Ist eine Kündigung bei Krankheit rechtens? Grundsätzlich ist es möglich, dass ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter während einer Krankheit kündigt, jedoch sind die Hürden dafür sehr hoch. Das deutsche Arbeitsrecht schützt Arbeitnehmer vor willkürlichen Kündigungen, insbesondere wenn die Krankheit der einzige oder Hauptgrund für die Kündigung ist.

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- Unter welchen Umständen ist eine Kündigung bei Krankheit zulässig?
- Welche Voraussetzungen müssen für eine krankheitsbedingte Kündigung erfüllt sein?
- Wie läuft eine krankheitsbedingte Kündigung ab?
- Welche Rolle spielt eine vorherige Abmahnung?
- Welche Rechte haben Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung bei Krankheit?
- Wie geht es weiter?
- Häufig gestellte Fragen
Zusammenfassung
- Eine Kündigung wegen Krankheit ist unter bestimmten Umständen möglich.
- Hohe Anforderungen an die Beweisführung des Arbeitgebers.
- Gesundheitliche Beeinträchtigungen müssen erhebliche Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis haben.
- Vorherige Abmahnung kann relevant sein.
Unter welchen Umständen ist eine Kündigung bei Krankheit zulässig?
Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur dann zulässig, wenn die Krankheit des Arbeitnehmers zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Arbeitsverhältnisses führt. Dies bedeutet, dass der Arbeitnehmer entweder dauerhaft nicht in der Lage ist, seine Arbeitsleistung zu erbringen, oder dass häufige oder lange Fehlzeiten die betrieblichen Interessen des Arbeitgebers erheblich beeinträchtigen.
Welche Voraussetzungen müssen für eine krankheitsbedingte Kündigung erfüllt sein?
Laut Stern müssen für eine rechtmäßige krankheitsbedingte Kündigung drei Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss eine negative Gesundheitsprognose vorliegen, die betrieblichen Interessen müssen erheblich beeinträchtigt sein und es darf keine zumutbare Weiterbeschäftigungsmöglichkeit geben. (Lesen Sie auch: Arbeitsrecht: Darf mein Chef mir wegen Krankheit…)
Wie läuft eine krankheitsbedingte Kündigung ab?
Der Arbeitgeber muss zunächst eine sogenannte negative Gesundheitsprognose erstellen. Das bedeutet, er muss darlegen, dass der Arbeitnehmer auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin krankheitsbedingt ausfallen wird. Des Weiteren muss der Arbeitgeber nachweisen, dass die Fehlzeiten des Arbeitnehmers zu einer erheblichen Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen führen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn aufgrund der Fehlzeiten des Arbeitnehmers Arbeitsabläufe gestört sind oder hohe Kosten entstehen.
Eine krankheitsbedingte Kündigung ist oft komplex. Es empfiehlt sich, im Falle einer Kündigung rechtlichen Rat einzuholen, um die Erfolgsaussichten einer Kündigungsschutzklage zu prüfen.
Welche Rolle spielt eine vorherige Abmahnung?
Eine vorherige Abmahnung ist bei einer krankheitsbedingten Kündigung nicht zwingend erforderlich. Sie kann aber hilfreich sein, um dem Arbeitnehmer die Auswirkungen seiner Fehlzeiten aufzuzeigen und ihm Gelegenheit zu geben, sein Verhalten zu ändern. Fehltage aufgrund eines Arbeitsunfalls können beispielsweise nicht abgemahnt werden. Eine Abmahnung kann jedoch in Bezug auf die Interessenabwägung im Rahmen der Kündigung eine Rolle spielen. (Lesen Sie auch: Kündigung Bei Krankheit: Darf Mein Chef Mich…)
Welche Rechte haben Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung bei Krankheit?
Arbeitnehmer haben im Falle einer Kündigung bei Krankheit das Recht, gegen die Kündigung vor dem Arbeitsgericht zu klagen. Im Rahmen einer Kündigungsschutzklage prüft das Gericht, ob die Kündigung rechtmäßig war. Stellt das Gericht fest, dass die Kündigung unwirksam war, muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer weiterbeschäftigen und ihm den entgangenen Lohn zahlen. Informationen zum Thema Kündigungsschutz bietet das Kündigungsschutzgesetz.
Dokumentieren Sie alle Krankmeldungen und Arztbesuche sorgfältig. Dies kann im Falle einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber hilfreich sein.
Wie geht es weiter?
Die Zahl der Krankschreibungen ist hoch, was Arbeitgeber vor Herausforderungen stellt. Es ist wichtig, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer offen miteinander kommunizieren und gemeinsam nach Lösungen suchen, um Fehlzeiten zu reduzieren und das Arbeitsverhältnis aufrechtzuerhalten. Eine frühzeitige Mediation kann helfen, Konflikte zu vermeiden und eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Bundesagentur für Arbeit bietet Informationen und Beratung zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement. (Lesen Sie auch: Krankheitsbedingte Kündigung: Darf Chef Wegen Krankheit Kündigen?)
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen Kündigung bei Krankheit?
Eine ordentliche Kündigung erfolgt unter Einhaltung der Kündigungsfrist, während eine außerordentliche Kündigung fristlos und nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes möglich ist. Bei Krankheit ist eine außerordentliche Kündigung nur in Ausnahmefällen zulässig, beispielsweise wenn der Arbeitnehmer seine Krankheit vortäuscht. (Lesen Sie auch: Kündigung Bei Krankheit: Wann darf der Chef…)
Kann ich während einer Krankschreibung gekündigt werden?
Ja, eine Kündigung während einer Krankschreibung ist grundsätzlich möglich. Die Krankschreibung schützt nicht automatisch vor einer Kündigung. Allerdings muss der Arbeitgeber die oben genannten Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung erfüllen.
Welche Rolle spielt die Schwerbehinderung bei einer Kündigung aufgrund von Krankheit?
Schwerbehinderte Arbeitnehmer genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Vor einer Kündigung muss der Arbeitgeber die Zustimmung des Integrationsamtes einholen. Zudem muss der Arbeitgeber bei der Kündigung eines schwerbehinderten Menschen besondere Rücksicht auf dessen Behinderung nehmen.
Was kann ich tun, wenn ich eine ungerechtfertigte Kündigung bei Krankheit erhalte?
In diesem Fall sollten Sie umgehend einen Anwalt für Arbeitsrecht konsultieren und Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht einreichen. Die Klage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung erhoben werden, um die Rechtmäßigkeit der Kündigung überprüfen zu lassen.







