Warum würden so wenige Start-up-Gründer wieder in Deutschland gründen? Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass nur etwa die Hälfte der Start-ups rückblickend wieder den Standort Deutschland wählen würde. Gründe hierfür sind unter anderem wenig Wagniskapital, eine kriselnde Wirtschaft und hausgemachte Probleme. 20 Prozent würden ein anderes EU-Land bevorzugen, 11 Prozent ein Land außerhalb Europas, während die USA für 7 Prozent in Frage kämen.

+
- Wie steht es um die Gründungsstimmung in Deutschland?
- Woran hakt es beim Wagniskapital?
- Wie bewerten Start-ups die wirtschaftliche Lage?
- Welche Rolle spielt die Politik?
- Was bedeutet das für Verbraucher, Arbeitnehmer und die Branche?
- Wie können die Rahmenbedingungen verbessert werden?
- Häufig gestellte Fragen
Kernpunkte
- Nur 50% der Start-ups würden wieder in Deutschland gründen.
- Mangel an Wagniskapital und wirtschaftliche Herausforderungen sind Hauptgründe.
- 20% würden ein anderes EU-Land wählen, 11% ein Land außerhalb Europas.
- Die USA sind trotz allem für 7% der Gründer attraktiv.
| Unternehmen | Umsatz, Gewinn/Verlust | Mitarbeiterzahl | Branche | Veränderung zum Vorjahr | |
|---|---|---|---|---|---|
| Start-ups in Deutschland | Variabel | Variabel | Tech, Digital | 35% Verbesserung, 30% Verschlechterung, 35% unverändert | |
| Politik | Maßnahme | betroffener Bereich | Volumen | ab wann | wer profitiert/verliert |
| Bundesregierung | Förderprogramme für Start-ups | Wirtschaft, Innovation | Variabel | Laufend | Start-ups profitieren, Steuerzahler tragen Kosten |
Wie steht es um die Gründungsstimmung in Deutschland?
Die Gründungsstimmung in Deutschland ist gespalten. Viele Start-ups sehen sich durch mangelndes Wagniskapital und eine schwächelnde Wirtschaft gebremst. Hinzu kommen bürokratische Hürden und regulatorische Belastungen, die den Standort unattraktiv machen. Laut einer Meldung von Stern, würde aktuell nur die Hälfte der Techfirmen wieder in Deutschland gründen.
Woran hakt es beim Wagniskapital?
Ein zentrales Problem für Start-ups in Deutschland ist der Mangel an Wagniskapital, insbesondere in späteren Finanzierungsrunden. Während die Seed-Finanzierung oft noch relativ gut funktioniert, wird es schwierig, größere Summen für die Expansion einzuwerben. Dies zwingt viele Start-ups, sich an ausländische Investoren zu wenden, was mitunter den Verlust von Kontrolle und Know-how zur Folge haben kann. Der Startup-Verband kritisiert seit Längerem diese Situation und fordert eine Verbesserung der Rahmenbedingungen.
In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups, in Großbritannien fast 300 Euro und in Frankreich mehr als 100 Euro. In Deutschland waren es nicht einmal 90 Euro. (Lesen Sie auch: Hyperschallrakete Test: Deutsches Startup überrascht Europa)
Wie bewerten Start-ups die wirtschaftliche Lage?
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird von Start-ups unterschiedlich bewertet. Laut der Bitkom-Studie berichteten 35 Prozent der befragten Unternehmen von einer Verbesserung im vergangenen Jahr, während 30 Prozent eine Verschlechterung feststellten. Für die übrigen 35 Prozent blieb die Lage unverändert. Der Blick in die Zukunft fällt jedoch skeptischer aus: Nur 19 Prozent erwarten für 2025 eine Verbesserung der Situation für deutsche Start-ups, während 37 Prozent eine Verschlechterung befürchten. Rund jedes elfte Start-up fürchtet sogar die Insolvenz innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Welche Rolle spielt die Politik?
Die Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für Start-ups. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordert einen leichteren Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten, Daten für innovative Services und Technologien einzusetzen. Die Bundesregierung hat zwar eine Startup-Strategie entwickelt, doch deren Umsetzung wird von vielen als zu langsam und bürokratisch kritisiert. Es fehle an konkreten Maßnahmen, die schnell und unkompliziert wirken.
Ein historischer Vergleich zeigt, dass Deutschland in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht hat, ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen. In den 1990er Jahren gab es beispielsweise die „BioRegio“-Initiative, die den Aufbau von Biotechnologie-Zentren fördern sollte. Diese Initiative war zwar erfolgreich, jedoch fokussiert auf einen spezifischen Sektor. Heute bedarf es einer breiteren Strategie, die alle Branchen umfasst und die spezifischen Bedürfnisse von Start-ups berücksichtigt.
Start-ups sollten sich frühzeitig um Fördermöglichkeiten und Netzwerke bemühen. Eine gute Vernetzung mit anderen Gründern, Investoren und Experten kann entscheidend für den Erfolg sein. (Lesen Sie auch: O2 Probleme: Umsatzrückgang Belastet Telefónica Schwer)
Was bedeutet das für Verbraucher, Arbeitnehmer und die Branche?
Die schwierige Situation für Start-ups in Deutschland hat Auswirkungen auf verschiedene Bereiche. Für Verbraucher bedeutet dies möglicherweise weniger innovative Produkte und Dienstleistungen, da Start-ups oft eine treibende Kraft für Innovationen sind. Für Arbeitnehmer kann es weniger Jobangebote und unsichere Arbeitsplätze bedeuten, da Start-ups oft ein wichtiger Arbeitgeber sind, insbesondere für junge Talente. Für die Branche insgesamt bedeutet es einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft im internationalen Vergleich.
Die fehlende Risikobereitschaft deutscher Investoren ist ein weiterer Faktor, der Start-ups behindert. Während in den USA und Asien Wagniskapitalgeber bereit sind, hohe Risiken einzugehen, sind deutsche Investoren oft konservativer. Dies führt dazu, dass viele innovative Geschäftsmodelle und Technologien nicht ausreichend finanziert werden und Deutschland den Anschluss an die internationale Spitze verliert. Laut Handelsblatt, ist eine stärkere Risikokultur notwendig, um das Potenzial deutscher Start-ups voll auszuschöpfen.
Wie können die Rahmenbedingungen verbessert werden?
Um die Rahmenbedingungen für Start-ups in Deutschland zu verbessern, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören der Abbau bürokratischer Hürden, die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, die Förderung von Wagniskapital und die Schaffung eines innovationsfreundlicheren Klimas. Die Politik muss zudem Anreize schaffen, damit sich mehr Menschen für eine Gründung entscheiden und Deutschland als Standort für innovative Unternehmen attraktiver wird. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die steuerliche Förderung von Wagniskapitalinvestitionen oder die Einführung von flexibleren Arbeitszeitmodellen für Start-up-Mitarbeiter.
Der Digitalverband Bitkom fordert seit Jahren eine umfassende Digitalisierungsstrategie für Deutschland, die auch die Bedürfnisse von Start-ups berücksichtigt. Dazu gehört der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Förderung digitaler Kompetenzen und die Schaffung eines rechtssicheren Rahmens für innovative Geschäftsmodelle. Nur so könne Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen und seine Position als führender Wirtschaftsstandort behaupten. (Lesen Sie auch: Mikael Tatarkin fällt aus Alexandru Ionel Springt)
Häufig gestellte Fragen
Warum würden viele Start-ups nicht wieder in Deutschland gründen?
Viele Start-ups würden nicht wieder in Deutschland gründen, da sie mit wenig Wagniskapital, einer kriselnden Wirtschaft und hausgemachten Problemen zu kämpfen haben. Bürokratische Hürden und regulatorische Belastungen tragen ebenfalls zur Unattraktivität des Standorts bei.
Welche Länder sind für Start-ups attraktiver als Deutschland?
Laut einer Umfrage würden 20 Prozent der Start-ups ein anderes EU-Land bevorzugen, während 11 Prozent ein Land außerhalb Europas in Betracht ziehen würden. Die USA sind trotz der politischen Lage für 7 Prozent der Gründer eine attraktive Option. (Lesen Sie auch: A Knight Of The Seven Kingdoms: Was…)
Wie bewerten Start-ups die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland?
Die wirtschaftliche Lage wird unterschiedlich bewertet: 35 Prozent der Start-ups berichten von einer Verbesserung, 30 Prozent von einer Verschlechterung und 35 Prozent sehen keine Veränderung. Viele befürchten jedoch eine Verschlechterung in der Zukunft.
Welche Forderungen stellen Start-ups an die Politik?
Start-ups fordern von der Politik einen leichteren Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten, Daten für innovative Services und Technologien einzusetzen. Zudem wird eine umfassende Digitalisierungsstrategie gefordert.
Welche Auswirkungen hat die Situation auf Verbraucher und Arbeitnehmer?
Die schwierige Situation für Start-ups kann zu weniger innovativen Produkten und Dienstleistungen für Verbraucher führen. Arbeitnehmer könnten mit weniger Jobangeboten und unsicheren Arbeitsplätzen konfrontiert werden, da Start-ups wichtige Arbeitgeber sind.
Insgesamt zeigt die Studie, dass der Standort Deutschland für Start-ups an Attraktivität verloren hat. Um das Ruder herumzureißen, sind konzertierte Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erforderlich. Nur wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen zu verbessern und ein innovationsfreundlicheres Klima zu schaffen, kann Deutschland seine Position als führender Wirtschaftsstandort behaupten und die Innovationskraft von Startup Deutschland voll entfalten.






