Margarethe von Trottas „Die bleierne Zeit“ von 1981 lief im Mai 2026 wieder in deutschen Kinos. Der Film erzählt von zwei Schwestern, die sich in der Bundesrepublik der 1970er Jahre auf völlig verschiedenen Wegen gegen die Verhältnisse stellen. Er gewann 1981 den Goldenen Löwen in Venedig.
Überblick
- Erstaufführung am 24. September 1981, Uraufführung am 4. September 1981 in Venedig
- Goldener Löwe der Filmfestspiele von Venedig 1981, als erste Regisseurin überhaupt
- Deutscher Filmpreis 1982 in Gold für den besten Spielfilm und die beste Darstellerin
- Digital restaurierte Fassung seit 2018, gezeigt unter anderem in der Berlinale-Retrospektive 2019
- Internationaler Titel „Marianne and Juliane“, in Großbritannien „The German Sisters“
Worum es in „Die bleierne Zeit“ geht
Juliane und Marianne wachsen in der Nachkriegszeit als Töchter eines evangelischen Pfarrers auf. In der Jugend ist Juliane diejenige, die sich gegen die Konventionen des bürgerlichen Milieus stellt.
Später kehrt sich das Verhältnis um. Juliane arbeitet als Redakteurin einer feministischen Zeitschrift und setzt auf schrittweise Veränderung. Marianne schließt sich einer Untergrundorganisation an und wählt den bewaffneten Weg.
Als Marianne im Gefängnis stirbt, versucht Juliane die Umstände ihres Todes aufzuklären. Erzählt wird das in Rückblenden und aus bewusst begrenzter, subjektiver Perspektive.
Die Fakten zum Film auf einen Blick
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Titel | Die bleierne Zeit |
| Internationaler Titel | Marianne and Juliane, in Großbritannien The German Sisters |
| Drehbuch und Regie | Margarethe von Trotta |
| Produktion | Eberhard Junkersdorf |
| Kamera | Franz Rath |
| Besetzung | Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler, Doris Schade, Verena Rudolph, Luc Bondy |
| Land und Jahr | Bundesrepublik Deutschland, 1981 |
| Laufzeit | rund 106 Minuten, restaurierte Fassung 107 Minuten |
| FSK | ab 16 Jahren, FBW-Prädikat „besonders wertvoll“ |
| Drehorte | Berlin, Stuttgart-Stammheim, Beirut, Neapel, Tunesien |
| Kinostart | 24. September 1981 |
Was der Titel „Die bleierne Zeit“ bedeutet
Der Titel stammt aus dem Hölderlin-Gedicht „Der Gang aufs Land“. Von Trotta hat ihn nach eigener Aussage nicht auf die 1970er Jahre bezogen, sondern auf die Atmosphäre der Fünfzigerjahre.
Der Film beschreibt den Werdegang der Schwestern von der Kindheit an. Es ist ihre eigene Generation, und sie hat beschrieben, in den Fünfzigern wie unter einem bleiernen Himmel gelebt zu haben.
Der reale Hintergrund von „Die bleierne Zeit“
Die Handlung ist fiktiv, lehnt sich aber an die Biografien zweier realer Schwestern an. Christiane Ensslin war Journalistin und Mitbegründerin der Zeitschrift Emma. Ihre Schwester Gudrun Ensslin schloss sich der Roten Armee Fraktion an und war später an vier Morden beteiligt.
Die bleierne Zeit war der internationale Durchbruch für Margarethe von Trotta. Mit dem Goldenen Löwen war sie die erste Filmemacherin, die den Hauptpreis von Venedig gewann.
Die zeitgenössische Kritik war nicht durchweg positiv. Der Filmdienst hielt fest, dass die andere Seite des Terrorismus, die der Opfer, im Film vollständig ausgespart bleibt, und sprach von Parteilichkeit. Zugleich wurde er als thematisch wichtiger Beitrag eingeordnet. Diese Spannung macht ihn bis heute zu einem Film, über den sich streiten lässt. Er erzählt nicht vom Terrorismus, sondern von einer Beziehung, die daran zerbricht. Genau deshalb läuft er immer wieder in Retrospektiven und im Schulkino, etwa über den Filmtipp von Vision Kino mit Begleitmaterial.
Die bleierne Zeit liegt seit 2018 in einer digital restaurierten Fassung vor, unter anderem als Special Edition von Studiocanal. Er ist über den Verleih Kinowelt und Arthaus verfügbar. Die Berlinale zeigte die restaurierte Fassung 2019 in ihrer Retrospektive, kino.de führte im Mai 2026 einen erneuten Kinoeinsatz. Aktuelle Termine finden Sie in den Programmen der Programmkinos.
Häufige Fragen zu „Die bleierne Zeit“
Worum geht es in „Die bleierne Zeit“?
Beruht der Film auf wahren Begebenheiten?
Welche Preise hat der Film gewonnen?
Woher kommt der Titel?
Gibt es eine restaurierte Fassung?
Fazit und Ausblick
Ein Film, der nach über vier Jahrzehnten immer noch verhandelt wird, gerade weil er sich einer klaren Position entzieht. Wer sich für die Geschichte der Bundesrepublik interessiert, findet hier weniger eine Erklärung als eine Zumutung, und das ist die Stärke.
– Redaktion mindelmedia-news.de
Quellen und Transparenz: Filmdaten, Drehorte und Kinostart nach filmportal.de. Angaben zu Auszeichnungen, restaurierter Fassung und FSK nach Vision Kino und der Berlinale. Angaben zum Titel und zum realen Hintergrund nach der deutschsprachigen Wikipedia, die ein Interview mit Margarethe von Trotta im Tagesspiegel zitiert. Kritikeinschätzung nach filmdienst.de. Angabe zum Kinoeinsatz im Mai 2026 nach kino.de. Stand: 11. September 2026. Dieser Beitrag ersetzt eine ältere Fassung vom 21. Mai 2026.



