📖 Lesezeit: 8 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2026
Was ist der White Tiger Prozess?
Der White Tiger Prozess ist ein Strafverfahren am Landgericht Hamburg gegen den 21-jährigen Shahriar J., dem 204 Straftaten vorgeworfen werden. Er soll als führendes Mitglied des internationalen Sadisten-Netzwerks „764″ über 30 Kinder und Jugendliche manipuliert und zu Selbstverletzungen gezwungen haben – in einem Fall mit tödlichem Ausgang.
Der White Tiger Prozess hat am 9. Januar 2026 vor dem Landgericht Hamburg begonnen und sorgt weltweit für Entsetzen. Der Angeklagte Shahriar J. soll unter dem Pseudonym „White Tiger“ im Internet systematisch psychisch labile Kinder aufgespürt und manipuliert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mord, fünffachen versuchten Mord sowie zahlreiche weitere schwere Straftaten vor.
Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die Gefahren des Cybergrooming und zeigt, wie dringend Eltern über die Risiken informiert sein müssen, denen ihre Kinder im digitalen Raum ausgesetzt sind. Die Sicherheit im Internet beginnt mit Aufklärung – sowohl technisch als auch im Gespräch mit Kindern.
Die wichtigsten Fakten zum White Tiger Prozess im Überblick
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Prozessbeginn | 9. Januar 2026 |
| Gericht | Landgericht Hamburg (Jugendkammer) |
| Angeklagter | Shahriar J. (21), Deutsch-Iraner |
| Vorwürfe | 204 Straftaten, darunter Mord und 5x versuchter Mord |
| Tatzeitraum | Januar 2021 bis September 2023 |
| Opfer | Über 30 Kinder und Jugendliche (11-15 Jahre) |
| Herkunft der Opfer | Deutschland, USA, Kanada, England, Finnland |
| Verhandlungstage | 82 Termine bis Dezember 2026 |
| Mögliche Strafe | Bis zu 10 Jahre (Jugendstrafrecht) |
Wer ist „White Tiger“ und was wird ihm vorgeworfen?
Der Angeklagte Shahriar J. wuchs in Hamburg-Marienthal auf, einem bürgerlichen Stadtteil im Osten der Hansestadt. Er besuchte das Gymnasium und lebte zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Juni 2025 bei seinem Vater. Im Internet agierte er unter dem Pseudonym „White Tiger“ auf Plattformen wie Discord und Telegram.
Laut Anklageschrift nutzte er eine perfide Methode: Er suchte gezielt nach psychisch labilen Kindern und Jugendlichen in Suizidforen, auf Social-Media-Plattformen und in Online-Games. Dort gab er sich zunächst als verständnisvoller Freund aus, hörte zu und machte Komplimente. Mit der Zeit baute er emotionale Abhängigkeiten auf und steigerte den Druck kontinuierlich.
💡 Wichtig: Die Ermittler beschreiben die Vorgehensweise als „mittelbare Täterschaft“ – der Angeklagte soll seine Opfer als Werkzeug gegen sich selbst benutzt haben. Er forderte sie auf, sich vor laufender Kamera zu verletzen, während andere Mitglieder des Netzwerks zuschalteten.
Das 764-Netzwerk: Hintergründe einer gefährlichen Online-Gruppe
„White Tiger“ war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein führendes Mitglied – möglicherweise sogar der Kopf – des internationalen Netzwerks „764″. Diese Gruppe wurde 2021 von dem damals 15-jährigen Bradley Cadenhead aus Texas gegründet. Die Zahl 764 entspricht der Postleitzahl seines Heimatortes.
Das 764-Netzwerk wird vom FBI als Terrororganisation eingestuft und operiert weltweit auf verschlüsselten Plattformen. Es umfasst mehrere tausend Mitglieder in zahlreichen Untergruppen. Allein beim FBI laufen über 300 Verfahren, in Deutschland ermitteln zehn Landeskriminalämter.
Wie funktioniert die Manipulation im 764-Netzwerk?
Die Täter im Netzwerk tauschen sich in internen Chats darüber aus, wie Kinder besonders effektiv manipuliert werden können. Besonders anfällig seien demnach Jugendliche mit Depressionen oder psychischen Problemen. Die Täter bauen zunächst Vertrauen auf, bevor sie ihre Opfer zu immer extremeren Handlungen drängen.
Das Netzwerk funktioniert nach einem perfiden Belohnungssystem: Wer besonders brutale Inhalte produziert oder teilt, steigt in der internen Hierarchie auf. Experten sprechen von einer „Gamification“ des Missbrauchs.
Der tragische Fall des 13-jährigen Opfers aus den USA
Im Zentrum der Mordanklage steht der Fall eines 13-jährigen Jungen aus der Nähe von Seattle. Der transgender Jugendliche geriet im Jahr 2021 in die Fänge von „White Tiger“. Im Januar 2022 nahm er sich vor laufender Kamera das Leben – der Angeklagte soll den Livestream verfolgt und den Jungen bis zuletzt bedrängt haben.
Die Ermittler stellten 12 Terabyte an Daten sicher, darunter 120 Stunden Bild- und Videomaterial. Die Auswertung eines einzelnen 75-Minuten-Chats mit einer Suizidhandlung dauerte laut Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich 17 Tage. Die beteiligten Ermittler mussten während der Arbeit psychologisch betreut werden.

Warum dauerten die Ermittlungen so lange?
Bereits 2021 hatte das amerikanische National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) einen 40-seitigen Bericht über „White Tiger“ an das Bundeskriminalamt übermittelt. Im November 2021 wurde Shahriar J. vom LKA Hamburg vernommen und erhielt eine Gefährderansprache. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.
Erst im Februar 2023, nach einem erneuten Hinweis des FBI zum Todesfall in den USA, wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Im September 2023 durchsuchte die Polizei das Elternhaus. Bis zur Festnahme im Juni 2025 vergingen weitere 21 Monate – Zeit, in der möglicherweise weitere Taten begangen wurden.
Wie können Eltern ihre Kinder vor Cybergrooming schützen?
Der Fall „White Tiger“ zeigt erschreckend deutlich die Gefahren, denen Kinder im Internet ausgesetzt sind. Laut aktuellen Statistiken berichten 24 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen in Deutschland, bereits Cybergrooming erlebt zu haben.
Warnsignale für Cybergrooming erkennen:
• Ihr Kind verheimlicht plötzlich Online-Aktivitäten
• Unbekannte Erwachsene nehmen über Games oder Social Media Kontakt auf
• Ihr Kind zeigt Anzeichen von Stress oder zieht sich zurück
• Neue, geheime Online-Freundschaften entstehen
• Ihr Kind erhält Geschenke oder Geld von Unbekannten
Experten der Initiative klicksafe empfehlen: Verbote allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, dass Kinder wissen, dass sie sich jederzeit vertrauensvoll an ihre Eltern wenden können – auch wenn sie selbst einen Fehler gemacht haben.
Der Prozessauftakt: Angeklagter vor Verhandlung attackiert
Wenige Stunden vor dem Prozessbeginn am 9. Januar 2026 wurde der Angeklagte in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg von Mithäftlingen verprügelt. Sie sollen dabei „White Tiger“ gerufen haben. Trotz Verletzungen erklärte sich Shahriar J. für verhandlungsfähig.
Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch Jugendlicher bzw. Heranwachsender war. Am ersten Verhandlungstag konnte die Verlesung der über 100 Seiten umfassenden Anklageschrift nicht abgeschlossen werden. Die Verteidigerin Christiane Yüksel bezeichnete die Vorwürfe als „haltlos und konstruiert“.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der White Tiger Prozess?
Der White Tiger Prozess ist das Strafverfahren gegen den 21-jährigen Shahriar J. am Landgericht Hamburg. Er begann am 9. Januar 2026 und wird vor einer Jugendkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Dem Angeklagten werden 204 Straftaten zur Last gelegt, darunter Mord und fünffacher versuchter Mord an Kindern und Jugendlichen.
Wer ist White Tiger und warum heißt er so?
„White Tiger“ war das Internet-Pseudonym des Angeklagten Shahriar J. auf Plattformen wie Discord und Telegram. Der 21-jährige Deutsch-Iraner aus Hamburg soll unter diesem Namen Kinder und Jugendliche manipuliert haben. Den Namen wählte er vermutlich, um Autorität und Gefährlichkeit auszustrahlen.
Was ist das 764-Netzwerk?
Das 764-Netzwerk ist eine internationale, sadistisch-pädokriminelle Online-Gruppe, die 2021 von einem 15-jährigen Texaner gegründet wurde. Der Name stammt von seiner Postleitzahl. Das FBI stuft die Gruppe als Terrororganisation ein. Mitglieder manipulieren gezielt psychisch labile Kinder und zwingen sie zu Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen vor der Kamera.
Welche Strafe droht dem Angeklagten im White Tiger Prozess?
Da der Angeklagte die Taten als Jugendlicher und Heranwachsender begangen haben soll, wird er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohen ihm maximal zehn Jahre in einer Jugendstrafanstalt. Die Verteidigung bestreitet jedoch alle Vorwürfe.
Wie lange dauert der White Tiger Prozess?
Das Landgericht Hamburg hat insgesamt 82 Verhandlungstage bis Dezember 2026 angesetzt. Der Prozess wird aufgrund der enormen Datenmenge und der Komplexität der Vorwürfe voraussichtlich fast ein ganzes Jahr dauern. Am ersten Tag konnte nicht einmal die Anklageschrift vollständig verlesen werden.
Wie kann ich mein Kind vor Cybergrooming schützen?
Offene Kommunikation ist der wichtigste Schutz. Kinder müssen wissen, dass sie sich bei Problemen immer an ihre Eltern wenden können – ohne Angst vor Bestrafung. Sprechen Sie regelmäßig über Online-Aktivitäten, kennen Sie die genutzten Plattformen und achten Sie auf Warnsignale wie plötzliche Geheimhaltung oder neue unbekannte Online-Freunde.
Wo finde ich Hilfe bei Cybergrooming?
Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 110. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 erreichbar. Für Jugendliche bietet das Projekt JUUUPORT kostenlose Online-Beratung durch geschulte Scouts. Bei der Initiative klicksafe.de finden Eltern umfassende Informationen und Präventionsmaterialien.
Fazit: Der White Tiger Prozess als Warnsignal
Der White Tiger Prozess in Hamburg ist mehr als ein einzelnes Strafverfahren – er ist ein Weckruf für Gesellschaft, Politik und Eltern. Der Fall zeigt erschreckend deutlich, wie Täter digitale Räume nutzen, um Kinder zu manipulieren und in gefährliche Abhängigkeiten zu treiben.
Mit 82 Verhandlungstagen bis Dezember 2026 wird dieser Prozess die öffentliche Diskussion über Kinderschutz im Internet noch lange prägen. Während das Gericht über Schuld und Strafe entscheidet, bleibt die wichtigste Frage: Wie können wir unsere Kinder besser schützen? Die Antwort beginnt mit Aufklärung, offener Kommunikation und dem Wissen um die Gefahren im digitalen Raum.
Hilfe bei Suizidgedanken: Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, von Suizidgedanken betroffen ist, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenfrei, 24/7). Auch Online-Beratung ist unter online.telefonseelsorge.de möglich.














