Der VW Dieselskandal ist noch immer nicht vollständig aufgearbeitet. Mehr als ein Jahrzehnt nach Bekanntwerden der Manipulationen an Abgaswerten, hat nun ein weiterer Prozess in Braunschweig begonnen. Im Fokus steht die Frage, inwieweit Verantwortliche für die millionenfach verbaute Abschaltsoftware zur Rechenschaft gezogen werden.

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Auto-Fakten
- Dritter großer Betrugsprozess in Braunschweig
- Fünf Angeklagte, teils ehemalige VW-Mitarbeiter
- Vorwurf: Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug
- Entwicklung und Unterstützung der Abschaltsoftware
Worum geht es in dem neuen Prozess zum VW Dieselskandal?
Im dritten großen Prozess vor dem Landgericht Braunschweig stehen fünf Angeklagte, darunter ehemalige Mitarbeiter von Volkswagen und einem Zulieferer, wegen des vw dieselskandals vor Gericht. Ihnen wird Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen, da sie an der Entwicklung oder Unterstützung einer Software beteiligt gewesen sein sollen, die Abgaswerte auf Prüfständen manipulierte.
⚠️ Wichtige Details aus der Originalmeldung:
- Aktenzeichen: azu
Dritter Prozess mit fünf Angeklagten
Wie Stern berichtet, müssen sich erneut mehrere Personen vor einer Braunschweiger Strafkammer verantworten. Fünf Angeklagte, darunter ehemalige Mitarbeiter von VW und eines Zulieferers, stehen im Fokus des Verfahrens (Az.: 14 KLs 411 Js 13746/21 (33/21)). Ihnen wird Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.
Ähnlich wie in den vorherigen Prozessen geht es um die sogenannte Abschaltsoftware. Diese Software soll in Millionen Fahrzeugen der VW-Marken eingesetzt worden sein, um auf Prüfständen bessere Abgaswerte vorzutäuschen als im realen Betrieb. Dadurch soll den Käufern ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden sein. (Lesen Sie auch: Noch ein VW-Dieselprozess: VW-Abgasaffäre ohne Ende -…)
Den Angeklagten wird zur Last gelegt, dass sie zwischen November 2006 und September 2015 in unterschiedlichen Zeiträumen an der Entwicklung der Software mitgewirkt oder diese anderweitig unterstützt haben sollen. Motiviert gewesen sollen sie dabei von dem Ziel, dem Unternehmen möglichst hohe Gewinne zu verschaffen, um über Gehalts- und Bonuszahlungen selbst davon zu profitieren. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Abschaltsoftware erkannte, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befand. In diesem Modus wurden die Abgaswerte reduziert, um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten. Im normalen Fahrbetrieb wurden jedoch deutlich höhere Schadstoffemissionen freigesetzt.
Was bedeutet das für Autofahrer?
Auch wenn der Skandal bereits einige Jahre zurückliegt, sind die Auswirkungen für betroffene Autofahrer weiterhin spürbar. Wertverluste der Fahrzeuge und mögliche Fahrverbote in Innenstädten sind nur einige der Konsequenzen.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach der Verlesung der Anklage, die fast zwei Stunden dauerte, wurde die Öffentlichkeit zunächst ausgeschlossen. Grund dafür waren sogenannte Rechtsgespräche, in denen das komplexe Verfahren erörtert werden sollte, so ein Gerichtssprecher. Im Anschluss an diese Gespräche soll die Öffentlichkeit über die wesentlichen Inhalte und Ergebnisse informiert werden.
Verurteilte sehen sich als Bauernopfer – Winterkorn-Verfahren offen
Der erste Betrugsprozess in Braunschweig endete im Mai 2025 nach mehrjähriger Verhandlung mit Urteilen. Zwei der vier Angeklagten erhielten Haftstrafen, die anderen beiden Bewährungsstrafen. Die Verurteilten sehen sich jedoch als Bauernopfer. Das Verfahren gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn ist weiterhin offen. (Lesen Sie auch: Deutschlandcard Eingestellt: Das Ende einer Ära für…)
Die juristische Aufarbeitung des vw dieselskandals zieht sich somit weiter in die Länge. Neben den strafrechtlichen Verfahren gibt es auch zahlreiche zivilrechtliche Klagen von betroffenen Autobesitzern, die Schadensersatz fordern. Die Komplexität des Falles und die Vielzahl der Beteiligten machen eine schnelle und umfassende Aufklärung schwierig.
Betroffene VW-Fahrer sollten ihre Rechte prüfen und gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen. Auch wenn die Verjährungsfristen in vielen Fällen bereits abgelaufen sind, gibt es noch Möglichkeiten, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat im Zuge des Skandals zahlreiche Rückrufe für Fahrzeuge verschiedener Marken angeordnet. Betroffene Halter wurden angeschrieben und aufgefordert, ihre Fahrzeuge in die Werkstatt zu bringen, um die beanstandete Software entfernen zu lassen. Die Kosten für diese Nachrüstungen wurden in der Regel von Volkswagen übernommen.
Neben Volkswagen sind auch andere Automobilhersteller in den Fokus der Ermittlungen geraten. Auch bei Daimler und BMW gab es Vorwürfe wegen möglicher Manipulationen an Abgaswerten. Die Abgasaffäre hat das Vertrauen in die gesamte Automobilindustrie nachhaltig erschüttert.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in zahlreichen Tests immer wieder erhöhte Schadstoffemissionen bei Dieselfahrzeugen festgestellt. Die DUH fordert eine umfassende Aufklärung der Abgasaffäre und eine konsequente Ahndung der Verantwortlichen. (Lesen Sie auch: Entlastungsprämie: 1000 Euro steuerfrei – bekomme ich…)
Der VW Dieselskandal hat nicht nur juristische Konsequenzen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die Reputation von Volkswagen. Das Unternehmen hat Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen zahlen müssen. Zudem hat der Skandal zu einem Umdenken in der Automobilindustrie geführt. Elektromobilität und alternative Antriebsformen rücken immer stärker in den Fokus.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist die Abschaltsoftware im VW-Dieselskandal?
Die Abschaltsoftware ist eine illegale Programmierung in Dieselautos, die erkennt, wenn sich das Fahrzeug auf einem Abgas-Prüfstand befindet. In diesem Modus werden die Abgaswerte reduziert, um die Grenzwerte einzuhalten, während im normalen Fahrbetrieb deutlich höhere Schadstoffemissionen freigesetzt werden.
Welche Folgen hat der VW-Dieselskandal für betroffene Autobesitzer?
Betroffene Autobesitzer mussten mit Wertverlusten ihrer Fahrzeuge rechnen. Zudem drohten Fahrverbote in Innenstädten. Viele haben Schadensersatzansprüche geltend gemacht, um den finanziellen Schaden auszugleichen. (Lesen Sie auch: Entlastungsprämie: 1000 Euro steuerfrei – bekomme ich…)
Was können betroffene VW-Fahrer jetzt noch tun?
Welche Rolle spielte Martin Winterkorn im VW-Dieselskandal?
Martin Winterkorn war zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Skandals Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Gegen ihn wurde ebenfalls ermittelt, das Verfahren ist noch offen. Ihm wird vorgeworfen, von den Manipulationen gewusst und diese nicht verhindert zu haben.

