Die Vorstellung, dass Intelligenz allein über den Bildungsweg entscheidet, ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Elsbeth Stern, eine renommierte Intelligenzforscherin, plädiert für eine differenziertere Betrachtung. Nicht jedes Kind profitiert zwangsläufig von einer gymnasialen Ausbildung, so ihre These. Die individuellen Stärken und Schwächen sollten bei der Wahl des Bildungsweges stärker berücksichtigt werden. Elsbeth Stern Intelligenz steht dabei im Mittelpunkt.

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- Elsbeth Stern zur Intelligenz: Messbarkeit und Grenzen
- Wie verteilt sich Intelligenz in der Bevölkerung?
- Die Geschlechterfrage: Gibt es Unterschiede in der Intelligenzverteilung?
- Gymnasium für jedes Kind? Elsbeth Sterns Kritik am Bildungssystem
- Welche Rolle spielen soziale und emotionale Kompetenzen?
- Die Zukunft der Intelligenzforschung: Ein ganzheitlicher Ansatz?
- Häufig gestellte Fragen
Kernpunkte
- Kognitive Intelligenz ist messbar, soziale und emotionale Kompetenzen weniger.
- Intelligenz verteilt sich im Mittelwert gleichmäßig zwischen den Geschlechtern, Unterschiede zeigen sich jedoch in den Extremen.
- Nicht jedes Kind ist für das Gymnasium geeignet, individuelle Förderung ist entscheidend.
- Eine einseitige Fokussierung auf kognitive Fähigkeiten vernachlässigt andere wichtige Kompetenzen.
Elsbeth Stern zur Intelligenz: Messbarkeit und Grenzen
Elsbeth Stern, Professorin für Lehr- und Lernforschung an der ETH Zürich, forscht seit Jahren intensiv zum Thema Intelligenz. Ihr Fokus liegt dabei auf der kognitiven Intelligenz, die sich wissenschaftlich messen lässt. Im Gespräch mit Simone Menne im stern-Podcast „Die Boss“ betont Stern, dass soziale und emotionale Kompetenzen zwar wichtig sind, aber schwerer zu erfassen sind als die kognitive Leistungsfähigkeit.
Kognitive Intelligenz wird oft durch standardisierte Tests wie den Intelligenzquotienten (IQ) gemessen. Diese Tests erfassen Fähigkeiten wie logisches Denken, sprachliches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen.
Wie verteilt sich Intelligenz in der Bevölkerung?
Laut Stern weisen fast 70 Prozent der Menschen eine durchschnittliche Intelligenz auf. Die restlichen 30 Prozent verteilen sich auf über- und unterdurchschnittliche Bereiche, wobei jeweils 15 Prozent über bzw. unter dem Durchschnitt liegen. Interessant ist die Verteilung zwischen den Geschlechtern: Im Mittelwert gibt es keine signifikanten Unterschiede, aber in den Extrembereichen sind mehr Männer zu finden. (Lesen Sie auch: Podcast „Die Boss – Macht ist weiblich“:…)
Die Geschlechterfrage: Gibt es Unterschiede in der Intelligenzverteilung?
Die Forschung zeigt, dass es in den unteren und oberen Intelligenzbereichen mehr Männer gibt. Das bedeutet, dass unter Hochbegabten die Verteilung nicht 50/50 ist, sondern Männer leicht überwiegen. Allerdings betont Stern, dass auch in den höchsten Bereichen Frauen vertreten sind. Diese Erkenntnisse widerlegen die These, dass Männer generell intelligenter seien als Frauen. Wie Stern berichtet, ist die Verteilung komplexer als einfache Geschlechtervergleiche.
Gymnasium für jedes Kind? Elsbeth Sterns Kritik am Bildungssystem
Stern kritisiert den weitverbreiteten Anspruch vieler Eltern, ihr Kind unbedingt auf das Gymnasium schicken zu wollen. Sie hält es für eine „Perversion“, dass die Hälfte der Schüler eine gymnasiale Ausbildung anstreben soll. Nicht jedes Kind sei dafür geeignet, und eine einseitige Fokussierung auf kognitive Fähigkeiten vernachlässige andere wichtige Kompetenzen. Stattdessen plädiert sie für eine individuelle Förderung, die die Stärken und Schwächen jedes Kindes berücksichtigt.
Welche Rolle spielen soziale und emotionale Kompetenzen?
Obwohl Stern den Fokus auf die kognitive Intelligenz legt, betont sie die Bedeutung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Diese sind jedoch schwerer messbar und werden daher in ihrer Forschung nicht berücksichtigt. Andere Experten sehen das anders. So betont beispielsweise der Psychologe Daniel Goleman die Bedeutung emotionaler Intelligenz für den Erfolg im Leben. Emotionale Intelligenz umfasst Fähigkeiten wie Empathie, Selbstregulation und soziale Kompetenz.
Daniel Goleman popularisierte den Begriff der emotionalen Intelligenz in seinem gleichnamigen Buch von 1995. Er argumentiert, dass emotionale Intelligenz eine wichtige Rolle für den Erfolg im Beruf, in Beziehungen und im persönlichen Leben spielt. (Lesen Sie auch: Elsbeth Stern Gymnasium: Zu viele Schüler auf…)
Die Zukunft der Intelligenzforschung: Ein ganzheitlicher Ansatz?
Die Forschung zur Intelligenz wird sich in Zukunft vermutlich stärker auf einen ganzheitlichen Ansatz konzentrieren. Das bedeutet, dass neben der kognitiven Intelligenz auch soziale, emotionale und praktische Kompetenzen berücksichtigt werden. Es geht darum, ein umfassenderes Bild der menschlichen Fähigkeiten zu erhalten und individuelle Stärken optimal zu fördern. Die Schweizer Regierung setzt sich beispielsweise für ein Bildungssystem ein, das individuelle Talente fördert.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Elsbeth Stern unter Intelligenz?
Elsbeth Stern konzentriert sich hauptsächlich auf die kognitive Intelligenz, welche durch standardisierte Tests messbar ist. Diese Tests erfassen Fähigkeiten wie logisches Denken, sprachliches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen. Sie grenzt sich von Konzepten wie emotionaler Intelligenz ab, da deren Messbarkeit ihrer Meinung nach weniger präzise ist. (Lesen Sie auch: KI Arbeitsmarkt: Macht die Technologie den Bachelor…)
Warum kritisiert Elsbeth Stern den Fokus auf das Gymnasium?
Stern argumentiert, dass nicht alle Kinder von einer gymnasialen Ausbildung profitieren. Sie hält es für wichtig, die individuellen Stärken und Schwächen jedes Kindes zu berücksichtigen und den Bildungsweg entsprechend anzupassen. Eine zu starke Fokussierung auf das Gymnasium könne andere Talente vernachlässigen.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Intelligenz?
Im Durchschnitt gibt es keine wesentlichen Unterschiede in der Intelligenz zwischen Männern und Frauen. Jedoch zeigen sich Unterschiede in den Extrembereichen: In den unteren und oberen Intelligenzbereichen sind tendenziell mehr Männer vertreten als Frauen. Dies bedeutet aber nicht, dass Männer generell intelligenter sind.
Welche Bedeutung haben soziale Kompetenzen laut Elsbeth Stern?
Obwohl Elsbeth Stern sich primär auf die kognitive Intelligenz konzentriert, räumt sie der sozialen Kompetenz eine wichtige Rolle ein. Sie weist jedoch darauf hin, dass soziale Kompetenzen schwerer messbar sind als kognitive Fähigkeiten, weshalb sie in ihrer Forschung weniger berücksichtigt werden.
Welche Perspektiven gibt es jenseits der kognitiven Intelligenz?
Neben der kognitiven Intelligenz gewinnen Konzepte wie die emotionale Intelligenz an Bedeutung. Psychologen wie Daniel Goleman betonen, dass emotionale Intelligenz, die Fähigkeiten wie Empathie und Selbstregulation umfasst, für den Erfolg im Leben entscheidend sein kann. Die ETH Zürich forscht ebenfalls an diesen Themen. (Lesen Sie auch: VW Datenskandal: VW-Bosse Besprachen Sensible Daten)






