Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder erreichen am 11. und 12. Februar 2026 ihre entscheidende Phase. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden zwischen den Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) stehen die Fronten weiterhin verhärtet. Während die Gewerkschaften 7 Prozent mehr Gehalt fordern, haben die Arbeitgeber bislang nur vage Eckpunkte vorgelegt.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Worum Geht es bei den Tarifverhandlungen Länder?
- Die Forderungen der Gewerkschaften im Detail
- Verlauf der Tarifverhandlungen Länder 2026
- Warnstreiks Erhöhen den Druck
- Besonderheit: Keine Schlichtung Vorgesehen
- Auswirkungen auf Kommunen und Beamte
- Hintergrund: Personalmangel im Öffentlichen Dienst
- Dritte Verhandlungsrunde: Ausblick
- Häufig Gestellte Fragen zu den Tarifverhandlungen Länder
- Fazit: Entscheidende Woche für Millionen Beschäftigte
Das Wichtigste in Kürze
- Die dritte Verhandlungsrunde findet vom 11. bis 13. Februar 2026 in Potsdam statt
- Rund 3,2 Millionen Menschen sind von den Tarifverhandlungen Länder betroffen, darunter 925.000 Tarifbeschäftigte
- Gewerkschaften fordern 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro bei 12 Monaten Laufzeit
- Die Arbeitgeber schlagen eine Laufzeit von 29 Monaten mit Erhöhungen über der Inflation vor
- Bundesweite Warnstreiks an Schulen, Hochschulen, Unikliniken und Verwaltungen erhöhen den Druck
Worum Geht es bei den Tarifverhandlungen Länder?
Bei den Tarifverhandlungen Länder 2026 wird über einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) verhandelt. Dieser regelt die Gehälter und Arbeitsbedingungen für knapp eine Million Tarifbeschäftigte bei den Bundesländern. Die bisherige Vereinbarung ist Ende 2025 ausgelaufen, weshalb seit Dezember 2025 über neue Konditionen gerungen wird.
Am Verhandlungstisch sitzen auf Gewerkschaftsseite ver.di, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der dbb beamtenbund und tarifunion sowie die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Auf Arbeitgeberseite verhandelt die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), in der alle Bundesländer außer Hessen organisiert sind.
Von den Tarifverhandlungen Länder sind direkt etwa 925.000 Tarifbeschäftigte betroffen. Indirekt profitieren jedoch auch rund 1,3 Millionen Beamte und eine Million Versorgungsempfänger vom Ergebnis, da die Länder das Tarifergebnis in der Regel zeit- und wirkungsgleich auf die Besoldung übertragen.
Die Forderungen der Gewerkschaften im Detail
Die Gewerkschaften haben am 17. November 2025 ihre Forderungen beschlossen. Im Kern geht es um eine deutliche Gehaltserhöhung und bessere Bedingungen für Nachwuchskräfte. Die zentralen Forderungen umfassen:
Gehaltserhöhung
Die Gewerkschaften fordern eine Gehaltserhöhung von 7 Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Diese soziale Komponente soll besonders die unteren Entgeltgruppen stärken, die von den Preissteigerungen der vergangenen Jahre besonders betroffen sind. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll lediglich zwölf Monate betragen.
Verbesserungen für Nachwuchskräfte
Auszubildende, Studierende und Praktikanten sollen 200 Euro mehr Vergütung erhalten. Zudem fordert ver.di die unbefristete Übernahme von Nachwuchskräften nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung. Diese Forderung ist besonders brisant, da im öffentlichen Dienst deutschlandweit bereits 600.000 Stellen unbesetzt sind.
Weitere Forderungen
Studentische Beschäftigte sollen ein tariflich garantiertes Mindeststundenentgelt erhalten. Alle Zeitzuschläge sollen um 20 Prozentpunkte steigen. Diese Forderungen zielen darauf ab, den öffentlichen Dienst der Länder im Wettbewerb um Fachkräfte wieder attraktiver zu machen.
Verlauf der Tarifverhandlungen Länder 2026
Erste Verhandlungsrunde: Dezember 2025
Die erste Verhandlungsrunde am 3. Dezember 2025 in Berlin blieb ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber, vertreten durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, legten kein Angebot vor. Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, kritisierte die Haltung der Arbeitgeber scharf und verwies auf fünf Prozent mehr Einnahmen bei den Ländern in diesem Jahr.
Zweite Verhandlungsrunde: Januar 2026
In der zweiten Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar 2026 in Potsdam legte die TdL erstmals Eckpunkte für einen sogenannten Einigungskorridor vor. Diese sehen moderate Entgelterhöhungen in mehreren Stufen vor, die sich über einen längeren Zeitraum bis 2028 erstrecken könnten. Die Arbeitgeber schlagen eine Laufzeit von 29 Monaten vor, mit sogenannten Nullmonaten zu Beginn.
Die Gewerkschaften kritisierten dies als unzureichend. dbb-Chef Volker Geyer sprach von fehlender Bewegung und einem nicht abschlussfähigen Verhandlungsstand. Die TdL habe vor allem erläutert, was nicht möglich sei, jedoch keine Antworten darauf gegeben, wie die Länder im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen.
Was die Arbeitgeber anbieten
Die TdL hat in der zweiten Runde folgende Eckpunkte präsentiert:
| Bereich | Angebot der TdL | Forderung der Gewerkschaften |
|---|---|---|
| Gehaltserhöhung | Moderate Erhöhung über Inflation in 3 Schritten | 7% oder mind. 300 Euro |
| Laufzeit | 29 Monate (bis März 2028) | 12 Monate |
| Erste Erhöhung | Frühestens Frühjahr 2026 (Nullmonate) | Sofort |
| Azubis/Studierende | 120 Euro in drei Schritten | 200 Euro |
| Mindestbetrag | Klare Ablehnung | 300 Euro |
| Mindeststundenlohn Studierende | 15,06 € (2026), 15,76 € (2027), 16,49 € (2028) | Tariflicher Schutz |
| Zeitzuschläge | Wechselschicht: 105→150€, Schicht: 40→60€ | +20 Prozentpunkte |
Warnstreiks Erhöhen den Druck
Vor der dritten Verhandlungsrunde intensivieren sich die Warnstreiks bundesweit. In der ersten Februarwoche 2026 fand eine intensive Streikwoche vom 2. bis 6. Februar statt. Beschäftigte in zahlreichen Bundesländern legten die Arbeit nieder.
Betroffen sind unter anderem:
- Universitäten und Hochschulen
- Universitätskliniken
- Schulen und Kitas
- Finanzämter und Behörden
- Straßenmeistereien
- Justiz und Polizei
- Öffentlicher Nahverkehr
In Nordrhein-Westfalen fielen laut DGB rund zwei Drittel aller geplanten Operationen an Unikliniken aus. Die Notfallversorgung ist überall durch Notdienstvereinbarungen gesichert, dennoch kommt es zu erheblichen Einschränkungen. Ähnliche Entwicklungen gab es bereits bei den Protesten im öffentlichen Dienst in anderen Bereichen.
Besonderheit: Keine Schlichtung Vorgesehen
Anders als beim TVöD von Bund und Kommunen gibt es auf Länderebene keine Schlichtungsvereinbarung. Scheitern die Verhandlungen nach der dritten Runde im Februar, kann die Gewerkschaft direkt zu einem unbefristeten Streik aufrufen. Dies erhöht den Druck auf beide Seiten, in der dritten Verhandlungsrunde zu einer Einigung zu kommen.
TdL-Verhandlungsführer Andreas Dressel, Hamburgs Finanzsenator, sprach von einem „guten Pfad“ in Richtung Abschluss. Die Länder seien bereit, zentrale Forderungen zu erfüllen, müssten jedoch finanzielle Realitäten berücksichtigen. Die Gewerkschaften ziehen eine andere Bilanz und sehen in den Eckpunkten keinen Durchbruch, sondern einen Minimalkompromiss.
Auswirkungen auf Kommunen und Beamte
Auch wenn die Tarifverhandlungen Länder den öffentlichen Dienst der Länder betreffen, haben sie Auswirkungen auf die Kommunen. Abschlüsse im TV-L gelten als Maßstab für spätere TVöD-Runden und prägen die Erwartungen der Gewerkschaften. Steigende Einkommen der Beschäftigten im Länderbereich erhöhen den Druck auf Kommunen, nachzuziehen, um im Wettbewerb um Fachkräfte nicht zurückzufallen.
Für Beamtinnen und Beamte der Länder gibt es keinen Automatismus, dass ein Tarifabschluss zeit- und inhaltsgleich übertragen wird. Es herrscht jedoch die Praxis, dass die Länder für ihre Beamten sowie Versorgungsempfänger das Tarifergebnis systemgerecht übertragen, indem sie entsprechende Gesetze verabschieden. Der Tarifabschluss wird somit auch Signalwirkung für die rund 1,3 Millionen Landesbeamtinnen und -beamten haben.
Hintergrund: Personalmangel im Öffentlichen Dienst
Die Tarifrunde findet vor dem Hintergrund eines angespannten Arbeitsmarkts statt. Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke betont, dass im öffentlichen Dienst deutschlandweit bereits 600.000 Stellen unbesetzt sind. Um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten, seien spürbare Verbesserungen nötig.
Hoher Personalmangel, wachsende Aufgaben und steigende Belastung prägen viele Landesverwaltungen. Die Gewerkschaften betonen daher den Bedarf spürbarer Reallohnzuwächse. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre, immer höhere Preise für Lebensmittel, fürs Wohnen, fürs Heizen und für Energie haben die Reallöhne längst schrumpfen lassen.
Aus Sicht der Länder sollen die Erhöhungen über dem künftigen Inflationsniveau liegen, aber die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre nicht vollständig ausgleichen. Genau das kritisieren die Gewerkschaften. Sie bemängeln, dass die Eckpunkte zu unkonkret seien und keine echte Verhandlungsgrundlage darstellten.
Dritte Verhandlungsrunde: Ausblick
Vom 11. bis 13. Februar 2026 verhandeln Gewerkschaften und TdL in Potsdam über den TV-L in der dritten Runde. Beide Seiten zeigen sich optimistisch, schließen aber eine vierte Runde nicht aus. Vor den Gesprächen erhöht ver.di mit bundesweiten Warnstreiks den Druck.
Zentral wird der Streit um Höhe und Laufzeit: Gewerkschaften drängen auf eine kurze, lukrative Laufzeit, die Arbeitgeber eher auf längere Befristungen. Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass sie den Druck erhöhen müssen, um die Arbeitgeber zu substanziellen Verhandlungen zu bewegen.
Angesichts des Stillstands kündigen alle Gewerkschaften eine Ausweitung von Warnstreiks an. Setze sich die Linie der Arbeitgeber fort, steuerten die Verhandlungen aus Sicht des dbb auf eine Eskalation zu. Die kommenden Tage werden zeigen, ob ein Kompromiss möglich ist oder ob es zu einem unbefristeten Streik kommt.
Häufig Gestellte Fragen zu den Tarifverhandlungen Länder
Wann findet die nächste Verhandlungsrunde zur Tarifrunde Länder statt?
Die dritte und voraussichtlich letzte Verhandlungsrunde ist für den 11. bis 13. Februar 2026 in Potsdam geplant. Dies ist die entscheidende Runde, in der eine Einigung erzielt werden muss, da keine Schlichtung vorgesehen ist.
Wie viele Beschäftigte sind von den Tarifverhandlungen Länder betroffen?
Insgesamt sind rund 3,2 Millionen Menschen betroffen. Davon sind etwa 925.000 Tarifbeschäftigte direkt betroffen. Zusätzlich profitieren etwa 1,3 Millionen Beamte und eine Million Versorgungsempfänger von der üblichen Übertragung des Tarifergebnisses.
Was fordern die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen Länder?
Die Gewerkschaften fordern 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Für Auszubildende und Studierende werden 200 Euro mehr Vergütung und eine unbefristete Übernahme nach Abschluss gefordert.
Was passiert, wenn die Tarifverhandlungen Länder scheitern?
Anders als beim TVöD von Bund und Kommunen gibt es auf Länderebene keine Schlichtungsvereinbarung. Scheitern die Verhandlungen nach der dritten Runde im Februar, kann die Gewerkschaft direkt zu einem unbefristeten Streik aufrufen.
Gilt das Tarifergebnis auch für Beamte der Länder?
Ja, in der Regel wird das Tarifergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die Beamten übertragen. Die Länder passen im Anschluss an die Tarifrunde die Besoldungsgesetze entsprechend an. Dies betrifft rund 1,3 Millionen Landesbeamtinnen und -beamte.
Warum ist Hessen nicht bei den Tarifverhandlungen Länder dabei?
Hessen ist nicht Teil der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und verhandelt einen eigenen Tarifvertrag (TV-H). Die TV-L-Ergebnisse gelten daher nicht für hessische Landesbeschäftigte. Hessen führt separate Verhandlungen.
Fazit: Entscheidende Woche für Millionen Beschäftigte
Die Tarifverhandlungen Länder 2026 befinden sich in einer kritischen Phase. Nach zwei ergebnislosen Runden stehen die Chancen für eine Einigung in der dritten Verhandlungsrunde am 11. und 12. Februar 2026 auf dem Spiel. Die Gewerkschaften haben mit bundesweiten Warnstreiks den Druck erhöht und zeigen, dass sie ihre Forderungen notfalls mit einem unbefristeten Streik durchsetzen werden.
Für die 3,2 Millionen betroffenen Beschäftigten, Beamten und Versorgungsempfänger geht es um mehr als nur Gehalt. Es geht um Wertschätzung, um faire Arbeitsbedingungen und um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, ein Angebot vorzulegen, das den Erwartungen gerecht wird.
Mehr Informationen zu aktuellen Entwicklungen finden Sie auch in unserem Artikel über aktuelle Reformprozesse im öffentlichen Sektor.







