst 21,5 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen eine riskante Nutzung sozialer Medien. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (21,1 Prozent im September/Oktober 2024). Noch deutlicher ist der Anstieg beim Konsum von Online-Videos: Hier wiesen 21,4 Prozent ein riskantes Nutzungsverhalten auf, gegenüber 13,4 Prozent im Vorjahr. Als pathologische Nutzer, also suchtkrank, gelten 6,6 Prozent bei Social Media und 4 Prozent bei Videos. Hochgerechnet bedeutet dies, dass etwa 350.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland eine pathologische Nutzung sozialer Medien aufweisen.
Die Zahlen sind alarmierend und verdeutlichen, dass die Thematik der Stern berichtet, dringend angegangen werden muss. (Lesen Sie auch: Jugendschutz Social Media: Plant CDU ein Verbot…)
Was bedeutet riskante und pathologische Nutzung?
Die Studie unterscheidet zwischen riskanter und pathologischer Nutzung. Eine riskante Nutzung liegt vor, wenn soziale Medien oder Online-Videos in einem ausgiebigen Maße konsumiert werden, aber noch keine gravierenden negativen Folgen auftreten. Eine pathologische Nutzung hingegen liegt vor, wenn die Medien so stark genutzt werden, dass die Betroffenen dies länger tun als geplant oder vorgegeben und negative Auswirkungen in anderen Lebensbereichen auftreten.
Welche Folgen hat eine pathologische Nutzung?
Zu den negativen Folgen gehören beispielsweise:
- Verspätungen im Unterricht
- Schlechtere Noten
- Schlafstörungen
- Konzentrationsprobleme
- Soziale Isolation
- Psychische Probleme wie Angstzustände oder Depressionen
Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über ihr Nutzungsverhalten und sind nicht mehr in der Lage, ihre Mediennutzung zu reduzieren oder zu beenden, selbst wenn sie die negativen Konsequenzen erkennen.
Wie viel Zeit verbringen Jugendliche in sozialen Medien?
Die Studie zeigt, dass Kinder und Jugendliche durchschnittlich 2,7 Stunden pro Wochentag in sozialen Medien verbringen. Am Wochenende steigt die Nutzungsdauer auf 3,3 Stunden an. Obwohl die durchschnittliche Nutzungsdauer im Vergleich zu früheren Erhebungen leicht gesunken ist, bleibt sie auf einem hohen Niveau. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, bezeichnet die Entwicklung dennoch als „alarmierend“. Er warnt davor, dass immer mehr Mädchen und Jungen Gefahr laufen, in die Abhängigkeit zu geraten.
Um einem problematischen Nutzungsverhalten vorzubeugen, ist es wichtig, klare Regeln für die Mediennutzung aufzustellen und alternative Freizeitaktivitäten zu fördern. Auch der offene Austausch über die Risiken und Gefahren sozialer Medien kann helfen, ein gesundes Nutzungsverhalten zu entwickeln. (Lesen Sie auch: Instagram Prozess: Macht die App Wirklich Süchtig?)
Welche Ursachen hat die Zunahme von Social Media Sucht?
Die Ursachen für die Zunahme von Social Media Sucht sind vielfältig. Neben individuellen Faktoren wie einer geringen Selbstkontrolle oder einem geringen Selbstwertgefühl spielen auch gesellschaftliche Faktoren eine Rolle. Soziale Medien sind darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten. Algorithmen personalisieren die Inhalte und sorgen dafür, dass Nutzer immer wieder neue, interessante Inhalte präsentiert bekommen.
Welche Rolle spielen die Algorithmen?
Die Algorithmen der sozialen Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von problematischem Nutzungsverhalten. Sie sind darauf optimiert, die Aufmerksamkeit der Nutzer zu fesseln und sie möglichst lange auf der Plattform zu halten. Dies geschieht durch personalisierte Inhalte, die auf den individuellen Interessen und Vorlieben der Nutzer basieren. Studien haben gezeigt, dass diese Personalisierung dazu führen kann, dass Nutzer immer wieder neue, interessante Inhalte präsentiert bekommen und dadurch immer mehr Zeit in den sozialen Medien verbringen. Experten warnen davor, dass diese Mechanismen süchtig machen können.
Zudem bieten soziale Medien eine scheinbar endlose Quelle an Ablenkung und Unterhaltung, was insbesondere für Jugendliche attraktiv ist, die sich in einer Phase der Identitätsfindung befinden und nach Anerkennung und Bestätigung suchen.

Wie kann man Social Media Sucht vorbeugen und behandeln?
Die Prävention von Social Media Sucht beginnt mit einer bewussten Auseinandersetzung mit den eigenen Nutzungsgewohnheiten. Eltern und Erziehungsberechtigte sollten ein offenes Gespräch mit ihren Kindern über die Risiken und Gefahren sozialer Medien führen und gemeinsam Regeln für die Mediennutzung aufstellen. Es ist wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Online- und Offline-Aktivitäten zu fördern und alternative Freizeitbeschäftigungen anzubieten.
Bei bereits bestehender Social Media Sucht ist professionelle Hilfe ratsam. Es gibt spezielle Beratungsstellen und Therapieangebote für Jugendliche mit Medienabhängigkeit. Eine Therapie kann helfen, die Ursachen der Sucht zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um das Nutzungsverhalten zu verändern. Die Bundesregierung bietet auf ihrer Webseite Informationen und Anlaufstellen zum Thema Suchtprävention. (Lesen Sie auch: Suchbild Husky: Kannst Du den Hund im…)
Andreas Storm von der DAK-Gesundheit fordert zudem schärfere Jugendschutzregeln und eine stärkere Vermittlung von Medienkompetenz. Die Einführung von Altersgrenzen allein reiche nicht aus, es brauche eine umfassende Strategie, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der Social Media Sucht zu schützen.
Welche Rolle spielen Jugendschutz und Medienkompetenz?
Jugendschutz und Medienkompetenz sind zentrale Bausteine im Kampf gegen Social Media Sucht. Jugendschutzrichtlinien sollen Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten und exzessiver Nutzung schützen. Dazu gehören beispielsweise Altersbeschränkungen für bestimmte Plattformen oder Funktionen. Medienkompetenz hingegen befähigt Kinder und Jugendliche, soziale Medien kritisch zu hinterfragen und ein gesundes Nutzungsverhalten zu entwickeln.
Medienkompetenz umfasst unter anderem die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, Fake News zu erkennen und die eigenen Daten zu schützen. Sie hilft auch, die Mechanismen der sozialen Medien zu verstehen und sich nicht von Algorithmen manipulieren zu lassen.
Fazit
Die Ergebnisse der DAK-Studie sind ein Weckruf. Die Zunahme von Social Media Sucht unter Jugendlichen ist ein ernstes Problem, das nicht ignoriert werden darf. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der digitalen Welt zu schützen und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien zu ermöglichen. Neben individuellen Maßnahmen wie der Förderung von Medienkompetenz und der Aufstellung klarer Regeln für die Mediennutzung sind auch politische Maßnahmen wie die Verschärfung des Jugendschutzes und die Regulierung von Algorithmen notwendig. Nur so kann es gelingen, die negativen Auswirkungen der Social Media Sucht einzudämmen und eine gesunde Entwicklung junger Menschen zu fördern.
