Als John Wayne 1960 sein John Wayne Herzensprojekt „The Alamo“ realisierte, setzte er alles auf eine Karte. Der Film, der Waynes patriotische Vision widerspiegeln sollte, wurde zwar mit einem Oscar ausgezeichnet, entpuppte sich aber als finanzielles Desaster. Heute Abend wird das Western-Epos im Fernsehen ausgestrahlt und bietet die Gelegenheit, ein umstrittenes Monument der Filmgeschichte neu zu bewerten.

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| Titel | The Alamo |
|---|---|
| Originaltitel | The Alamo |
| Regie | John Wayne |
| Drehbuch | James Edward Grant |
| Besetzung | John Wayne, Richard Widmark, Laurence Harvey |
| Genre | Western, Kriegsfilm, Historienfilm |
| Laufzeit | 167 Minuten (ursprüngliche Kinofassung 202 Minuten) |
| Kinostart | 24. Oktober 1960 (USA) |
| FSK | 12 |
| Produktion | Batjac Productions |
| Verleih | United Artists |
Unser Eindruck: Ein Monumentalwestern mit beeindruckenden Schlachtszenen, der jedoch Waynes konservative Weltsicht widerspiegelt und dadurch polarisiert.
Film-Fakten
- John Wayne führte Regie und spielte die Hauptrolle.
- Der Film war einer der teuersten, die bis dahin gedreht wurden.
- „The Alamo“ erhielt sieben Oscar-Nominierungen, gewann aber nur einen.
- Die Dreharbeiten dauerten über 100 Tage.
- Der Film wurde von Kritikern kontrovers aufgenommen.
Ein Western-Epos mit persönlicher Bedeutung
John Wayne investierte nicht nur sein eigenes Geld in „The Alamo“, sondern auch seine ganze Leidenschaft. Er hegte den Wunsch, die Geschichte der Schlacht von Alamo aus dem Jahr 1836 zu erzählen, in der eine kleine Gruppe von Texanern gegen eine zahlenmäßig überlegene mexikanische Armee kämpfte. Wayne sah in dieser Geschichte ein Sinnbild für Mut, Opferbereitschaft und den Kampf für Freiheit. Laut Moviepilot.de brachte das Herzensprojekt den finanziellen Ruin.
Wayne übernahm nicht nur die Hauptrolle des Davy Crockett, sondern führte auch Regie – eine Doppelbelastung, die ihm nicht immer leicht fiel. Die Dreharbeiten gestalteten sich schwierig und kostspielig, da Wayne auf Authentizität bedacht war und eine riesige Kulissenstadt errichten ließ. Die Produktionskosten beliefen sich auf rund 12 Millionen US-Dollar, was „The Alamo“ zu einem der teuersten Filme seiner Zeit machte. Zum Vergleich: Der ein Jahr zuvor erschienene Monumentalfilm „Ben Hur“ kostete 15 Millionen US-Dollar. (Lesen Sie auch: Robert De Niro Netflix: Miniserie Bricht Zuschauerrekorde)
John Wayne hatte bereits in den 1940er Jahren die Rechte an der Geschichte von Alamo erworben, brauchte aber lange, um die nötige Finanzierung zu sichern.
Der Film kam 1960 in die Kinos und wurde von der Kritik zwiespältig aufgenommen. Während einige die epische Inszenierung und die beeindruckenden Schlachtszenen lobten, kritisierten andere die pathetische Darstellung und die simplifizierende Geschichtsinterpretation. Auch kommerziell war „The Alamo“ kein durchschlagender Erfolg. Obwohl der Film hohe Einspielergebnisse erzielte, reichten diese nicht aus, um die hohen Produktionskosten zu decken. Wayne verlor einen Großteil seines investierten Vermögens.
Warum floppte „The Alamo“ trotz Oscar-Gewinn?
Obwohl „The Alamo“ mit sieben Oscar-Nominierungen bedacht wurde und einen Oscar für den besten Ton gewann, konnte der Film sein finanzielles Fiasko nicht abwenden. Dies lag zum einen an den bereits erwähnten hohen Produktionskosten. Zum anderen spielte aber auch die politische und gesellschaftliche Stimmung in den USA eine Rolle. In den 1960er Jahren begann sich die amerikanische Gesellschaft kritischer mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Waynes idealisierte Darstellung des Wilden Westens und sein unkritischer Patriotismus wirkten zunehmend anachronistisch.
Hinzu kam, dass „The Alamo“ in einer Zeit des Umbruchs im Western-Genre erschien. Filme wie „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (1962) und „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) zeigten eine düstere und realistischere Seite des Wilden Westens. Waynes heroische Inszenierung wirkte im Vergleich dazu altbacken und überholt. „The Alamo“ geriet somit zwischen die Stühle: Für das traditionelle Western-Publikum war er zu lang und zu pathetisch, für das neue Western-Publikum zu unkritisch und zu heroisch. (Lesen Sie auch: Millionen Diebstahl Netflix: Wahre DDR-Story Jetzt Streamen)
Die Schlacht von Alamo selbst ist bis heute ein umstrittenes Thema in der Geschichtsschreibung. Während einige sie als heroischen Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit sehen, betonen andere die Rolle der Sklaverei und die imperialistischen Bestrebungen der Texaner. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Aspekten fehlt in Waynes Film weitgehend.
Die Schlacht von Alamo war ein entscheidender Moment im Texanischen Unabhängigkeitskrieg. Die texanischen Verteidiger wurden von der mexikanischen Armee unter General Santa Anna belagert und getötet.
Was unterscheidet „The Alamo“ von anderen Western-Epen?
„The Alamo“ unterscheidet sich von anderen Western-Epen vor allem durch seine persönliche Bedeutung für John Wayne. Er identifizierte sich stark mit den Werten, die er in der Geschichte von Alamo verkörperte: Mut, Patriotismus und Opferbereitschaft. Dies führte jedoch auch dazu, dass der Film eine sehr einseitige und idealisierte Darstellung der Ereignisse bietet. Im Vergleich zu anderen Western-Epen wie „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) oder „Erbarmungslos“ (1992), die sich kritisch mit der Geschichte des Wilden Westens auseinandersetzen, wirkt „The Alamo“ eher wie ein Denkmal für Waynes eigene Überzeugungen.

Die Kameraarbeit von William H. Clothier fängt die Weite der texanischen Landschaft eindrucksvoll ein, während Dimitri Tiomkins pathetischer Soundtrack die heroische Stimmung des Films unterstreicht. Der Schnitt von Stuart Gilmore sorgt für ein angemessenes Tempo, wobei die Schlachtszenen besonders dynamisch und actionreich inszeniert sind. Allerdings trägt die lange Laufzeit von über zweieinhalb Stunden dazu bei, dass der Film gelegentlich etwas langatmig wirkt. (Lesen Sie auch: Zendaya Robert Pattinson Film: „Challengers“ Erobert die…)
Trotz seiner Schwächen ist „The Alamo“ ein beeindruckendes filmisches Monument, das Waynes Vision vom Wilden Westen widerspiegelt. Der Film bietet opulente Bilder, spannende Schlachtszenen und eine starbesetzte Besetzung. Wer sich für klassische Western-Epen interessiert und bereit ist, über die pathetische Darstellung hinwegzusehen, kann sich von „The Alamo“ durchaus unterhalten lassen.
Für wen lohnt sich „The Alamo“?
„The Alamo“ lohnt sich für Zuschauer, die klassische Western-Epen mit großen Schlachtszenen und heroischen Charakteren mögen. Wer Filme wie „Rio Bravo“ oder „Der längste Tag“ schätzt, wird auch an „The Alamo“ Gefallen finden. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass der Film eine sehr einseitige und idealisierte Darstellung der Geschichte bietet. Wer eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wilden Westen erwartet, wird eher enttäuscht sein. Wer beispielsweise „Deadwood“ mag, wird hier kaum auf seine Kosten kommen.
Für John Wayne-Fans ist „The Alamo“ ohnehin ein Muss, da der Film einen wichtigen Einblick in Waynes Weltbild und seine persönlichen Überzeugungen bietet. Der Film zeigt Wayne als Schauspieler, Regisseur und Produzenten in einer Personalunion. Wer sich für die Geschichte des Western-Genres interessiert, sollte „The Alamo“ ebenfalls gesehen haben, da der Film ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Genres ist – auch wenn er letztlich nicht den erhofften Erfolg brachte.
Häufig gestellte Fragen
Welche Auszeichnungen hat „The Alamo“ gewonnen?
„The Alamo“ wurde mit sieben Oscar-Nominierungen bedacht und gewann einen Oscar für den besten Ton. Weitere Nominierungen gab es unter anderem für die beste Kameraarbeit und den besten Schnitt. (Lesen Sie auch: Scarlett Johansson legt einen ihrer vergessenen 2000er-Filme…)

