Die Mehrheit der DAX-Konzerne hält weiterhin an Online-Aktionärstreffen fest, was Kritik von Anlegerschützern hervorruft. Diese fordern eine Rückkehr zu Präsenz- oder Hybridveranstaltungen, um Aktionärsrechte zu stärken und den direkten Austausch mit dem Management zu fördern. Die zunehmende Distanzierung zwischen Unternehmen und Aktionären wird als besorgniserregend eingestuft.

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Die wichtigsten Fakten
- DSW und Ethos-Stiftung fordern mehr Präsenz-Hauptversammlungen von DAX-Konzernen.
- Investorengruppe mit 468 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen unterstützt die Forderung.
- Deutschland nimmt Sonderweg mit rein virtuellen Hauptversammlungen ein.
- Präsenz in virtuellen Hauptversammlungen seit 2023 kontinuierlich gesunken.
| Unternehmen: | DAX-Konzerne |
|---|---|
| Branche: | Diverse |
| Format der Hauptversammlung: | Online vs. Präsenz/Hybrid |
| Kritikpunkt: | Beschneidung von Aktionärsrechten |
Online Hauptversammlung: Anlegerschützer fordern Umdenken
Die Corona-Pandemie führte zur Einführung von virtuellen Hauptversammlungen, um Ansteckungen zu vermeiden. Doch während viele mittlere und kleinere Unternehmen wieder zu Präsenzveranstaltungen zurückgekehrt sind, halten sich die DAX-Konzerne mehrheitlich an Online-Formate. Laut Stern nutzen rund zwei Drittel der DAX-Unternehmen virtuelle Hauptversammlungen.
Warum kritisieren Anlegerschützer die Online Hauptversammlung?
Anlegerschützer sehen in den reinen Online-Formaten eine Beschneidung der Aktionärsrechte. Sie argumentieren, dass der direkte Austausch mit dem Management erschwert wird und die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen und zu diskutieren, eingeschränkt ist. Dies führe zu einer geringeren Beteiligung der Aktionäre und einer Schwächung der Kontrollfunktion. (Lesen Sie auch: Kritik an Dax-Konzernen: Anlegerschützer fordern mehr Präsenz-Hauptversammlungen)
Deutschland als Sonderweg bei virtuellen Hauptversammlungen
Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland eine Sonderrolle ein. Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung, betont: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten.“ In anderen Ländern werden hybride Formate bevorzugt, die den Aktionären die Wahl zwischen physischer und virtueller Teilnahme lassen.
Die DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) und die Schweizer Ethos-Stiftung fordern gemeinsam mit dem Netzwerk Shareholders for Change und dem europäischen Verband Better Finance eine Rückkehr zu mehr Präsenz. Diese Investorengruppe verwaltet ein Vermögen von 468 Milliarden Euro.
Sinkende Teilnahme trotz digitaler Formate
Die DSW moniert, dass die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen seit 2023 kontinuierlich gesunken ist. „Das widerspricht der häufig geäußerten These, digitale Formate seien für Aktionäre attraktiver“, so Geschäftsführerin Christiane Hölz. Die DSW setzt sich für die Interessen von Kleinaktionären ein. (Lesen Sie auch: Hauptversammlung: Thyssenkrupp-Chef wirbt vor Aktionären für Konzernumbau)
Welche Vorteile bieten Präsenz- und Hybrid-Hauptversammlungen?
Präsenz- und Hybrid-Hauptversammlungen ermöglichen den Aktionären einen direkten Austausch mit dem Management und anderen Aktionären. Sie bieten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Hybrid-Formate kombinieren die Vorteile beider Welten, indem sie sowohl eine physische Teilnahme als auch eine virtuelle Zuschaltung ermöglichen.
Kosteneinsparungen vs. Aktionärsrechte
Ein Argument für die Beibehaltung von Online-Hauptversammlungen sind die Kosteneinsparungen für die Unternehmen. Zudem entfällt der potenzielle Ärger mit aufmüpfigen Kleinaktionären. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Vorteile nicht auf Kosten der Aktionärsrechte gehen dürfen. Eine transparente und offene Kommunikation sollte im Vordergrund stehen.
Im Jahr 2025 nutzten laut DSW rund zwei Drittel der DAX-Unternehmen virtuelle Hauptversammlungen. Die Präsenz der Aktionäre in diesen Versammlungen ist seit 2023 jedoch kontinuierlich gesunken. (Lesen Sie auch: DAX Dividenden steigen: Konzerne Trotzen der Krise)

Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger bedeutet die Beibehaltung von Online-Hauptversammlungen eine potenzielle Einschränkung ihrer Rechte und Möglichkeiten zur Einflussnahme. Es ist wichtig, dass Aktionäre ihre Stimme nutzen und sich für eine Rückkehr zu Präsenz- oder Hybrid-Formaten einsetzen, um eine transparente und effektive Unternehmensführung zu gewährleisten. Die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme an Hauptversammlungen ist ein wichtiger Bestandteil der Corporate Governance. Laut Better Finance, einem europäischen Verband, stärkt eine gute Corporate Governance das Vertrauen der Anleger in die Unternehmen.






