Kritik an Online-Hauptversammlungen wächst: Anlegerschützer fordern Rückkehr zur Präsenz
Die Kritik an Online-Hauptversammlungen nimmt zu, da Anlegerschützer eine Beschneidung der Aktionärsrechte sehen. Sie fordern von den Dax-Konzernen, wieder verstärkt auf Präsenzveranstaltungen oder Hybridmodelle zu setzen, bei denen Aktionäre sowohl physisch als auch virtuell teilnehmen können. Online Hauptversammlung Kritik steht dabei im Mittelpunkt.

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- Kritik an Online-Hauptversammlungen wächst: Anlegerschützer fordern Rückkehr zur Präsenz
- Warum halten Dax-Konzerne weiterhin an Online-Hauptversammlungen fest?
- Deutschland als Sonderweg in Europa: Was bedeutet das?
- Sinkendes Interesse: Warum Aktionäre Online-Hauptversammlungen meiden
- Was bedeutet das für Aktionäre?
- Expertenmeinung: „Online-Hauptversammlungen sind kein adäquater Ersatz“
- Historischer Vergleich: Die Entwicklung der Hauptversammlungsformate
- Was bedeutet das für Verbraucher/Arbeitnehmer/die Branche?
Kernpunkte
- DSW und Ethos-Stiftung fordern mehr Präsenz-Hauptversammlungen von Dax-Konzernen.
- Online-Formate werden in anderen europäischen Ländern kaum genutzt.
- Investorengruppe mit 468 Milliarden Euro Vermögen unterstützt die Forderung.
- Sinkende Teilnahmequote bei virtuellen Hauptversammlungen seit 2023.
| Unternehmen | Details |
|---|---|
| DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) | Anlegerschutzverein, setzt sich für Aktionärsrechte ein |
| Ethos-Stiftung | Schweizer Stiftung, fordert nachhaltige Unternehmensführung |
Warum halten Dax-Konzerne weiterhin an Online-Hauptversammlungen fest?
Wie Stern berichtet, wurden Online-Hauptversammlungen während der Corona-Pandemie eingeführt, um Ansteckungen zu vermeiden. Laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nutzten im Jahr 2025 rund zwei Drittel der Dax-Unternehmen diese virtuellen Formate. Diese sparen den Konzernen Kosten und reduzieren den potenziellen Ärger mit kritischen Kleinaktionären. Einsparungen bei Raummiete, Reisekosten und Sicherheitsmaßnahmen sind wesentliche Faktoren.
Die Möglichkeit zur virtuellen Hauptversammlung wurde geschaffen, um die Durchführung von Aktionärstreffen während der Pandemie zu gewährleisten, ohne die Gesundheit der Teilnehmer zu gefährden.
Welche Vorteile sehen Unternehmen in Online-Hauptversammlungen?
Neben den Kosteneinsparungen argumentieren Befürworter von Online-Hauptversammlungen, dass diese eine höhere Reichweite und Zugänglichkeit für Aktionäre bieten. Aktionäre können von überall auf der Welt teilnehmen, ohne Reisekosten oder Zeitaufwand. Dies könnte theoretisch die Beteiligung erhöhen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Interaktionsmöglichkeiten und die Möglichkeit, kritische Fragen direkt an das Management zu richten, eingeschränkt sind. (Lesen Sie auch: Kritik an Dax-Konzernen: Anlegerschützer fordern mehr Präsenz-Hauptversammlungen)
Deutschland als Sonderweg in Europa: Was bedeutet das?
Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung, betont, dass Deutschland einen Sonderweg beschreitet: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten.“ Ein hybrides Format würde Aktionären die Wahl zwischen physischer und virtueller Teilnahme ermöglichen und den direkten Austausch mit dem Management fördern.
Die DSW und die Schweizer Ethos-Stiftung fordern daher vor der anstehenden Hauptversammlungssaison im Frühjahr von betroffenen Konzernen mehr Präsenz- oder Hybridhauptversammlungen. Die Investorengruppe wird vom Netzwerk Shareholders for Change und dem europäischen Verband Better Finance unterstützt. Die Unterzeichner der Kampagne verwalten ein Vermögen von 468 Milliarden Euro.
Sinkendes Interesse: Warum Aktionäre Online-Hauptversammlungen meiden
Die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen ist seit 2023 kontinuierlich gesunken, moniert die DSW. „Das widerspricht der häufig geäußerten These, digitale Formate seien für Aktionäre attraktiver“, sagte Geschäftsführerin Christiane Hölz. „Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass viele Anteilseigner mit dem virtuellen Format fremdeln.“
Die geringere Teilnahme könnte auch daran liegen, dass Aktionäre in Online-Formaten weniger Möglichkeiten sehen, ihre Rechte effektiv wahrzunehmen. Die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und direkt mit dem Management zu interagieren, ist oft eingeschränkt. Dies führt zu einer Entfremdung und einem Gefühl der Machtlosigkeit. (Lesen Sie auch: Hauptversammlung: Thyssenkrupp-Chef wirbt vor Aktionären für Konzernumbau)
Was bedeutet das für Aktionäre?
Für Aktionäre bedeutet die Beibehaltung von Online-Hauptversammlungen eine potenzielle Einschränkung ihrer Rechte. Der direkte Austausch mit dem Management wird erschwert, und die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen, ist oft begrenzt. Dies kann insbesondere für Kleinaktionäre problematisch sein, die weniger Einfluss auf die Unternehmensführung haben.
Ein hybrides Format, das von Anlegerschützern gefordert wird, würde Aktionären die Wahl lassen, ob sie persönlich teilnehmen oder die Versammlung online verfolgen möchten. Dies würde die Flexibilität erhöhen und gleichzeitig die Möglichkeit zum direkten Austausch mit dem Management erhalten.
Wie können sich Aktionäre für ihre Rechte einsetzen?
Aktionäre können sich für ihre Rechte einsetzen, indem sie sich an Anlegerschutzorganisationen wie die DSW wenden und ihre Bedenken gegenüber den Unternehmen äußern. Sie können auch ihre Stimmrechte nutzen, um auf Hauptversammlungen Einfluss zu nehmen und für eine Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen zu stimmen.
Expertenmeinung: „Online-Hauptversammlungen sind kein adäquater Ersatz“
Laut Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW, sind Online-Hauptversammlungen kein adäquater Ersatz für Präsenzveranstaltungen. Die DSW sieht in der Beibehaltung von Online-Formaten eine klare Benachteiligung der Aktionäre und fordert eine rasche Rückkehr zu Präsenz- oder Hybridmodellen. Tüngler betont, dass der persönliche Kontakt und die Möglichkeit, kritische Fragen direkt zu stellen, für eine effektive Wahrnehmung der Aktionärsrechte unerlässlich sind. (Lesen Sie auch: DAX Dividenden steigen: Konzerne Trotzen der Krise)

Rund 66% der DAX-Unternehmen führten 2025 ihre Hauptversammlungen online durch. Die Teilnahmequote sank seit 2023 kontinuierlich.
Historischer Vergleich: Die Entwicklung der Hauptversammlungsformate
Vor der Corona-Pandemie waren Präsenz-Hauptversammlungen die Regel. Aktionäre hatten die Möglichkeit, persönlich an den Veranstaltungen teilzunehmen, Fragen zu stellen und ihre Stimmrechte auszuüben. Mit dem Aufkommen der Pandemie wurden Online-Formate eingeführt, um die Durchführung von Hauptversammlungen unter Einhaltung der Abstandsregeln zu ermöglichen. Nach dem Abklingen der Pandemie kehrten viele Unternehmen zu Präsenzveranstaltungen zurück, während andere weiterhin auf Online-Formate setzten.
Was bedeutet das für Verbraucher/Arbeitnehmer/die Branche?
Für Verbraucher und Arbeitnehmer hat die Form der Hauptversammlung indirekte Auswirkungen. Eine transparente und aktionärsfreundliche Unternehmensführung kann sich positiv auf die Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung der Unternehmen auswirken. Dies kann sich wiederum in besseren Produkten, fairen Arbeitsbedingungen und einer stärkeren Berücksichtigung von Umweltaspekten niederschlagen.
Ursprünglich berichtet von: Stern (Lesen Sie auch: Spritpreise Aktuell: Super E10 kostet Jetzt über…)

















