Die Affäre um Vetternwirtschaft in der AfD Sachsen-Anhalt weitet sich aus. Neue Recherchen legen nahe, dass auch Verwandte des AfD-Landesvorsitzenden Martin Reichardt von Anstellungen in Abgeordnetenbüros profitiert haben sollen. Dies folgt auf bereits bekannt gewordene Fälle, die parteiintern und -extern für Kritik gesorgt haben.

Hintergrund: Was bedeutet Vetternwirtschaft?
Vetternwirtschaft bezeichnet die Bevorzugung von Verwandten oder Freunden bei der Vergabe von Posten, Aufträgen oder anderen Vorteilen, oft im politischen oder wirtschaftlichen Kontext. Solche Praktiken können das Vertrauen in die Integrität von Institutionen untergraben und den Eindruck von Ungleichbehandlung verstärken. Auch wenn die Anstellung von Familienmitgliedern nicht grundsätzlich illegal ist, wird sie oft als unethisch betrachtet, insbesondere wenn Qualifikation und Leistung keine ausschlaggebenden Kriterien sind. (Lesen Sie auch: Bahnstrecke Köthen-Aken wird reaktiviert: Hoffnung)
Aktuelle Entwicklung: AfD Sachsen-Anhalt im Fokus
Wie tagesschau.de berichtet, sollen Verwandte des AfD-Chefs in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, im Bundestagsbüro eines Parteikollegen angestellt worden sein (Stand: 10.02.2026, 18:00 Uhr). Konkret geht es um zwei enge Familienmitglieder Reichardts, die im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt beschäftigt waren. Ein Anstellungsvertrag aus dem Jahr 2022 sah eine monatliche Vergütung von 520 Euro vor, ein weiterer Vertrag aus dem Jahr 2023 belief sich auf 800 Euro monatlich. Eine Anfrage an Reichardt wurde vom Sprecher des Landesverbandes Sachsen-Anhalt mit dem Hinweis auf datenschutzrechtliche Gründe nicht beantwortet.
Reaktionen und Stimmen zur Affäre
Die Vorwürfe der Vetternwirtschaft haben parteiintern für Unruhe gesorgt. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla distanzierte sich öffentlich und räumte ein, dass die Anstellungen zwar „nicht rechtswidrig“ seien, aber „ein Geschmäckle“ hätten. Noch deutlicher wurde der Thüringer Landeschef Björn Höcke, der vor einem möglichen Scheitern der Partei durch eigenes Fehlverhalten warnte. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, verteidigt die Praxis hingegen und verweist auf Vertrauen und Sicherheitsbedenken bei der Personalauswahl. Die AfD führt in Sachsen-Anhalt seit Monaten in den Umfragen und könnte erstmals den Ministerpräsidenten in einem deutschen Bundesland stellen. (Lesen Sie auch: Sunderland – Liverpool: gegen: Aktuelle Teamnews)
Die ZEIT berichtet in ihrem Nachrichtenpodcast ebenfalls über den Verdacht auf Vetternwirtschaft bei der AfD. Demnach nehme die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von Vetternwirtschaft bei AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt weiter zu und sorge parteiintern wie extern für Unruhe. Recherchen zeigen, dass Parlamentarier auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene Verwandte von Parteikollegen beschäftigen, was rechtlich zulässig, politisch aber umstritten ist.
Was bedeutet das für die AfD Sachsen-Anhalt?
Die aktuellen Vorwürfe kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die AfD in Sachsen-Anhalt, die sich Hoffnungen macht, bei den nächsten Wahlen stärkste Kraft zu werden und den Ministerpräsidenten zu stellen.Kritiker werfen der Partei vor, ihre eigenen Prinzipien zu verraten, da sie sich sonst gerne als Kämpferin gegen vermeintliche Eliten und Korruption inszeniert. Für die Partei stellt sich nun die Frage, wie sie mit den Vorwürfen umgehen und das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen kann. (Lesen Sie auch: Manchester City – Fulham: gegen: Guardiola erwartet)
Die rechtliche Lage in Deutschland
In Deutschland gibt es keine generellen Gesetze, die die Beschäftigung von Familienangehörigen in politischen Büros oder Behörden verbieten. Allerdings gibt es beamtenrechtliche Bestimmungen und Compliance-Regeln, die Interessenkonflikte verhindern sollen. So sind beispielsweise öffentliche Bedienstete verpflichtet, ihre Vorgesetzten über persönliche Beziehungen zu informieren, die ihre Arbeit beeinflussen könnten. Zudem gibt es im Wettbewerbsrecht Regelungen, die unlautere Wettbewerbsvorteile durch die Bevorzugung von bestimmten Unternehmen oder Personen verhindern sollen. Die genauen Regelungen sind jedoch komplex und von den jeweiligen Umständen abhängig. Eine umfassende Übersicht über Compliance bietet beispielsweise die Homepage des Compliance Manager Magazins.
Überblick: Bekannte Fälle von Vetternwirtschaft in der Politik
Vetternwirtschaft ist kein neues Phänomen und kommt in unterschiedlichen Parteien und politischen Ebenen vor. Um die Transparenz zu gewährleisten, hat der Bundestag beispielsweise Verhaltensregeln für Abgeordnete aufgestellt. Einige Beispiele aus der Vergangenheit: (Lesen Sie auch: GNTM 2026: Prosieben Live mit Heidi Klum…)

| Fall | Partei | Ebene | Details |
|---|---|---|---|
| Anstellung von Familienmitgliedern | CDU/CSU | Bundestag | Mehrere Abgeordnete der CDU/CSU beschäftigten Familienmitglieder in ihren Büros. |
| Vergabe von Aufträgen an Parteispender | SPD | Landesebene | In einigen Bundesländern wurden Aufträge an Unternehmen vergeben, die zuvor an die SPD gespendet hatten. |
| Beförderung von Parteifreunden | Grüne | Kommunalebene | In einigen Kommunen wurden Parteifreunde in hohe Positionen befördert, ohne dass die Qualifikation ausschlaggebend war. |
FAQ zu Vetternwirtschaft
Häufig gestellte Fragen zu vetternwirtschaft
Was genau versteht man unter dem Begriff Vetternwirtschaft?
Vetternwirtschaft bezeichnet die Bevorzugung von Verwandten oder Freunden bei der Vergabe von Ämtern, Aufträgen oder anderen Vorteilen, oft ohne Rücksicht auf deren Qualifikation. Es handelt sich um eine Form der Korruption, die das Vertrauen in Institutionen untergraben kann.
Ist die Beschäftigung von Familienmitgliedern in der Politik grundsätzlich illegal?
Nein, die Beschäftigung von Familienmitgliedern in der Politik ist in Deutschland nicht grundsätzlich illegal. Allerdings gibt es Compliance-Regeln und beamtenrechtliche Bestimmungen, die Interessenkonflikte verhindern sollen. Die rechtliche Bewertung hängt von den jeweiligen Umständen ab.
Welche Auswirkungen kann Vetternwirtschaft auf eine Partei haben?
Vetternwirtschaft kann das Ansehen einer Partei in der Öffentlichkeit erheblich schädigen und zu einem Vertrauensverlust bei den Wählern führen. Zudem kann es parteiintern zu Konflikten und Unruhe führen, wenn sich Mitglieder ungerecht behandelt fühlen.
Wie kann man Vetternwirtschaft in der Politik verhindern?
Transparente Vergabeverfahren, klare Compliance-Regeln und eine offene Diskussionskultur können dazu beitragen, Vetternwirtschaft in der Politik zu verhindern. Zudem ist eine unabhängige Kontrolle durch Medien und Zivilgesellschaft wichtig.
In welchen Bereichen tritt Vetternwirtschaft am häufigsten auf?
Vetternwirtschaft kann in verschiedenen Bereichen auftreten, wie beispielsweise in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Verwaltung. Besonders anfällig sind Bereiche, in denen es wenig Transparenz und eine hohe Konzentration von Macht gibt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Anleger sollten eigene Recherche betreiben.
