đ Lesezeit: 8 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2026
Was ist die Erbschaftssteuer? Die Erbschaftssteuer ist eine Steuer auf Vermögen, das nach dem Tod einer Person auf Erben ĂŒbergeht. In Deutschland regelt das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) die Besteuerung. Die Höhe hĂ€ngt vom Verwandtschaftsgrad und dem Erbwert ab â FreibetrĂ€ge zwischen 20.000 und 500.000 Euro können die Steuerlast erheblich senken oder sogar eliminieren.
Erbschaftssteuer betrifft frĂŒher oder spĂ€ter jeden von uns â ob als Erblasser oder Erbe. Am 13. Januar 2026 gelten weiterhin die seit 2009 festgelegten FreibetrĂ€ge, obwohl CDU/CSU und SPD in ihren Wahlprogrammen eine Erhöhung angekĂŒndigt hatten. Wer rechtzeitig plant, kann die Steuerlast legal minimieren und seinen Erben finanzielle Sorgen ersparen.
Dieser umfassende Ratgeber erklĂ€rt dir alles Wichtige zu FreibetrĂ€gen, Steuerklassen und SteuersĂ€tzen. Du erfĂ€hrst, wie du die Erbschaftssteuer berechnest und welche legalen Strategien es gibt, um Steuern zu sparen â besonders bei Immobilien.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Erbschaftssteuer und wann fÀllt sie an?
- Erbschaftssteuer FreibetrÀge 2026: Die aktuelle Tabelle
- Wie hoch sind die Erbschaftssteuer SteuersÀtze?
- Erbschaftssteuer berechnen: So funktioniert's
- Wie kann ich Erbschaftssteuer bei Immobilien sparen?
- Welche legalen Strategien gibt es zur Steueroptimierung?
- Was passiert mit der Erbschaftssteuer in der Politik?
- HĂ€ufig gestellte Fragen zur Erbschaftssteuer
- Fazit: Erbschaftssteuer rechtzeitig planen spart bares Geld
Was ist Erbschaftssteuer und wann fÀllt sie an?
Die Erbschaftssteuer wird auf Vermögen erhoben, das eine Person durch den Tod eines anderen erhĂ€lt. Das können Bargeld, Wertpapiere, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder auch Hausrat sein. Die Steuer fĂ€llt an, sobald der Erbwert den persönlichen Freibetrag ĂŒbersteigt.
GrundsĂ€tzlich gilt: Jeder, der in Deutschland erbt, muss das Erbe innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis beim Finanzamt melden. Bei einem notariellen Testament oder Erbvertrag ĂŒbernimmt oft der Notar oder das Nachlassgericht diese Aufgabe. Interessanterweise macht die Erbschaftssteuer weniger als 1 Prozent des gesamten deutschen Steueraufkommens aus â dank der groĂzĂŒgigen FreibetrĂ€ge zahlen die meisten Erben tatsĂ€chlich keine Steuer.

Erbschaftssteuer FreibetrÀge 2026: Die aktuelle Tabelle
Je nach Verwandtschaftsgrad zum Erblasser gelten unterschiedlich hohe FreibetrĂ€ge. Diese wurden zuletzt 2009 angepasst â trotz gestiegener Immobilienpreise blieben sie seitdem unverĂ€ndert.
| Verwandtschaftsgrad | Steuerklasse | Freibetrag |
|---|---|---|
| Ehepartner / eingetragene Lebenspartner | I | 500.000 ⏠|
| Kinder, Stiefkinder | I | 400.000 ⏠|
| Enkel (wenn Eltern verstorben) | I | 400.000 ⏠|
| Enkel (Eltern leben noch) | I | 200.000 ⏠|
| Eltern, GroĂeltern (bei Erbschaft) | I | 100.000 ⏠|
| Geschwister, Nichten, Neffen | II | 20.000 ⏠|
| Stiefeltern, Schwiegerkinder | II | 20.000 ⏠|
| Unverheiratete Partner, Freunde, alle anderen | III | 20.000 ⏠|
Neu seit 2025: Der Erbfallkosten-Pauschbetrag wurde von 10.300 Euro auf 15.000 Euro erhöht. Damit können Erben jetzt höhere Bestattungskosten pauschal geltend machen, ohne Einzelnachweise vorlegen zu mĂŒssen.
Wie hoch sind die Erbschaftssteuer SteuersÀtze?
Die SteuersÀtze richten sich nach der Steuerklasse und dem Wert des steuerpflichtigen Erwerbs. Je enger das VerwandtschaftsverhÀltnis, desto niedriger der Steuersatz.
| Steuerpflichtiger Erwerb | Steuerklasse I | Steuerklasse II | Steuerklasse III |
|---|---|---|---|
| Bis 75.000 ⏠| 7 % | 15 % | 30 % |
| 75.001 â 300.000 ⏠| 11 % | 20 % | 30 % |
| 300.001 â 600.000 ⏠| 15 % | 25 % | 30 % |
| 600.001 â 6.000.000 ⏠| 19 % | 30 % | 30 % |
| 6.000.001 â 13.000.000 ⏠| 23 % | 35 % | 50 % |
| 13.000.001 â 26.000.000 ⏠| 27 % | 40 % | 50 % |
| Ăber 26.000.000 ⏠| 30 % | 43 % | 50 % |
Erbschaftssteuer berechnen: So funktioniert’s
Die Berechnung der Erbschaftssteuer folgt einer einfachen Formel:
(Erbwert â Freibetrag) Ă Steuersatz = Erbschaftssteuer
Rechenbeispiel: Ein Kind erbt vom Vater eine Immobilie und Wertpapiere im Gesamtwert von 550.000 Euro.
Der Freibetrag fĂŒr Kinder betrĂ€gt 400.000 Euro. Die verbleibenden 150.000 Euro werden mit 11 Prozent besteuert (Steuerklasse I, Erwerb bis 300.000 Euro). Die Steuerlast betrĂ€gt somit 16.500 Euro.
Anders sieht es bei entfernteren Verwandten aus: Eine Nichte mit einem Freibetrag von nur 20.000 Euro mĂŒsste bei gleichem Erbwert 106.000 Euro Erbschaftssteuer zahlen â ein erheblicher Unterschied, wie auch bei anderen Verbrauchervergleichen deutlich wird, wo kleine Unterschiede groĂe Auswirkungen haben können.
Wie kann ich Erbschaftssteuer bei Immobilien sparen?
Immobilien sind oft der wertvollste Teil eines Nachlasses â und können die FreibetrĂ€ge schnell ĂŒberschreiten. Das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) kennt jedoch einige Sonderregelungen, mit denen du die Steuerlast reduzieren kannst.
Selbstgenutzte Immobilie steuerfrei vererben: Ehepartner und Kinder können das Familienheim komplett steuerfrei erben, wenn sie folgende Bedingungen erfĂŒllen: Die Immobilie muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Erbfall bezogen werden. Der Erbe muss mindestens zehn Jahre lang selbst darin wohnen. Bei Kindern gilt zusĂ€tzlich eine Obergrenze von 200 Quadratmetern WohnflĂ€che â alles darĂŒber wird anteilig besteuert.
Vermietete Immobilien: Bei vermieteten WohngebĂ€uden werden nur 90 Prozent des Verkehrswertes fĂŒr die Berechnung herangezogen. Ein Mehrfamilienhaus im Wert von 500.000 Euro wird also nur mit 450.000 Euro angesetzt.
Welche legalen Strategien gibt es zur Steueroptimierung?
Mit der richtigen Planung lÀsst sich die Erbschaftssteuer erheblich reduzieren oder sogar ganz vermeiden. Die wichtigsten Strategien sind laut Bundesministerium der Finanzen und Steuerexperten folgende:
đĄ Schenkungen zu Lebzeiten nutzen: Die FreibetrĂ€ge gelten nicht nur fĂŒr Erbschaften, sondern auch fĂŒr Schenkungen â und können alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden. Wer frĂŒhzeitig plant, kann so erhebliche Vermögen steuerfrei ĂŒbertragen.
Beispiel: Ein Vater schenkt seiner Tochter ein Haus im Wert von 800.000 Euro in zwei Schritten. ZunĂ€chst ĂŒbertrĂ€gt er einen Anteil von 400.000 Euro steuerfrei. Nach zehn Jahren folgt der zweite Teil â ebenfalls steuerfrei. Bei einer Vererbung hĂ€tte die Tochter hingegen auf die ĂŒber dem Freibetrag liegenden 400.000 Euro 15 Prozent Steuern zahlen mĂŒssen: 60.000 Euro.
NieĂbrauch einsetzen: Bei einer Schenkung mit NieĂbrauchvorbehalt ĂŒbertrĂ€gt der Schenker die Immobilie, behĂ€lt aber das Recht zur Nutzung oder Vermietung. Der Wert des NieĂbrauchs mindert den steuerpflichtigen Wert der Schenkung erheblich.
Nachlassaufteilung optimieren: Durch geschickte Verteilung auf mehrere Erben lassen sich die individuellen FreibetrĂ€ge optimal nutzen. Eine Familie mit zwei Elternteilen und zwei Kindern kann so bis zu 3,2 Millionen Euro steuerfrei ĂŒbertragen.

Was passiert mit der Erbschaftssteuer in der Politik?
Die Debatte um die Erbschaftssteuer bleibt politisch kontrovers. Laut Deutschem Bundestag wurde im Dezember 2025 ein Antrag der Linken zur stĂ€rkeren Besteuerung hoher Erbschaften mit groĂer Mehrheit abgelehnt. CDU/CSU und SPD hatten in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2025 beide eine Erhöhung der FreibetrĂ€ge in Aussicht gestellt â im Koalitionsvertrag ist davon jedoch nichts zu finden.
Experten gehen dennoch davon aus, dass eine Anpassung der FreibetrĂ€ge mittelfristig kommen wird. Die Immobilienpreise haben sich zwischen 2009 und 2022 nahezu verdoppelt, wĂ€hrend die FreibetrĂ€ge seit 2009 unverĂ€ndert blieben. Das fĂŒhrt dazu, dass immer mehr Erben â besonders bei Immobilienerbschaften â die FreibetrĂ€ge ĂŒberschreiten.

HĂ€ufig gestellte Fragen zur Erbschaftssteuer
Fazit: Erbschaftssteuer rechtzeitig planen spart bares Geld
Die Erbschaftssteuer muss kein finanzielles Fiasko werden. Mit den richtigen Strategien â von der Nutzung der FreibetrĂ€ge ĂŒber Schenkungen zu Lebzeiten bis hin zu Sonderregelungen fĂŒr selbstgenutzte Immobilien â lĂ€sst sich die Steuerlast legal minimieren oder sogar vollstĂ€ndig vermeiden. Der wichtigste Rat: Plane frĂŒhzeitig. Wer sich erst im Erbfall mit dem Thema beschĂ€ftigt, hat deutlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten als jemand, der schon Jahre vorher die Weichen stellt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Bei komplexen Erbschaftsfragen empfiehlt sich die Konsultation eines Fachanwalts fĂŒr Erbrecht oder Steuerberaters.
Ăber den Autor
Redaktion Mindelmedia News | Wirtschaft & Finanzen
Unser Redaktionsteam recherchiert tĂ€glich aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Verbraucherrecht. Wir legen Wert auf fundierte Informationen und praxisnahe Tipps fĂŒr unsere Leser.













