Reisen ist kompliziert geworden. Aber die japanische Hauptstadt Tokio ist immer noch ein Traumziel. Was lockt gerade so viele in die Stadt? Und: Viktor Orbán fürchtet um seine Macht.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
wie schön wäre jetzt eine Auszeit. Bei all den Krisen, die unsere Welt derzeit plagen, ist der Gedanke an den Sommerurlaub für viele ein Moment der Träumerei. Leider ist die Reisewelt inzwischen viel kleiner geworden. Wer will noch nach Dubai, Ägypten oder in die USA reisen?
Bei denen, die es in die Ferne zieht, erobert sich gerade Japan den Spitzenplatz als Sehnsuchtsort. Tokio ist laut einer Umfrage bei europäischen Reisenden das beliebteste Sommerziel. Ich bin gerade auch in der japanischen Hauptstadt. Bevor ich aufgebrochen bin, habe ich von Freunden gehört: „Oh, wie großartig, da wollen wir auch bald hin.“ Beim ersten Mal dachte ich noch: Zufall. Dann fiel der Satz immer wieder.
Tokio ist für mich wie ein Kaleidoskop. Bunt und immer wieder anders. Kirschblüte, Sumo und Kaiserpalast. Designerladen und Secondhandshop. Glas-Hochhaus und Shinto-Schrein. Die Gegensätze sind groß, das macht es aber so faszinierend. Es ist laut, manchmal überwältigend. Aber es gibt auch diese stillen Orte, etwa in den Parks unter den blühenden Bäumen.
Laufe ich hier durch die Straßen, ist jede Straßenecke neu. Die Stadt vibriert regelrecht. Es reiht sich Laden an Laden, es hört gar nicht auf. Vieles ist modern, manches ein bisschen rumpelig. Aber ich habe schnell gelernt, dass es sich immer lohnt, bei der Suche nach einem guten Sushi auch mal sehr klapprig schmale Stiegen in den dunklen Keller hinabzusteigen.
Manga, Anime und Sushi: Tokio ist ein Kaleidoskop
Und dann sind da noch Manga und Anime. Diese japanischen Comics und Zeichentrickfilme, die so viele in ihren Bann schlagen – und nach Japan ziehen. Fast 12 Prozent der Reisenden, die ins Land kommen, wollen sich Schauplätze der Serien anschauen. Viele davon auch in selbst gebastelten Kostümen, die denen der Comichelden ähneln.
Vor ein paar Tagen habe ich Katrin mit ihren Eltern in der U-Bahn kennengelernt. Die 16-Jährige erzählte mir, dass sie die beiden überredet habe, die Reise aus Bremen hierher zu machen. „Ich liebe Mangas“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Sie sind auf dem Weg zu einem der riesigen Buchläden, in denen ganze Etagen nur mit Comics gefüllt sind. „Ich werde so viel kaufen, dass wir einen neuen Koffer brauchen“, so das junge Mädchen. Ihr Vater sagt lachend: „Es ist wie eine Pilgerreise.“ Manga ist auch die kleine Flucht aus den Irrungen und Wirrungen des Alltages. Diese Momente der Leichtigkeit und des Vergessens. Wo die Guten noch über die Monster und die Bösen siegen.
Flüge nach Japan sind teuer – und schwer zu bekommen. Aber: Das Leben in Tokio ist für uns Europäer derzeit billig, da der Yen niedrig ist. Mein großer Teller Sushi mit Misosuppe hat gestern gerade mal sieben Euro gekostet. Und die Stadt mit ihren unglaublichen 38 Millionen Einwohnern ist sicher, wie kaum eine andere weltweit. Es ist ein extrem rücksichtsvoller und angenehmer Umgang miteinander. Ich fahre oft U-Bahn, wurde aber noch nicht einmal angerempelt. Die Japanerinnen und Japaner sind sehr zurückhaltend. Seit ich ein paar Worte Japanisch gelernt habe – die ich vermutlich alle falsch ausspreche – blicke ich oft in sehr freundlich lächelnde Gesichter.
Für die Bevölkerung im Iran hört das Leiden nicht auf
Erst rechtfertigten deutsche Politiker Trumps und Israels Iran-Feldzug. Dann hieß es: „Nicht unser Krieg.“ Die Menschen im Iran fühlen sich verraten, auch von Deutschland. Selten habe eine Bundesregierung so fahrlässig kommuniziert wie beim Irankrieg, findet mein Kollege Steffen Gassel. Er stellt die wichtige Frage: Wie geht es weiter in dem Land für die Bevölkerung – wo sich das Regime auch nach 38 Tagen Krieg nicht geschlagen gibt?
5-Minuten-Talk: Szenen einer zerrütteten Ehe. Viktor Orbán und die EU
Die Macht Viktor Orbáns in Ungarn wackelt. Umfragen sehen ihn bei den Parlamentswahlen am Sonntag teilweise deutlich hinter der Opposition. Orbán selbst versuchte auf den letzten Metern nochmal, seine Anhänger zu mobilisieren. Aber reicht das für einen Sieg? Eine Niederlage des Mannes, der Ungarn seit 16 Jahren regiert, wäre eine Zäsur für Europa. Der frühere Chef des Europäischen Parlaments Martin Schulz hat den Ungarn häufig getroffen. Im Talk mit stern-Politikchef Veit Medick erinnert sich der Sozialdemokrat an die Begegnungen – und erklärt, was für Europa am Sonntag auf dem Spiel steht.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Herzliche Grüße
Alexandra Kraft

